Im Wahlkampf-Finish hatte Netanyahu auf Video noch eine virtuelle Atombombe über Tel Aviv explodieren lassen. Mehr Angstmachen geht nicht. Es hat sich also nichts geändert.
Die eigentliche Überraschung der Wahl waren aber die Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft in Kern-Israel. Erstmals haben diese 20 Prozent ihre demokratische Einflussmöglichkeit in einer Rekordzahl wahrgenommen – um Netanyahu zu kippen.
Der arabische Ansturm auf die Wahllokale war zwar – noch – ein Schlag ins Wasser, denn Eisenkot hat geschwächelt. Seine Minderheitsregierung mit arabischer Unterstützung im Parlament wäre zu schwach, um gegen Netanyahus Tricks zu überleben.
Dennoch: Der arabische Faktor kann in der israelischen Innenpolitik nicht mehr so einfach ignoriert werden. Die Beziehungen zwischen beiden Volksgruppen sind eine Chronik von Fehlern – meist auf der arabischen Seite. Im besetzten Westjordanland hatten Palästinenser mit einem Terroranschlag kurz vor der Wahl wieder keine Gelegenheit ausgelassen, Netanyahu zu helfen.
Die israelischen Araber hingegen wählten die Wahlurne. Das ist doch ein Lichtblick in dem israelisch-palästinensischen Labyrinth (fast) ohne Ausweg.
Die UNO nennt Israel einen rassistischen Apartheidstaat wie einst Südafrika. Unter diesem Gesichtspunkt ist Israel jedenfalls ein schlechter Apartheidstaat. Israel verdirbt Vorurteile.
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