Nach dem Hochwasser 2024 entwickelte sich seit dem Herbst des Vorjahres eine noch nie dagewesene Wassernot an der Lebensader. Niedrigste Pegelstände seit mehr als einem halben Jahr in der Thaya bei Raabs: eine historisch beispiellose Trockenperiode.
Eine Naturkatastrophe jagt die nächste. Nur im Unterschied zum Hochwasser 2024 kam diese ruhig, leise und langsam und nahm ihren Ausgang bereits im Herbst 2025. Anhaltende Trockenheit im Herbst und ein besonders schneearmer Winter waren Wegbereiter für die „dürre“ Ausgangslage im heurigen Jahr. Die Situation sollte sich weiter drastisch bis zur Hitzewelle im Sommer zuspitzen. Und bis jetzt hält die fatale Situation bei vielen Flüssen im Land an. Entlang der Thaya im Waldviertel spricht man inzwischen von einer historisch beispiellosen Trockenperiode. „Das Ökosystem der Thaya steht vor einer chronischen Austrocknung“, sieht Fischereiaufseher Reinhard Bentz die Stabilität des gesamten Flusssystems nachhaltig schwer bedroht.
Öko-Kraftwerke stehen seit vielen Monaten still
Als historische Lebensader einer ganzen Region haben sich einst auch viele Mühlen entlang der Thaya gegründet. So wie die „Erste Raabser Walzmühle“ der Familie Dyk. „Bis 1881 wurde die Mühle von der Herrschaft betrieben, dann kaufte die Familie sie dieser ab“, erzählt Chefin Lisa Dyk die Geschichte des heute hochmodernen Kleinwasserkraftwerks, das sie in Raabs an der Thaya betreibt. Dieses wurde auch als Teil des Hochwasserschutzes mitkonzipiert und sorgte dort dafür, 2024 noch schlimmere Flutschäden zu verhindern. Die kleine Mühle, die das Ökokraftwerk versorgt, ist im Qualitätssegment beheimatet und verarbeitet feinstes Bio- und Demeter-Mehl.
Strom muss teuer gekauft werden
Gerade der umweltbewusste und nachhaltige Gedanke bewegte Lisa Dyk zur Modernisierung des Kleinwasserkraftwerks. Wegen des äußerst geringen Pegelstands können aber die Öko-Kraftwerke entlang der Thaya seit dem Frühjahr so gut, wie keinen Funken Energie produzieren. Das setzt der kleinen Waldviertler Mühle natürlich auch finanziell schwer zu, denn der sonst umweltfreundlich erzeugte Strom muss nun teuer zugekauft werden. Dürre-Hilfen, wie es bei Landwirten zum Teil gibt, bleiben hier komplett aus. Außerdem zählt Dürre bei Kleinwasserkraftwerken rechtlich nicht als versicherbares Risiko, weshalb man sich dagegen auch nicht absichern hätte können. „Wir beißen da durch und hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder mit eigener umweltfreundlicher Energie mahlen können“, zeigt sich Lisa Dyk im Gespräch mit der „Krone“ hoffnungsvoll.
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