Wie zeigt man der Welt, dass man ein siebensitziges SUV im Programm hat und sich auch noch als Pionier bei den Crossovers sieht? Man baut einen Siebensitzer, den es vorher noch nie gegeben hat. Und so hat Nissan einen siebensitzigen X-Trail-Rennbob auf die Kufen gestellt, um Journalisten auf eine spektakuläre Fahrt durch den Eiskanal zu schicken.
Sieben Sitze auf engstem Raum sind natürlich eine relative Sache, im Bob wie im SUV. Bei meiner Bob-Fahrt waren wir nur zu sechst, weil für sieben zu wenig Platz war (lieber zu sechst starten als unterwegs einen verlieren). Ebenso dürfen die Passagiere im Nissan X-Trail nicht gerade Gardemaß haben, damit sie zu siebt hineinpassen. Also Vordersitze nach vorne schieben, ebenso (in zwei Teilen die Rückbank), dann wird alles gut in der Familie.
Versenkt man die dritte Reihe, bieten sich dank 2,70 Meter Radstand großzügige Platzverhältnisse. Das Ladevolumen beträgt zwischen 550 und 1.982 Liter (in Zwei- bzw. Fünfsitzeraufstellung).
X for Family
Überhaupt ist seit dem Generationswechsel eher die Familie die Zielgruppe des Nissan X-Trail, der das Rustikale des Vorgängers fast vollständig abgelegt hat. Allradantrieb ist Option, und damit kommt er durchaus beachtlich weit, wenn es tief und gatschig wird. Bodenfreiheit darf man halt nicht brauchen, denn die ist mit 21 Zentimetern nicht exorbitant.
Aber schließlich boomen ja SUVs, nicht echte Offroader, und bei Nissan wissen sie, was sie machen. Daher haben sie auch bei der Konstruktion des Siebensitzer-Bobs nichts dem Zufall überlassen und eine Handvoll echte Experten zusammengespannt: Die britische Bob-Legende Ian Richardson als federführenden Projektmanager, Bobbau-Koryphäe Diego Menardi aus Italien baute das abgefahrene Gerät und Nissans europäischer Design-Manager Darryl Scriven, sonst für die Autos zuständig, schuf das markentypische Design, inklusive LED-Tagfahrlicht (Serie im X-Trail). Schon dieses sorgt für große Augen: Einen Rennbob mit gleißenden LED-Bumerangs vorne hat man auf der Bahn in Igls wohl auch noch nicht gesehen.
Das ist Nissans Siebensitzer-Bob:
Sicherheit ganz groß geschrieben
"Safety Shield" heißt die Sicherheits-Offensive beim Nissan X-Trail. Dazu gehören ein autonomer Notbremsassistent, Müdigkeitserkennung, Verkehrszeichenerkennung, Einpark-, Spurhalte- und Totwinkelassistent oder auch die Rundumkameras mit Vogelperspektive (all das und mehr in höheren Ausstattungsstufen bzw. gegen Aufpreis).
Beim Bob besteht das "Safety Shield" aus Sean Olsson, seines Zeichens Brite und Olympiamedaillengewinner, der als Fahrer und Bremser in Personaleinheit fungiert (normalerweise sitzt der Bremser im Bob hinten), sowie Ian Richardson, der die Kufen je nach Streckenverhältnissen so anschleift, dass das voll besetzt bis zu 895 kg schwere Gefährt schnell genug, aber nicht zu schnell wird. Bei der mit diesem Gewicht erzielbaren Geschwindigkeit wäre der Bob kaum noch zu kontrollieren - ähnlich einem Lkw bei 180 km/h. Und bremsen während der Fahrt ist streng verboten.
Alle Systeme auf Alarm
Die 105 km/h, mit denen wir durch den Kanal gerauscht sind, reichen allerdings auch schon für kräftiges Durchschütteln und Adrenalinausschütten. Die weißen Eiswände ziehen in atemberaubendem Tempo vorbei, die Nackenmuskeln sind maximal gefordert, damit der Kopf nicht völlig unkontrolliert gegen die Kante des Bobs knallt. Die ersten zwei Drittel der Strecke schaffe ich es, die Kräfte zu antizipieren; doch dann geht das Links-Rechts so schnell, dass ich nicht mehr folgen kann. Wie gut, dass ich einen Helm trage - und dass die Fahrt nur rund eine Minute dauert. Ein Erlebnis!
Die wilde Fahrt im Video:
Im Nissan X-Trail geht es deutlich komfortabler zu, da darf die Fahrt auch gerne Stunden dauern. So überwacht die aktive Fahrkomfortregelung die Fahrbahnoberfläche und passt die Dämpfung automatisch an, die aktive Spurkontrolle hält bei eventuellem Untersteuern gegen. Insgesamt fährt sich der X-Trail angenehm, der 130-PS-Diesel erwies sich als ausreichend kraftvoll und akustisch zurückhaltend. Ein Wunder an Durchzugskraft darf man sich unten herum nicht erwarten, erst ab 1750/min., wenn maximal 320 Nm anliegen. Das manuelle Sechsganggetriebe will also entsprechend bedient werden.
Der Bob ist unverkäuflich, der X-Trail hingegen sogar bezahlbar: Bei 25.750 Euro fängt die Preisliste an (Benziner, 163 PS, Frontantrieb), der Diesel kostet knapp 3000 Euro mehr. Wer den Allradler will, muss nochmal 7000 Euro mehr rechnen, bekommt dann aber auch eine höhere Ausstattungsstufe.
Mit dem Siebensitzer-Bob geht Nissan jetzt auf Welttournee, der Siebensitzer-X-Trail wird dann wohl jeweils schon da sein. Schließlich soll er die Erfolgsgeschichten zweier Modelle weiterschreiben: die des X-Trail sowie die des Qashqai+2. Einfache Gleichung: (1+1)x7 = 4x4. Mathematisch unsinnig, aber sie wird aufgehen. Auf dünnes Eis begibt sich Nissan mit dem X-Trail jedenfalls nicht.
Das Making-of: So entstand Nissans Siebensitzer-Bob












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