Überraschender Move

China-Gigant BYD will in die Formel 1 einsteigen

Motor
12.03.2026 06:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Formel 1 ist der Sport, aus dem die Träume sind - passender als „Build Your Dreams“ könnte ein Team da kaum heißen. BYD und die Formel 1? Ja, ausgerechnet der Akku-Kaiser aus China schielt auf Ferrari & Co.

Die Formel 1 war lange der Ort für Motor-Röhren und -Kreischen, jede Menge Abgase, Abrieb und Rauch und roten Wahnsinn. Heute ist sie längst auch ein Hochleistungs-Labor für Elektrifizierung, Energierückgewinnung und Software. Genau deshalb ist ein Gerücht plötzlich gar nicht mehr so absurd, wie es auf den ersten Blick klingt: BYD soll laut Bloomberg einen Einstieg in die Formel 1 prüfen.

Das wäre ein ziemlicher Hammer. Nicht nur, weil BYD in Europa gerade mit Preis, Tempo und Modelloffensive auffällt. Sondern weil die Chinesen damit dort auftauchen würden, wo bisher Namen wie Ferrari, McLaren oder Mercedes das Sagen haben. Und weil man damit eines ganz klar sagen würde: Wir wollen nicht nur Autos verkaufen. Wir wollen Weltmarke sein.

BYD hat die Produktion reiner Verbrenner bereits im März 2022 eingestellt und konzentriert sich seither auf batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride. Ein möglicher F1-Einstieg wäre also kein nostalgischer Ausflug in die Benzinromantik, sondern eher ein strategischer Image-Booster für einen Konzern, der global weiter wachsen will.

Und die Formel 1 passt heute tatsächlich besser zu BYD als noch vor ein paar Jahren. Denn seit der laufenden Saison 2026 wird der elektrische Anteil der neuen Antriebe noch wichtiger: Die Elektromaschine namens MGU-K liefert dann bis zu 350 kW, fast dreimal so viel wie bisher, und der elektrische Anteil soll laut Formel 1 bei rund 50 Prozent der Gesamtleistung liegen. Gleichzeitig fällt die MGU-H weg, ein komplexes Bauteil, das den Turbolader zur Stromerzeugung nutzt. Gefahren wird weiter mit einem 1,6-Liter-V6-Turbo-Hybrid auf Basis der neuen Regeln.

Mit anderen Worten: Die Königsklasse wurde ein gutes Stück elektrischer. Und genau da sitzt BYD nun wirklich nicht in der letzten Reihe. Der Konzern ist Batteriehersteller, E-Auto-Bauer und hat mit seiner Luxusmarke Yangwang längst gezeigt, dass er auch technisch auf Muskelspiel machen kann. Das Extrembeispiel ist der Yangwang U9 mit vier E-Motoren und rund 960 kW /1287 PS Systemleistung; auf dem Papier sprintet der in etwa 2,3 Sekunden auf 100 km/h. In der Topversion kommt er sogar auf rund 3000 PS. Das ist zwar noch keine Eintrittskarte für die Formel 1, aber schon ein Hinweis darauf, dass BYD nicht nur günstige Alltagsstromer kann.

BYD als zwölftes Team?
Noch liegt allerdings vieles im Nebel. Laut Bloomberg prüft BYD mehrere Optionen, also nicht nur den Aufbau eines eigenen Projekts, sondern auch einen Einstieg über bestehende Strukturen. In Berichten fällt dabei immer wieder der Name Alpine. Bestätigt ist da freilich nichts. Es ist vorerst genau das, was in der Formel 1 oft besonders üppig wächst: ein Gerücht mit genügend Benzin bzw. Strom für viele Schlagzeilen.

Fest steht nur: Die Formel 1 hat gerade erst Zuwachs bekommen. Das Cadillac-Formel-1-Team wurde offiziell für 2026 als elftes Team bestätigt. Wer also über BYD spricht, redet entweder vom möglichen zwölften Team oder von einer Übernahme bestehender Strukturen. Beides wäre groß. Beides wäre teuer. Und beides dürfte im Fahrerlager nicht nur Jubel auslösen.

Nicht nur Formel 1 im Visier
Interessant ist auch, dass BYD laut Bloomberg nicht nur die Formel 1 im Blick haben soll, sondern ebenso den Langstreckensport. Das ergibt Sinn. Denn wer elektrische Kompetenz, Effizienz und globale Sichtbarkeit zeigen will, findet in der WEC ebenfalls eine sehr attraktive Bühne. Dort geht es weniger um Glamour und mehr um Substanz, Ausdauer und Technik – also um genau jene Dinge, mit denen Hersteller gern ihren Ingenieursstolz polieren.

BYD wäre damit auch kein Einzelfall. Chinesische Marken schauen längst genauer hin, wenn es um Motorsport als globale Werbebühne geht. Nio fährt seit Jahren in der Formel E, und rund um Chery gibt es ebenfalls Spekulationen über größere Rennsportpläne, Stichwort Le Mans. 

Die eigentliche Pointe ist aber eine andere: Ausgerechnet die Formel 1, einst Heiligtum des hochdrehenden Verbrenners, wird gerade technisch so umgebaut, dass ein Konzern wie BYD dort plötzlich glaubwürdig wirken kann. Noch vor zehn Jahren hätte man gesagt: nett, aber die bauen Batterien. Heute muss man sagen: genau deshalb könnten sie dort hineinpassen.

Ob BYD am Ende wirklich gegen Ferrari, McLaren, Mercedes und vielleicht sogar Alpine fährt, ist offen. Aber allein die Tatsache, dass diese Möglichkeit plötzlich ernsthaft diskutiert wird, zeigt, wie stark sich das Kräfteverhältnis in der Autoindustrie verschiebt. Früher wollten die Chinesen europäische Autos kopieren (und tun das zum Teil noch immer). Heute überlegen sie, den Europäern in deren edelster Motorsport-Vitrine den Platz streitig zu machen.

Oder, um es etwas weniger diplomatisch zu sagen: Wenn BYD wirklich in die Formel 1 einsteigt, dann geht’s nicht nur um Rennsport. Dann geht’s um Prestige. Um Technologie. Um Markenmacht. Und um die sehr unangenehme Erkenntnis für manche Traditionshersteller, dass der neue Gegner nicht aus Maranello oder Woking kommen muss – sondern eventuell auch aus Shenzhen.

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