Dem Schweden wird demnach nicht nur vorgeworfen, das in schwierigen familiären Verhältnissen lebende Mädchen, das zeitweise in einem Krisenzentrum untergebracht war, zum Suizid verleitet bzw. in ihrem Entschluss bestärkt zu haben. Er half ihr bei Vorbereitungshandlungen, indem er ihr beispielsweise zur Tatausführung benötigte Utensilien kaufte.
14-Jährige überlebte Vorhaben
Als die 14-Jährige am 26. Mai in ihrem Wohnhaus ihr Vorhaben umsetzen wollte, war der 21-Jährige anwesend und soll seinen eigenen Angaben zufolge minutenlang zugesehen haben, ohne dem Mädchen zu Hilfe zu kommen. Die 14-Jährige überlebte dank einer aufmerksamen Hausbewohnerin.
Mit Glasscherbe Pulsadern des Mädchens aufgeschnitten
Bisher nicht medial bekannt war, dass der Schwede einen oder zwei Tage zuvor dem Mädchen mit einer Glasscherbe die Pulsadern aufgeschnitten und damit selbst aktiv tätig geworden sein soll. Die Staatsanwaltschaft sieht das als zielgerichteten Tötungsvorsatz des 21-Jährigen, der auf das Verbluten des Mädchens angelegt war. Das Geschehen am 26. Mai wird ihm dagegen als versuchter Mord durch Unterlassung (§ 2 StGB) ausgelegt. Laut Anklage wäre er zum Einschreiten verpflichtet gewesen.
Über Roblox und Discord kennengelernt
Die beiden hatten sich über die Plattformen Roblox und Discord kennengelernt, die ursprünglich für Computerspiele geschaffen wurden, inzwischen aber für Instant Messaging und Chats genutzt werden. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) hat in diesem Kontext zuletzt explizit vor einem internationalen gewaltbereiten Online-Netzwerk gewarnt, das unter der Bezeichnung „The COM“ firmiert und auch hierzulande gezielt Kinder und Jugendliche kontaktiert und manipuliert.
Hausbewohner alarmierte Polizei
Die 14-Jährige überlebte den Suizidversuch an ihrer Adresse nur deshalb, weil eine Hausbewohnerin die Vorgänge im Stiegenhaus des Kellergeschoßes mitbekam und die Polizei verständigte. Das Mädchen wurde in lebensbedrohlichem Zustand in ein Spital gebracht, nachdem Polizeibeamte Erste-Hilfe-Maßnahmen gesetzt und die Rettung alarmiert hatten. Im Spital wurde das Mädchen in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt. Nach einiger Zeit besserte sich ihr Zustand, sie konnte aus dem Koma geholt werden und das Spital verlassen.
Mädchen einvernommen
Die 14-Jährige konnte im Ermittlungsverfahren gegen den jungen Schweden sogar als Zeugin befragt werden. In ihrer kontradiktorischen Einvernahme schilderte sie eine Szene, die dem 21-Jährigen von der Staatsanwaltschaft als zweiter Versuch, das Mädchen zu töten, ausgelegt wird – und zwar durch aktives Handeln. Er soll der 14-Jährigen eine oder zwei Nächte vor dem Suizidversuch in ihrem Wohnhaus nachts auf einer Baustelle die Pulsadern aufgeschnitten haben.
Schwede reiste extra nach Wien
Der Schwede dürfte laut Anklage eigens nach Wien gereist sein, um dem Mädchen, mit dem er sich in Chats fast täglich über das Thema Suizid unterhielt, Beistand zu leisten. Er mietete sich in einem Hotel in ihrer Nähe ein. Bei einem nächtlichen Spaziergang drangen die beiden auf eine abgesperrte Baustelle ein, wo der um sieben Jahre ältere Mann eine Glasscherbe fand. Mit dieser soll er dem Mädchen eine massive Schnittwunde an der linken Hand zugefügt haben, wobei ihn das Mädchen gewähren ließ. „Der Schmerz ist eh bald aus“, soll er ihr gesagt haben. Das Mädchen verblutete – offenbar entgegen seiner Erwartung – nicht.
Angeklagter seit Ende Mai in U-Haft
Der Angeklagte sitzt seit Ende Mai wegen Tatbegehungsgefahr in der Justizanstalt (JA) Josefstadt U-Haft. Die in der Vorwoche eingebrachte Anklage ist noch nicht rechtskräftig, teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn mit.
Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Österreichweit gibt es Anlaufstellen, die Rat und Unterstützung im Krisenfall anbieten.
Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder von Suizidgedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.
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