Nach US-Luftangriff

Ärzte ohne Grenzen zieht sich aus Kunduz zurück

Ausland
04.10.2015 15:36
Nach dem mutmaßlichen US-Luftangriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im nordafghanischen Kunduz zieht sich die Hilfsorganisation vorerst aus der Stadt zurück. Die Klinik sei "nicht mehr nutzbar", sagte eine Sprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Die Organisation sei nicht mehr dort tätig, dringend behandlungsbedürftige Patienten seien in andere Kliniken gebracht worden.

"Ich kann derzeit nicht sagen, ob das Traumazentrum wiedereröffnet wird oder nicht", sagte die Sprecherin. Bei dem Bombardement waren am Samstag mindestens zwölf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und sieben Patienten getötet worden, darunter drei Kinder. Weitere 37 Menschen wurden schwer verletzt, darunter 19 Mitarbeiter.

Die NATO erklärte, möglicherweise sei die Klinik bei einem Luftangriff der Militärallianz getroffen worden. In einer Erklärung war von einem möglichen "Kollateralschaden" die Rede. Die USA bestätigten Luftangriffe nahe der Klinik und sagten Aufklärung zu.

Kunduz war am Montag von den radikalislamischen Taliban erobert worden. Die Armee startete eine Gegenoffensive und meldete am Freitag die Rückeroberung der Stadt. Dutzende Menschen sollen getötet, Hunderte weitere verletzt worden sein.

Weltweite Empörung nach Luftangriff
Der Bombenangriff auf das Spital sorgte weltweit für Entsetzen und brachte dem US-Militär harsche Kritik ein. Die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Meinie Nicolai, sprach von einem "schweren Bruch des Völkerrechts" und forderte eine unabhängige Untersuchung. Aus Sicht der Hilfsorganisation steht außer Zweifel, dass die US-geführte Militärkoalition die Klinik bombardiert hat.

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