Auflösung gefordert

„Rosenkrieg“ um Standesamtsverband

Burgenland
03.11.2026 08:58

Im Standesamtsverband Mittelburgenland rumort es. Mehrere Gemeinden wollen den Verband verlassen, dürfen es aber nicht. Gestritten wird unter anderem wegen der Kosten und der Qualität.

Weiter Wirbel um den Standesamtsverband Mittelburgenland: Wie berichtet, kam es bei der letzten Mitgliederversammlung zu einem Streit, wie es mit dem Verband weitergehen soll. Jetzt zeigt sich: Einige Gemeinden wollen bei dem Verband eigentlich gar nicht mehr dabei sein.

Insgesamt sechs Kommunen sollen bereits aufrechte Gemeinderatsbeschlüsse haben, die einen Austritt vorsehen. Auch Deutschkreutz ist darunter. Der frühere Bürgermeister Manfred Kölly fordert daher, dass der Austritt sofort vollzogen wird. Der Verband müsse umgehend aufgelöst werden, sagt Kölly.

Kosten für Personal in Kritik
Ganz so einfach geht das aber nicht. Denn laut den Statuten ist ein Austritt nur möglich, wenn alle zustimmen. Sprich, der Austritt der sechs Gemeinden müsste von den restlichen 21 abgesegnet werden – was nicht passiert ist. Deswegen ist auch Horitschon weiterhin unfreiwilliges Mitglied. Für Bürgermeister Gerhard Petschowitsch spielen etwa die personalbedingt gestiegenen Kosten eine Rolle. Er will, dass der Verband kostengünstiger geführt wird. Dann bleibe man auch dabei, erklärt Petschowitsch.

Wunsch nach Auflösung des Verbands
Unzufrieden ist auch Markus Landauer, Bürgermeister von Raiding. Die Gemeinde ist ebenfalls nur mehr zwangsweise dabei. Neben den Kosten bemängelt er die Qualität. Es gebe keine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Er befürwortet eine Auflösung des Verbands: „Wenn es nicht funktioniert, ist ein Neustart das Beste.“

Eineinhalb Vollzeitstellen
Der Verband hat aber auch Befürworter: Michael Kefeder, Ortschef von Lockenhaus, meint, die Kosten seien zwar gestiegen, aber nicht dramatisch. Auch Lutzmannsburgs Bürgermeister, Landtagsabgeordneter Roman Kainrath, kann die Aufregung nicht verstehen. Man spreche hier von 2,63 Euro pro Einwohner pro Jahr. Im Bezirk Mattersburg sei der Beitrag höher. Der Verband bestehe aus eineinhalb Vollzeitstellen.

„Kein Ein-Aus-Schalter“
Für ihn ist die Diskussion ein Politikum. Die Beschwerden würden nur von den Gemeinden kommen, aber nicht von der Bevölkerung, welche die „Kundschaft“ des Standesamtsverbands sei. Den Austrittswilligen rät er, die eigene Amtsleitung darüber aufzuklären, was es bedeutet, wenn man nicht mehr auf den Verband zurückgreifen könne. „Das ist kein Ein- und Aus-Schalter, den man beliebig in Anspruch nehmen kann.“

Jetzt ist auch das Land gefragt 
Diplomatisch hingegen der Bürgermeister von Deutschkreutz, Jürgen Hofer: Er erachtet den Verband grundsätzlich als sinnvoll. Wichtig sei, dass die offenen Fragen sachlich beurteilt werden. Entscheiden müsse der Gemeinderat als zuständiges Gremium.

Obmann des Standesamtsverbands ist der Bürgermeister von Oberpullendorf, Johann Heisz. Er hat wegen der Sache am Dienstag einen Termin beim Land und wollte sich davor nicht zu dem Thema äußern.

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