Der Ex-Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Krawtschenko, hat hochrangige ukrainische Bürokraten beschuldigt, in Österreich eine „illegale und gewalttätige Handlung“ gegen ihn geplant zu haben. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen vier Personen, die der Spionage verdächtigt werden.
Verantwortlich für die Anschlagspläne gegen ihn seien der Kommandant einer Einheit des Militärgeheimdienstes HUR sowie Personen aus der Präsidentschaftskanzlei, schrieb Krawtschenko auf der Plattform Telegram, der sich im September mutmaßlich nach Wien abgesetzt hat. Zwei Geheimdienstmitarbeiter seien bereits in Untersuchungshaft. Das österreichische Innenministerium hat Anfang Oktober Ermittlungen gegen vier Ukrainer bestätigt.
Bei einem der Verhafteten handle es sich um einen Ex-Mitarbeiter des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine (NABU), der in der Abteilung für Observation tätig gewesen sei, schrieb der Ex-Chefankläger der Ukraine jetzt. Die Aktion sei aus dem Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angeordnet worden. Er wisse jedoch nicht, von wem konkret, ergänzte Krawtschenko, der sich erstmals öffentlich aus Österreich zu Wort meldete.
Hier sehen Sie ein Posting zu der Festnahme Anfang Oktober:
„Bereits im September habe ich Informationen erhalten, dass mir eine Gruppe von Personen nachgeschickt wurde, die illegale und gewalttätige Handlungen in Bezug auf mich durchführen soll“, sagte er. Damals sei ihm gesagt worden, dass die Leiter von NABU und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) darum ersucht hätten. Es gibt Gerüchte, dass der Ex-Chefankläger in seinem Heimatland wegen des Verdachts auf Korruption gesucht wird.
Verdacht gegen Journalisten nicht erhärtet
Auch Krawtschenko sagte jetzt, dass in Österreich gegen vier Personen ermittelt werde, darunter gegen zwei Vertreter des Online-Mediums „Ukrajinska Prawda“. Der Chef der Investigativabteilung, Mychajlo Tkatsch, habe sich in Monaco vor dem dortigen Vorfall aufgehalten und sei auch zum Zeitpunkt der Verhaftung der HUR-Angehörigen in Wien gewesen, bemerkte er.
Laut einer Aussendung der Staatsanwaltschaft Wien zu Tkatsch und seinem Kameramann Jaroslaw Bondarenko sollen die beiden mutmaßlichen Geheimdienstler ein „Objekt“ observiert haben, das auch Bondarenko auf dieselbe Art und Weise ausgespäht haben soll. Die Staatsanwaltschaft Wien ordnete eine Festnahme an, die vermummte Polizisten am Margaretengürtel in Wien durchführten. Ein Spionageverdacht gegen die zwei Journalisten konnte nicht erhärtet werden, beide wurden schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt und kehrten in die Ukraine zurück. Allerdings gelten sie noch als Beschuldigte in einem Ermittlungsverfahren.
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