Milliardenprojekt

Mega-Rechenzentrum mitten im Rheintal geplant

Vorarlberg
04.11.2026 18:00

Die Rhomberg-Gruppe plant gemeinsam mit der Stadt Hohenems ein Rechenzentrum für Datenspeicherung, KI-Modelle und Softwareentwicklung im Herzen des Rheintals in Vorarlberg. Damit will man das Ländle fit für die Zukunft machen und die digitale Souveränität in der DACH-Region sichern.

Entstehen soll die insgesamt rund 60.000 Quadratmeter umfassende mehrstöckige Anlage auf dem Gelände des Ressourcen Centers der Rhomberg Gruppe in Hohenems-Unterklien. Denn nach Jahrzehnten des Baggerns und Sprengens neigt sich der Rohstoffabbau auf dem dortigen Steinbruchareal allmählich dem Ende zu.

Von der Steinzeit in die digitale Zukunft
Ursprünglich war eine aufwendige Renaturierung des Geländes angedacht. Doch anstatt den Steinbruch vollständig mit Material aufzuschütten, soll hier nun Vorarlbergs erstes Rechenzentrum entstehen. Die Anlage soll in einen begrünten Bereich integriert werden und dadurch nahezu unsichtbar bleiben.

Das bestehende Steinbruchareal im Ressourcen Center Rheintal in Hohenems-Unterklien, auf dem ...
Das bestehende Steinbruchareal im Ressourcen Center Rheintal in Hohenems-Unterklien, auf dem künftig ein Datencenter für KI-Anwendungen entstehen soll.(Bild: Rhomberg Gruppe, Stadt Hohenems/KI generiert)

Für Firmenchef Hubert Rhomberg stellt das Vorhaben einen wichtigen Schritt dar, um Vorarlbergs Wirtschaft für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten: „Wir stehen einer Entwicklung gegenüber, die nicht mehr aufzuhalten ist und der wir uns anschließen wollen und auch müssen, um den Wohlstand in der Region zu sichern. Digitalisierung, KI, Physical AI, Robotics etc. entwickeln sich in einer derart unglaublichen Geschwindigkeit weiter, sodass auch unsere Industrie gezwungen ist, sich weiterzuentwickeln.“ Ein weiterer wichtiger Faktor: Ein landeseigenes Rechenzentrum biete die Möglichkeit, sich von US-amerikanischen oder chinesischen Cloud-Diensten unabhängig zu machen, betont Rhomberg.

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Digitalisierung, KI, etc. entwickeln sich in derart unglaublicher Geschwindigkeit weiter, sodass auch unsere Industrie gezwungen ist, sich weiterzuentwickeln.

Hubert Rhomberg, CEO Rhomberg-Gruppe

Das geplante Datacenter soll künftig Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups aus dem gesamten Dreiländereck für Datenspeicherung, KI-Trainings oder App-Entwicklungen zur Verfügung stehen. Zudem gebe es bereits Gespräche mit Land und Bund über alternative Nutzungszwecke, beispielsweise könnte der Bau im Katastrophenfall auch als Schutzraum für die Bevölkerung dienen.

Ein energiehungriges Zukunftsprojekt
Wenn sich eine Region die Realisierung eines derartigen Projekts leisten könne, dann Vorarlberg, so der Tenor bei der Präsentation: Denn das Ländle biete nicht nur eine starke Industrie, sondern auch eine sichere Stromversorgung aufgrund schier endloser erneuerbarer Energie aus Wasserkraft. Nicht zuletzt soll auch das geplante Lünerseewerk II mit einer Leistungskapazität von bis zu 1,1 Gigawatt Vorarlbergs Energieversorgung auf ein neues Level heben. Beste Voraussetzungen also für ein derartiges Projekt.

Der „Hausanschluss“ des Datacenters stelle im ersten Schritt eine Leistung von 50 Megawatt zur Verfügung, wie Thomas Hilbe, Geschäftsführer der Vorarlberger Energienetze, erklärt. Das entspreche etwa acht Prozent der aktuellen Netz-Höchstlast Vorarlbergs. Damit der „Saft“ im Rechenzentrum ankommt, werde ein eigenes Umspannwerk auf dem Gelände errichtet. Später könne die Leistung auf bis zu 100 Megawatt hochgefahren werden.

Nachhaltigkeit stand bei der Planung im Fokus
Trotz des gewaltigen Energiehungers heben die Projektpartner die Nachhaltigkeit des Vorhabens hervor. Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ) betont, dass das Datencenter nicht auf einer unverbauten Fläche errichtet, sondern in die ohnehin notwendige Renaturierung des Steinbruchs integriert werde. Zusätzliche Bodenversiegelungen seien daher nicht erforderlich.

Die enorme Abwärme der Anlage soll in ein regionales Nahwärmenetz eingespeist werden, das derzeit gemeinsam mit der VKW entwickelt wird. Damit könnten künftig Haushalte und Betriebe in Hohenems versorgt werden. Zudem ist ein geschlossenes Kühlsystem geplant. Anders als etwa beim oberösterreichischen Google-Rechenzentrum seien deshalb keine Eingriffe ins Grundwasser notwendig.

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Keine Versiegelung, keine Umweltauswirkungen, nachhaltige Energienutzung und ein zukunftsweisendes Projekt. Besser kann es nicht funktionieren.

Dieter Egger (FPÖ), Bürgermeister Stadt Hohenems

„Keine Versiegelung von freien Flächen, ein unterirdischer Bau, keine Umweltauswirkungen, nachhaltige Energienutzung in einem Kreislaufsystem und ein zukunftsweisendes Projekt – ich glaube, besser kann es eigentlich nicht funktionieren“, fasst Bürgermeister Dieter Egger das Vorhaben in aller Kürze zusammen. Rückenwind habe das Projekt sowohl auf Gemeinde- wie auch auf Landesseite.

Stellten am Mittwoch die Pläne zu Vorarlbergs erstem Rechenzentrum vor: Thomas Hilbe, ...
Stellten am Mittwoch die Pläne zu Vorarlbergs erstem Rechenzentrum vor: Thomas Hilbe, Geschäftsführer Vorarlberger Energienetze GmbH, Rhomberg-CEO Hubert Rhomberg und der Emser Bürgermeister Dieter Egger (v.li.).(Bild: Harald Küng)

Projektkosten und zeitliche Vision
Zu den Kosten wollten sich die Projektplaner zunächst nicht äußern. Ebenso wenig zu den Unternehmen, mit denen man bereits in Kontakt steht. Schlussendlich ließ sich Hubert Rhomberg aber doch noch eine Zahl entlocken: „Zwei Milliarden Euro plus-minus. Je nachdem, wie sich die Chippreise in den kommenden Jahren entwickeln werden.“

Fakten zum Megaprojekt

Rund 60.000 Quadratmeter umfasst das geplante Rechenzentrum insgesamt. Der „Fußabdruck“ beträgt rund 25.000 Quadratmeter. Durch die Integration in den renaturierten Steinbruch soll das Bauwerk von außen kaum auszumachen sein. 

Ein eigenes Umspannwerk sorgt dafür, dass das Datacenter mit Energie versorgt wird. In einem ersten Schritt steht dem Rechenzentrum eine Leistung von 50 Megawatt bereit, diese kann später auf bis zu 100 Megawatt erhöht werden.

Die Höhe der Gesamtprojektkosten ist nicht bekannt. Diese sind auch von der weiteren Preisentwicklung im Chip-Sektor abhängig. Einer Schätzung Hubert Rhombergs zufolge dürften die Kosten aktuell bei rund zwei Milliarden Euro liegen.

Bereits in zwei Jahren könnte mit dem Bau begonnen werden. Läuft alles nach Plan, könnte Vorarlbergs erstes Rechenzentrum bereits in drei bis vier Jahren den Betrieb aufnehmen. Damit würde im Herzen des Rheintals eine der leistungsstärksten digitalen Infrastrukturen Österreichs entstehen – mit dem Anspruch, Vorarlberg zu einem Vorreiter bei KI, Cloud-Diensten und digitaler Souveränität zu machen.

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