Die steirischen Bauern litten in diesem Jahr unter Extremdürre und Hitze. Bei fast allen Kulturen gibt es massive Einbußen. Klimawandel-Anpassung ist nun das Gebot der Stunde.
„Für mich war es heuer ein Katastrophenjahr“, sagt Bio-Heumilchbauer Stefan Bischof aus Bruck an der Mur. Seit Jahren treibe er auf seinem Betrieb Maßnahmen zur Klimawandel-Anpassung voran. „Bisher bin ich damit gut gefahren, aber heuer war irgendwann Schluss.“
Durch die extreme Dürre sind dem Bergbauern zwei Grünlandschnitte total ausgefallen, schon im Juni musste er Futter für seine 30 Rinder zukaufen. „Wahrscheinlich muss ich den Viehbestand abstocken“, so Bischof. Was wiederum langfristige Einkommenseinbußen bedeutet. „Es ist niederschmetternd, wenn man so viel versucht, es aber am Ende nicht reicht.“
Das heurige Anbau- und Vegetationsjahr zählt zu den schwierigsten in der jüngeren Geschichte der steirischen Landwirtschaft.

Andreas Steinegger, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer
Bild: Christian Jauschowetz
„Von der Härte überrascht“
So wie Stefan Bischof ist es heuer vielen steirischen Bauern gegangen. Man kämpft seit Jahren mit den Folgen des Klimawandels und arbeitet an der Anpassung, „aber wir sind selbst von der Härte dieses Jahres überrascht gewesen“, sagt Landwirtschaftskammer-Chef Andreas Steinegger bei der Erntebilanz.
Regional und je nach Sparte gab es zwar durchaus Lichtblicke – etwa im Weinbau oder bei Getreide –, insgesamt sei das Jahr für Bauern durch die Jahrhundertdürre und Hitze aber „katastrophal“ gewesen. Im Grünland hatten Bauern in exponierten Lagen Einbußen von bis zu 70 Prozent zu beklagen. In typischen Mais-Anbaugebieten fiel in den entscheidenden Monaten 50 bis 100 Prozent weniger Regen als üblich.
Wasser wird zentraler Faktor
Umso wichtiger sei es, Betriebe weiter bei der Klimawandel-Anpassung zu unterstützen, betont Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer, und nannte etwa die Förderung für Bewässerungssysteme im Obstbau oder den gezielten Humusaufbau im Boden zur besseren Wasserspeicherung. Am Ende bleibt man aber über weite Strecken von der Natur abhängig, wie der Kammer-Boss betont: „Gnade uns Gott, wenn wir noch so ein Jahr haben – auch in Hinblick auf die Versorgungssicherheit.“
Bei der wichtigsten steirischen Ackerkultur gab es je nach Region und Bodenbeschaffenheit stabile Erträge bis hin zu Totalausfällen – im Vergleich zum langjährigen Schnitt fiel die Maisernte insgesamt um ein Viertel schmäler aus. Während der Start nach der Aussaat noch vielversprechend aussah, fehlte in den entscheidenden Entwicklungsmonaten Juni und Juli der Regen, in einigen Gemeinden in der östlichen Steiermark fiel sprichwörtlich kein Tropfen. Immerhin: Da es europaweit zu schlechten Ernten kam, ist der Erzeugerpreis für Bauern im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.
„Besser als ursprünglich gedacht hat sich der Kürbis entwickelt“, sagt Kammer-Boss Steinegger zu einem der steirischen Aushängeschilder. Durch mangelnden Niederschlag und Hitze blieben viele Früchte klein und die Aussichten waren nicht rosig. Jetzt spricht man aber von einem dem langjährigen Durchschnitt entsprechenden Ertrag von rund 700 Kilo Kürbiskernen pro Hektar. Die Kernqualität soll hervorragend sein. Jene Betriebe, die heuer früh anbauten, seien im Vorteil gewesen, da sich der Kürbis bis zur anhaltenden Dürre und Hitze gut entwickeln konnte.
Spätfröste, Trockenheit, Schädlinge: Der steirische Obstbau, insbesondere die Leitkultur Apfel, leidet besonders unter dem Klimawandel. Ohne Bewässerungssysteme geht es kaum mehr, etwa ein Drittel der Flächen sind inzwischen entsprechend gerüstet. Dadurch sei heuer auch die Ernte in diesen Anlagen gerettet worden, heißt es seitens der Kammer. Dennoch fällt die Apfelernte insgesamt um 35 Prozent kleiner aus. Das Land gewährt auch im nächsten Jahr wieder Förderungen für – kostspielige und auch nicht überall umsetzbare – Speicherteiche und Bewässerungsanlagen.
Auch diese aus der steirischen Kulinarik nicht wegzudenkende Kultur kommt mit den klimatischen Veränderungen nicht gut zurecht: Nach mehreren schlechten Jahren zeichnen sich bei der Käferbohne auch für heuer geringe Erträge bis hin zu Totalausfällen ab. Hohe Erwartungen hat man hier an neu gezüchtete, hitzeresistentere Sorten. Seit 2012 läuft in der Steiermark ein entsprechendes Züchtungsprojekt. Dieses ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass die neue Sorte im besten Fall 2027 zum ersten Mal angebaut werden kann. Potenzial sieht man auch in der Obersteiermark.
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