Ein aktueller Bericht der Umweltschutzorganisation WWF stellt dem Land Vorarlberg ein schlechtes Zeugnis aus: Trotz bestehender Beschlüsse hinken der langfristige Flussschutz und die Renaturierung in Vorarlberg hinterher. Kritisiert wird vor allem die fehlende Rechtsverbindlichkeit.
Vorarlberg wirbt gerne mit seiner intakten Natur, klaren Gebirgsbächen und guter Wasserqualität. Der am Dienstag veröffentlichte österreichweite Flüsse-Report der Umweltschutzorganisation WWF zeichnet ein anderes Bild: 91 Prozent der ökologisch wertvollen Flussstrecken im Ländle sind rechtlich nicht dauerhaft vor einem weiteren Ausbau der Wasserkraft geschützt. Damit liegt Vorarlberg gemeinsam mit Kärnten (95 Prozent) an der Spitze der Bundesländer mit den größten Schutzlücken.
Keine Rechtsverbindlichkeit
Zwar hat die Vorarlberger Landesregierung einen Beschluss gefasst, der weitere Kraftwerksbauten an Gewässern mit sehr gutem ökologischem Zustand verhindern soll. Dieser ist jedoch bis zum Jahr 2030 befristet und besitzt keine rechtliche Verbindlichkeit. Für die Umweltschützer ist das zu wenig. „Vorarlbergs wertvolle Flüsse brauchen dauerhaften Schutz. Die Landesregierung muss weitere Verbauungen verbindlich ausschließen und bei der Renaturierung nachlegen“, fordert WWF-Gewässerexpertin Bettina Urbanek.
Dass ökologisch wertvolle Strecken nach wie vor gefährdet sind, zeige etwa das geplante Wasserkraftwerk an der Meng im Brandnertal. Im Land seien derzeit bereits rund 270 Wasserkraftanlagen in Betrieb, die die Gewässer ökologisch belasten.
Auch bei den geplanten Renaturierungen sieht der WWF im Ländle deutliches Verbesserungspotenzial. Bis 2030 soll gemäß aktuellen Plänen lediglich ein vier Kilometer langer Abschnitt am Rasafeibach im Montafon durch den Rückbau von Barrieren wieder frei fließen. Der WWF fordert daher, geschädigten Gewässern rasch mehr Raum zu geben und bestehende Wehre und Hindernisse dringend fischgängig zu machen. Gerade bei steigenden Wassertemperaturen und Trockenheit im Zuge des Klimawandels sei es überfällig, Fischen wie Forellen oder Äschen Wanderwege in kühlere Flussabschnitte zu sichern.
Österreichweites Problem
Die Situation in Vorarlberg fügt sich in ein bundesweites Bild ein: Österreichweit sind 77 Prozent der ökologisch wertvollen Flussstrecken – insgesamt rund 9700 Kilometer – nicht ausreichend geschützt. Tausende Querbauwerke unterbrechen zudem den natürlichen Fluss- und Sedimentverlauf. Der WWF fordert von Bund und Ländern daher ein striktes Schutzprogramm, ein Ende der Förderung für neue Kleinwasserkraftwerke sowie eine umfassende Sanierungsoffensive für bestehende Anlagen.
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