Mi, 19. September 2018

Sexualmorde

30.10.2015 20:28

Fall Mohamed: Verdächtiger tötete noch einen Buben

Die entführten Kinder Mohamed und Elias sind vom selben Täter getötet worden. Der am Donnerstag festgenommene mutmaßliche Mörder des vierjährigen Flüchtlingsbuben Mohamed gestand auch die zweite Tat. "Er hat in der Vernehmung in der Nacht eingeräumt, Mohamed und Elias getötet zu haben", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag. Es dürfte sich in beiden Fällen um Sexualmorde handeln.

Zum Fall Mohamed schrieb die Polizei auf Twitter: "Der Tatverdächtige hat ausgesagt, den Vierjährigen schon am 2.10. kurz nach der Entführung getötet zu haben." Weiters hieß es: "Er hat außerdem erklärt, auch den vermissten sechsjährigen Elias aus Potsdam getötet zu haben." Die Fahnder gehen davon aus, dass der 32-jährige Mann ein Einzeltäter war. Polizeilich sei er "ein unbeschriebenes Blatt" gewesen.

Mohameds Leiche im Auto des Täters gefunden
Bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag teilten die Berliner Ermittler noch weitere Details mit: So soll der kleine Flüchtlingsbub Mohamed vor seinem Tod sexuell missbraucht und anschließend mit einem Gürtel erwürgt worden sein. Es dürfte sich in beiden Fällen um Sexualmorde handeln, hieß es.

Am Tag der Festnahme fuhr der Mann noch mit dem Auto herum. "Das hatte aus seiner Sicht einen ganz profanen Grund, weil er noch ein Geschenk für seine Cousine kaufen musste", sagte der Oberstaatsanwalt. Zuhause, wo ihn bereits die Polizei erwartete, habe er dann ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

Mohameds Leiche wurde im Auto des Verdächtigen gefunden. Er hatte sie zuvor vom Dachboden geholt. Dort hatte er den Buben nach der Ermordung in eine Wanne gelegt und ihn später mit Katzenstreu gegen den drohenden Geruch bedeckt.

Elias (6) Anfang Juli in Potsdam verschwunden
Der sechsjährige Elias war Anfang Juli in Potsdam verschwunden, nachdem der Erstklässler zuletzt beim Spielen gesehen worden war. Hunderte Polizisten und Nachbarn durchsuchten in den folgenden Wochen die gesamte Umgebung der Wohnsiedlung Schlaatz - allerdings ohne Ergebnis.

Am Freitagnachmittag grub die Brandenburger Polizei bei der Suche nach Elias in Luckenwalde eine Leiche aus. Dort habe er den Buben vergraben, hatte der mutmaßliche Mörder ausgesagt und eine genaue Stelle skizziert. Im Schrebergarten des mutmaßlichen Mörders, eines 32-jährigen Wachmanns, stieß die Polizei auf ein Paket, indem sich ein menschlicher Leichnam befand. "Ob es sich dabei um die Leiche des vermissten Elias handelt, kann erst nach Beendigung der gerichtsmedizinischen Untersuchungen gesichert gesagt werden", teilte man mit.

Entführer auf Überwachungskamera-Bildern zu sehen
Mohamed war am 1. Oktober vor der Anlaufstelle für Flüchtlinge in Berlin, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), verschwunden. Dort hatte seine aus Bosnien stammende Mutter einen Termin. Sein Entführer wurde mithilfe von Bildern aus Überwachungskameras gefasst. Ein Film zeigt den Mann, wie er mit dem Buben an der Hand das Gelände des LaGeSo verlässt. Bilder einer anderen Kamera von einer 800 Meter entfernt liegenden Gaststätte zeigen den Mann, wie er sich kurz vorher alleine dem LaGeSo näherte.

Besonders diese erst vor kurzem veröffentlichten Aufnahmen führten wegen ihrer besseren Qualität zu dem Täter. Die Eltern des Mannes in Niedergörsdorf in Südbrandenburg erkannten ihren Sohn am Mittwochabend anhand der Bilder wieder. Die Mutter informierte die Polizei. Der Sohn stellte sich an dem gemeinsamen Wohnort und brachte die Leiche des Buben im Kofferraum seines Autos mit.

Mutter gab Polizei entscheidenden Hinweis
Dass die Mutter des Entführers der Polizei den entscheidenden Hinweis gab, ist aus Sicht von Experten etwas Besonderes. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, Isabella Heuser. Die Frau dürfte zuvor eine Weile mit sich gerungen haben. "Mit Sicherheit hat die Mutter nicht das Fahndungsfoto gesehen und sofort zum Hörer gegegriffen", sagte Heuser.

Die Frau hatte ihren Sohn nach Darstellung der Polizei zunächst mit ihrem Verdacht konfrontiert. "Das kann auch schiefgehen und damit enden, dass die Eltern selbst angegriffen werden", erklärte die Psychologin. Insgesamt habe die Frau "ungeheuer mutig" gehandelt. "Die Mutter hat ethisch und moralisch das Richtige getan."

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