Studie zur Euregio

Teilzeit und Überstunden prägen den Arbeitsmarkt

Tirol
26.10.2026 06:58

Eine neue Studie zur Europaregion Tirol, Südtirol und Trentino zeigt deutliche Unterschiede bei der Arbeitszeitverteilung. Besonders Frauen arbeiten häufig Teilzeit, während in bestimmten Branchen überlange Arbeitswochen zum Alltag gehören.

Wie viel wird in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino tatsächlich gearbeitet – und wie gut lassen sich Beruf und Privatleben miteinander vereinbaren? Eine neue Studie zur Qualität der Arbeitszeiten liefert Antworten und zeigt deutliche Ungleichgewichte. Während viele Frauen unfreiwillig in Teilzeit beschäftigt sind, prägen in anderen Bereichen lange Arbeitstage, intensive Arbeitswochen und Nachtarbeit den Berufsalltag.

Die Untersuchung ist der erste Bericht einer Reihe von Analysen zu den Arbeitsbedingungen in der Euregio. Erarbeitet wurde sie in Zusammenarbeit zwischen der Arbeiterkammer Tirol (AK Tirol), dem Arbeitsförderungsinstitut Bozen und der Agentur für Arbeit Trient. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, sondern auch die Frage, wie die Arbeitszeiten gestaltet sind und welche Auswirkungen sie auf die Beschäftigten haben.

Jede zweite erwerbstätige Frau in Teilzeit
Besonders deutlich wird die ungleiche Verteilung der Arbeitszeit beim Blick auf die Geschlechter. In Tirol und Südtirol ist rund die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nicht vollzeitbeschäftigt. In Tirol arbeitet sogar jede vierte berufstätige Frau maximal 20 Stunden pro Woche.

Zitat Icon

Mehr als jede vierte Teilzeitkraft in der Europaregion strebt ein höheres Arbeitsausmaß als derzeit an.

Arbeiterkammer Tirol

Dass Teilzeit nicht immer eine freiwillige Entscheidung ist, zeigen die Wünsche der Beschäftigten: Mehr als jede vierte Teilzeitkraft in der Euregio möchte ihre Arbeitsstunden erhöhen.

Ein weiterer Faktor ist die Zeit, die für den Arbeitsweg aufgewendet werden muss. Gerade in Tirol sind die Pendelstrecken besonders zeitintensiv. Auffällig ist dabei, dass Teilzeitbeschäftigte für ihren Arbeitsweg kaum weniger Zeit benötigen als Vollzeitkräfte. 

Lange Arbeitswochen und Nachtarbeit
Während ein Teil der Beschäftigten gerne mehr arbeiten würde, sieht die Situation für andere genau umgekehrt aus. Lange Arbeitstage, intensive Arbeitswochen und Nachtarbeit gehören in bestimmten Bereichen weiterhin zum Berufsalltag.

Den höchsten Anteil an Beschäftigten mit besonders langen Arbeitswochen verzeichnet Südtirol: 13 Prozent arbeiten mindestens 48 Stunden pro Woche. Dahinter folgen Beschäftigte in Tiroler Betrieben. Auch bei der täglichen Arbeitszeit zeigen sich regionale Unterschiede. In Tirol wurden im Vergleich zu Italien längere Arbeitstage festgestellt.

Ein positiver Befund betrifft hingegen die Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage: 88 Prozent der Tiroler Erwerbstätigen arbeiten an höchstens fünf Tagen pro Woche. Damit bleibt die Verteilung der Arbeitstage für die große Mehrheit in einem Rahmen, der eine bessere Vereinbarkeit mit Privatleben und Freizeit ermöglicht.

Tourismus: Bild der Gegensätze
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Branchen. In der Land- und Forstwirtschaft, im Baugewerbe sowie in der Hotellerie und Gastronomie gehören überlange Arbeitszeiten zum beruflichen Alltag. 

Besonders im für die Europaregion so wichtigen Tourismus sieht man in der neu konzipierten Studie ein Bild der Gegensätze. Die Branche sei durch eine Polarisierung zwischen sehr langen Arbeitszeiten einerseits und kurzen Stundenmodellen andererseits geprägt.

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