Mo, 23. Juli 2018

Nach 50 Jahren

03.12.2015 17:52

"Frau Nikolo" geht in Pension

Eine große Ära geht zu Ende: Zum 50. und gleichzeitig zum letzten Mal zieht Heidi Dietrichsteiner an diesem Wochenende als Nikolo von Haus zu Haus. Mit ihren goldenen Schuhen ist sie überall bekannt.

"Eigentlich wollte ich ja schon vor Jahren aufhören, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt", erzählt Heidi Dietrichsteiner, als wir sie daheim in Glantschach in Liebenfels besuchen. "Aber dann habe ich mir gedacht: Den 50er mache ich noch voll. Aber heuer gehe ich das letzte Mal." Und das nach mehr als 1000 Hausbesuchen, die die dreifache Mama in den fünf Jahrzehnten hinter sich gebracht hat.

Begonnen hatte alles mit "süßen" 21 Jahren, als eine Freundin, die selbst als Krampus im Ort unterwegs war, einen Nikolaus gesucht hat. Also nahm Dietrichsteiner den Umhang des Ortspfarrers und bastelte sich eine Mitra (Kopfbedeckung der Bischöfe).

Als besonderes Markenzeichen schnappte sie sich die Arbeitsschuhe ihres Mannes und lackierte sie mit Goldfarbe. "Schaut her, da sind sie!", sagt Dietrichsteiner und deutet auf das Schuhwerk. "Als ich selbst noch zur Schule ging, hatte der Nikolaus damals goldene Schuhe an, also wollte ich auch welche haben. Die Kinder fasziniert das."

So wird es auch heuer sein, wenn Dietrichsteiner zum letzten Mal die Schüler in Kraig besuchen wird. Und dabei kann sie wohl keine Frage der Kleinen aus dem Konzept bringen.

"Man lernt im Laufe der Jahre bestimmte Tricks. Wenn etwa ein Kind fragt, wie meine Telefonnummer lautet, dann antworte ich, dass der Nikolo kein Telefon hat", lacht sie. "Aber allzu viel gefragt wird sowieso nicht, weil die Kinder viel zu aufgeregt sind, wenn der Nikolo sie besucht."

In all den Jahren als Nikolo sei sie außerdem nicht einmal als Frau entlarvt worden: "Ich glaube, Kinder denken da nicht viel nach. Natürlich habe ich meine Stimme auch immer etwas verstellt."

Nicht verstellen muss sie sich am Sonntag, wenn Heidi Dietrichsteiner beim Gottesdienst in Glantschach offiziell als "Nikolaus" verabschiedet wird.

"Ich werde noch einmal Mandarinen und Nüsse verteilen und werde die Legende vorlesen, wie der Nikolaus einst gelebt hat."

Danach wird mit allen Krampussen gefeiert, die sie im Laufe der Jahrzehnte begleitet haben: "Meine Krampusse waren immer friedlich. Sie haben höchstens ein bisschen gescheppert, wenn ich etwas aus dem Buch vorgelesen habe."

Dann ist wirklich Schluss - und das Gewand wird für immer beiseite gelegt. "Ich glaube, die Wehmut wird erst nächstes Jahr kommen, wenn ein anderer Nikolaus meinen Platz einnimmt."

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