Volles Gehalt bezogen

16 Jahre krankgeschrieben: Nun Razzia bei Lehrerin

Ausland
28.03.2026 10:59

Dieser Fall hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt: Eine Lehrerin aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen war 16 Jahre lang krankgeschrieben, bezog aber ihr volles Gehalt und arbeitete nebenbei als Heilpraktikerin. In dieser Woche wurde ihre Wohnung durchsucht. Jetzt wird gegen die 62-Jährige wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt. 

Am Dienstag sei der Durchsuchungsbeschluss vollstreckt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg gegenüber der „WAZ“ mit. Man habe „beweiserhebliche Unterlagen und elektronische Datenträger sichergestellt“. Nun müsse das Material ausgewertet werden.

Schlüsseldienst musste Türschloss knacken
Die Lehrerin war laut „Focus“ nicht zu Hause, als die Ermittler an ihrer Haustür klingelten. Trotz mehrfacher Versuche war die beschuldigte Lehrerin auch telefonisch durch die Beamten nicht erreichbar. Deshalb musste ein Schlüsseldienst-Mitarbeiter das Schloss zur Wohnung knacken.

Sachbearbeiterin segnete Arbeitsunfähigkeit stets ab
Der Fall der Duisburgerin hatte die zuständigen Behörden bereits im vergangenen Sommer in große Erklärungsnot gebracht: Die Pädagogin lehrte zwischen 2003 und 2009 an einem Berufskolleg im niederrheinischen Wesel. Ab 2009 war sie über 16 Jahre hinweg wegen psychischer Probleme krankgeschrieben – offenbar zu Unrecht. Immer wieder reichte sie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen beim Dienstgeber ein, die eine Sachbearbeiterin bei der Bezirksregierung Düsseldorf stets anstandslos absegnete. Gegen die Lehrerin und die Sachbearbeiterin läuft deshalb auch ein Disziplinarverfahren.

16 Jahre lang war eine Lehrerin in Deutschland krankgeschrieben. Nebenbei arbeitete sie als ...
16 Jahre lang war eine Lehrerin in Deutschland krankgeschrieben. Nebenbei arbeitete sie als Heilpraktikerin.(Bild: APA/dpa/Kay Nietfeld)

Amtsarzt verweigert, Gericht schritt ein
Eine amtsärztliche Untersuchung wurde in all den Jahren nie veranlasst. Grund: Das Land Nordrhein-Westfalen erteilte keine entsprechende Anordnung. Bis zum April 2025, als eine neue Sachbearbeiterin den Fall übernahm und die Lehrerin endlich aufgefordert wurde, sich einem Amtsarzt vorzustellen. Doch dieser medizinischen Begutachtung wollte sie sich entziehen und zog vor Gericht, diese Klage wurde jedoch abgewiesen. 

Es geht um einen Schaden von rund 240.000 Euro
Bei der strafrechtlichen Prüfung des Falls hätten sich dann schließlich Anhaltspunkte ergeben, dass die Frau bewusst falsche Angaben gegenüber dem Land als ihrem Dienstgeber gemacht habe. Während sie vorgegeben habe, dienstunfähig zu sein, habe sie den Ermittlungen zufolge als Heilpraktikerin gearbeitet und auch an einem Gründungswettbewerb teilgenommen, schrieben die Ermittler. Weil sie dadurch zu Unrecht ihre Dienstbezüge als Lehrerin (zwischen 5051 und 6174 Euro brutto im Monat) erhalten habe, laufen nun Ermittlungen wegen gewerbsmäßigem Betrugs. Es geht um einen möglichen Schaden von rund 240.000 Euro.

Bei den Ermittlungen gehe es aber nicht um die gesamten 16 Jahre, in denen die Frau krankgeschrieben war, sondern nur um die vergangenen vier Jahre. Für die Zeit davor könnten die Vorwürfe verjährt sein, erläuterte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dennoch droht der Lehrerin eine massive Kürzung ihrer Pension.

Richter kritisieren Schulaufsicht scharf
Schon beim Prozess wegen der Amtsarztverweigerung kritisierten die Richter damals die Schulaufsicht mit deutlichen Worten: Bereits nach sechs Monaten gesundheitlich bedingter Auszeit sei der Dienstgeber verpflichtet, die betroffenen „Beamtinnen und Beamten auf Lebenszeit in den Ruhestand zu versetzen, wenn sie wegen ihres körperlichen Zustands oder aus gesundheitlichen Gründen“ ihre Dienstpflichten nicht mehr erfüllen können. „Das jahrelange Untätigbleiben“ der Bezirksregierung Düsseldorf in diesem Fall sei in der Tat nicht nachvollziehbar gewesen.

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