Die Wohnaccessoires-Kette Depot zieht sich komplett aus Österreich zurück. Alle 24 übrig gebliebenen Filialen werden bis spätestens 31. Jänner 2027 geschlossen, rund 140 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.
Eigentümer Christian Gries (55) bestätigt den Rückzug im Gespräch mit der „Krone“. Die Belegschaft wurde heute Mittag informiert – per Microsoft-Teams-Call, wie Gries sagt: „Ich wollte mit allen reden und den Leuten noch einmal die Hintergründe erklären.“ Für die Kunden startet jetzt ein großer Abverkauf.
Keine Insolvenz, sondern eine geordnete Abwicklung
Wichtig für die Betroffenen: Anders als in Deutschland, wo die dortigen Depot-Filialen bereits im Rahmen einer Insolvenz geschlossen wurden (die letzten Läden sperrten Ende September zu), setzt man in Österreich auf eine geordnete Abwicklung – ohne Insolvenzverfahren. „Wir werden Österreich ordentlich abwickeln. Ich möchte keine Insolvenz“, betont Gries.
„Mir ist total daran gelegen, dass wir es vernünftig zu Ende bringen. Wenn wir in die Insolvenz gehen, dann bekommen die Mitarbeiter und die Vermieter weniger bis gar kein Geld. Es ist bald Weihnachten und die Mitarbeiter bekommen, wie vertraglich vereinbart, ihr Gehalt.
Konkret heißt das: Die 140 Beschäftigten – laut Gries „hauptsächlich Frauen“, vor allem Filialmitarbeiter – bleiben bis Ende Jänner beschäftigt und bekommen ihr Gehalt inklusive der doppelten Gehaltszahlung im November (Weihnachtsgeld) regulär ausbezahlt. „Das ist mir wichtig, weil ich weiß, wie viel in einer Insolvenz auf der Strecke bleibt. Deswegen möchte ich es auch nicht als Insolvenz machen, sondern es vernünftig abwickeln, sodass alle Beteiligten ordentlich behandelt werden.“
Einen Sozialplan oder eine Arbeitsstiftung wird es allerdings nicht geben. „Nein, das haben wir jetzt nicht geplant. Wir haben nicht so viele Mitarbeiter in Österreich. Ich weiß, dass alle so gut sind und viele werden hoffentlich schnell wieder einen neuen Job finden“. Seine Leute seien „leidenschaftliche und intensive Arbeit gewohnt, alle sind sehr engagiert. Das ist eine tolle Mitarbeiterschaft.“ Es werden „ganz normale Kündigungen“ ausgesprochen.
Warum Depot nicht mehr profitabel zu führen ist
Die Gründe für das Aus sind vielfältig. „So wie es heute aussieht, ist es nicht möglich, Depot profitabel zu führen. Das geht vielen Handelsunternehmen so. Da sind wir nicht die Einzigen“, sagt Gries. „Ja wir haben auch Fehler gemacht. Wir müssen auch sagen, wir sind selbstkritisch.“ Das Unternehmen habe schon länger versucht, das Ruder herumzureißen und wieder profitabel zu werden - vergeblich.
Ein wesentlicher Faktor: die massive Konkurrenz durch Billig-Ketten. „Wir merken, dass das Thema Diskont gerade extrem stark ist und immer stärker wird“, so Gries. In Deutschland seien die Nachmieter der aufgegebenen Depot-Flächen „fast die Mehrheit“ Diskonter wie Action, TEDi oder KiK. „Die Leute wollen ,billig‘ kaufen und nicht viel Geld ausgeben. Inspiration ist nicht mehr der Treiber für den Einkauf.“
Gleichzeitig setzten chinesische Online-Anbieter wie Temu Depot unter Druck – auch weil EU-Strafzölle auf bestimmte Warengruppen wie Keramik oder Kerzen die Preise explodieren ließen. „Wenn wir für 10 Euro einkaufen, müssen wir jetzt 20 Euro bezahlen wegen Strafzoll. Und dann muss der Kunde eben 40 Euro für einen Teller bezahlen und keine 20 Euro mehr.“ Bei Temu koste derselbe Teller 10 Euro, da hier Zölle erst bei einem höheren Warenwert anfallen, was fast nie eintritt und der Hersteller vielleicht selbst anbietet.
Dazu kommen gestiegene Mieten wegen Indexierungen, Lohnerhöhungen und höhere Frachtkosten – etwa wegen der teilweisen Sperrung des Suezkanals und 30 Tagen längeren Laufzeiten für Container aus Asien. „Das sind alles beispielhafte Kleinigkeiten, die natürlich massivste Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell haben.“
Für Kunden: Der große Abverkauf startet sofort
Für Schnäppchenjäger beginnt am Mittwoch der große Ausverkauf – „ab morgen geht es richtig los“, so Gries. Gestartet wird mit 30 Prozent Rabatt auf alles, „was schon sehr viel ist. Wir wollen also gleich richtig abkaufen.“ Die Rabatte werden sich bis Ende Jänner „abhängig wie der Abverkauf ist“ weiter steigern. „Die Kunden können bei uns für Weihnachten massivste Schnäppchen machen.“
Gries hat eigens neue Ware „für einen siebenstelligen Betrag“ eingekauft, um Mieten und Gehälter bis zum Schluss bezahlen zu können. Neue Ware wird wöchentlich in den Stores verfügbar sein. Einen Testlauf in Kitzbühel habe man bereits absolviert – mit sehr guter Resonanz: „Die Kunden sind uns den Laden eingerannt und die begehrten Artikel waren auch gleich wieder weg.“ Bestehende Gutscheine sollen bis spätestens 31. Jänner 2027 eingelöst werden.
Die 24 Standorte – laut Gries „super Lagen“, etwa zehn davon gemeinsam mit der Spar-Einkaufszentren-Tochter SES – werden nach der Schließung neu vergeben. Was dort reinkommt, „das müssen dann die Vermieter entscheiden“. Fix ist für Gries nur eines: „Diskont werde ich nicht machen. Das kann ich auch nicht.“ Er wolle „Depot nicht einschlafen lassen“ und überlege, „etwas Neues zu bauen“ – „wenn die Zeit einfach passt“. Vielleicht komme man dann „noch mal zurück nach Österreich“.
Ein Deutscher, der in Österreich lebt
Gries, gebürtiger Aschaffenburger, lebt seit Dezember 2021 in Tirol - ursprünglich auf Wunsch seines Sohnes. „Es ist wunderschön hier und wir mögen die Menschen in Österreich sehr“, sagt er. Sein Herz hängt also durchaus am Standort, umso schwerer fällt der Abschied: „Der unternehmerische Abschied von Depot aus Österreich fällt uns alles andere als leicht. Dass wir das Kapitel nun beenden müssen, bedauere ich sehr.“ Sein Dank gelte den Mitarbeitern, „die Depot mit großem Engagement, Leidenschaft und persönlichem Einsatz geprägt haben“, sowie den Kunden für ihre langjährige Treue.
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