Sa, 22. September 2018

Berlin-Planspiele

15.04.2015 14:36

Behalten Griechen nach möglicher Pleite den Euro?

Nachdem in den vergangenen Tagen Medienberichte aufgetaucht waren, wonach sich Athen bereits auf einen Zahlungsausfall vorbereite, berichtet nun die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit", dass Berlin an einem Plan arbeite, Griechenland auch nach einer möglichen Staatspleite im Euro-Raum zu halten. Das deutsche Finanzministerium dementiert.

Sollte Griechenland zahlungsunfähig werden, müsste die EZB die Versorgung Griechenlands mit Euros einstellen, was einen Kollaps der dortigen Banken bedeuten würde. Um den Geldkreislauf aufrecht zu erhalten, könnte die Regierung dann zur Einführung einer Parallelwährung gezwungen sein. Die "Zeit" berichtete am Mittwoch, ein in der Bundesregierung diskutierter Plan ziele darauf ab, die griechischen Banken soweit zu sanieren, dass sie auch nach einem Staatsbankrott an den Geldgeschäften der EZB teilnehmen könnten.

Voraussetzung für ein solches Entgegenkommen sei aber, dass sich Griechenland grundsätzlich kooperativ zeige und bereit sei, die Reformauflagen zu erfüllen. Wenn das nicht der Fall sei, werde die deutsche Regierung demnach einen Euro-Austritt in Kauf nehmen. Auch dann solle Griechenland aber soweit wie möglich an Europa gebunden sein, etwa durch Hilfen, die den Übergang zu einer eigenen Währung erleichtern sollten.

Euro-Gruppe wird Hilfsgelder wohl nicht freigeben
Je näher das nächste Euro-Finanzministertreffen am 24. April rückt, desto größer wird die Sorge, dass Athen zumindest eine ihrer Zahlungsverpflichtungen gegenüber den internationalen Geldgebern nicht erfüllen kann. Eigentlich sollte am 24. April die Freigabe der letzten Tranche an Hilfsgeldern beschlossen werden.

Weil aber nach wie vor keine überzeugenden Reformpläne vorgelegt werden konnten, erscheint ein Transfer noch in diesem Monat als unrealistisch. "Falls sich irgendwo die Vorstellung festgesetzt hat, man könnte im April auszahlen, ich glaube, da liegt man falsch", sagte eine Sprecherin des deutschen Finanzministeriums am Mittwoch in Berlin. Zum Bericht über die Planspiele in Berlin meinte die Sprecherin: "Da kann ich nur den Kopf schütteln. Zu Spekulationen, von denen es dieser Tage wirklich viele gibt, kann ich keine Stellung nehmen oder die kommentieren."

Athen auf der Suche nach Unterstützung in China und USA
Auf der Suche nach Unterstützung will Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis am Rande der IWF-Frühjahrstagung am Donnerstag in Washington US-Präsident Barack Obama treffen und am Freitag mit EZB-Präsident Mario Draghi sprechen. Nachdem beim Staatsbesuch von Ministerpräsident Alexis Tsipras in Moskau vor einer Woche bereits engere wirtschaftliche Bande geknüpft worden waren, scheint die griechische Regierung nun auch mit China intensivere Gespräche zu führen. Am Dienstag telefonierte Tsipras mit seinem chinesischen Amtskollegen Li Keqiang über die Verstärkung der Kooperation beider Staaten "auf allen Ebenen", wie Tsipras' Büro mitteilte. China hat Interesse an griechischen Privatisierungen angemeldet. Ein großer Teil des Hafens von Piräus ist bereits vom chinesischen Transportunternehmen COSCO gepachtet.

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