64 Tote in Spanien
Minister gibt ersten Hinweis auf Unglücksursache
Bei einem Zugunglück in Spanien sind am Mittwoch mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Befürchtet wird, dass die Todeszahl weiter steigen wird, „weil es bisher noch nicht möglich war, bis ins Innere aller Waggons vorzudringen“, sagte der Präsident der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page.
Zudem wurden ungefähr 50 Menschen schwer verletzt. Wie berichtet, waren Mittwochfrüh kurz vor 9 Uhr zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der spanischen Provinz Toledo zusammengestoßen. Ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo war aus bisher unbekannter Ursache zum Stehen gekommen und ein nachfolgender Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten aufgefahren. Insgesamt waren ungefähr 540 Passagierinnen und Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs.
„Es war brutal. Überall Blut, Schreie. Menschen heulten. Schnell raus hier, habe ich zu meiner Frau gesagt“, sagte Dirk, ein junger Tourist aus dem US-Bundesstaat Florida, der das Zugunglück überlebte. „Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft“, schilderte Jesús Jerónimo (54), der zum Zeitpunkt des Unfalls in einem Waggon an seinem Laptop arbeitete.
Krankenhäuser riefen zum Blutspenden auf
„Es ist wie in einem Horrorfilm“, sagte ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreut. „Es war erschütternd, sehr, sehr hart. Ich konnte einigen Verletzten helfen, andere Betroffene in den Arm nehmen und ihnen Trost spenden“, erzählte der Pfarrer von Urda, der mit den Tränen kämpfte. Direkt am Unglücksort waren Feuerwehrleute, Zivilschutzkräfte aus umliegenden Gemeinden und drei Rettungshubschrauber im Einsatz. Um die vielen Verletzten zu versorgen, wurden auch mobile Intensivstationen eingesetzt. Das spanische Innenministerium ordnete zudem den Einsatz der militärischen Nothilfeeinheit UME an. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.
Eisenbahngewerkschaft übt Kritik
Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung „El País“. Ein Mitarbeiter des Kontrollzentrums in Madrid habe möglicherweise einem Zug irrtümlich grünes Licht gegeben, hieß es. Rafael Escudero, Sprecher der spanischen Eisenbahngewerkschaft, sagte: „Ich sage schon seit Langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist.“ Auch Verkehrsminister Oscar Puente sprach am Mittwochnachmittag von einer „unerklärlichen“ und „falschen“ Entscheidung der Bahnleitstelle. Obwohl das Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, sei einem der Züge grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben worden, sagte Puente. Damit bestätigte er den Zeitungsbericht.

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