Mit Ambros, Danzer und Fendrich ist sie aufgewachsen, jetzt verleiht sie deren Hits ihre ganz persönliche Note. Die oberösterreichische Musikerin Anna-Maria Schnabl alias ams hat mit ihrem neuen Album „ams singt a3“ elf Austropop-Klassiker neu interpretiert. Mit der „Krone“ sprach sie über ihre Liebe zum Dialekt, die Schattenseiten des Musikgeschäfts und warum eine Castingshow für sie nicht infrage kommt.
Der 7. Oktober zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne strahlte vom Himmel, während die bunten Herbstblätter langsam von den Bäumen auf die Straßen fielen. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher, schöner Herbsttag. Doch dieser Mittwoch hatte eine besondere Bedeutung: Austropop-Legende Georg Danzer wäre 80 Jahre alt geworden. Und ausgerechnet an diesem Tag veröffentlichte eine junge Musikerin aus Oberösterreich ihr neues Album. Zufall? Ganz und gar nicht!
Anna-Maria Schnabl alias ams hat sich für „ams singt a3“ elf Songs von Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Rainhard Fendrich geschnappt und ihnen ihre ganz persönliche Note verliehen. Dass Alben normalerweise freitags erscheinen, um bei den Streamingdiensten bessere Chancen zu haben, ist ihr dabei ziemlich egal. Warum? Das sollte sie mir später noch verraten.
Als ich die sympathische Wahlwienerin zum Gespräch treffe, sitzt sie bereits mit einem Lächeln im Gesicht vor mir. Nur erkenne ich sie zunächst gar nicht. Schließlich kenne ich sie von Fotos nur mit längeren Haaren. „Mein Freund hat sie mir erst gestern geschnitten, weil sie mir auf die Nerven gegangen sind“, erzählt sie mir lachend im Dialekt. Na, wenn das kein gelungener Gesprächseinstieg ist. Das Eis war jedenfalls schnell gebrochen und schon plauderten wir über ihre Liebe zum Austropop, die Tücken des Musikgeschäfts und darüber, warum sie sich für ihre Karriere ganz bestimmt nicht verbiegen lassen möchte.
„Krone“: Anna, Du bist in Oberösterreich aufgewachsen. Wann hast du eigentlich gemerkt, dass du Musik machen möchtest?
ams: Musik war bei uns in der Familie schon immer da. Meine Eltern haben es hobbymäßig gemacht, meine Schwester war in der Musikschule und bei uns wurde daheim immer gesungen. Ich habe recht früh mit Klavierunterricht angefangen und später auch Geige gelernt. Es gab also nie diesen einen Moment, in dem ich gesagt habe: Ab jetzt spielt Musik in meinem Leben eine Rolle. Das war irgendwie schon immer so.
Du singst heute ganz bewusst im Dialekt. War Englisch oder Hochdeutsch für dich nie eine Option?
Doch, tatsächlich waren meine ersten Songs, die ich mit 14 oder 15 geschrieben habe, auf Englisch. Ich habe damals mit einer Volksschulfreundin Musik gemacht. Ich war für die Musik zuständig, sie für die Texte. Später auf der Uni hat mich meine Lehrerin Patricia Simpson ermutigt, verschiedene Sachen auszuprobieren, auch den Dialekt. Ein Studienkollege hatte damals einen Song von Tom Waits mit einem eigenen Dialekttext gesungen. Das hat mich extrem berührt. Ich habe es dann selbst ausprobiert und sehr viel positives Feedback bekommen. So hat das mit der Dialektmusik angefangen. Heute fühlt es sich für mich ganz logisch an, meine eigenen Lieder im Dialekt zu singen. Ich rede schließlich auch nicht Hochdeutsch (lacht). Da wäre irgendwie eine Barriere, es würde sich unauthentisch anfühlen.
Dein neues Album „ams singt a3“ ist ausgerechnet am 80. Geburtstag von Georg Danzer erschienen. War das von Anfang an so geplant?
Ja, ganz bewusst! Die meisten Alben erscheinen ja freitags, weil sie dann die besten Chancen haben, von den Streamingplattformen und deren Algorithmen gepusht zu werden. Aber ganz ehrlich: Das ist mir wurscht (lacht). Ich habe schon vor längerer Zeit aufgehört, mich diesen Strategien anzupassen. Mit den Streams, die ich habe, verdiene ich ohnehin fast nichts. Vielleicht kann ich mir davon einen Kaffee leisten, den wir gerade trinken, aber mehr auch nicht. Ich mag besondere Daten und Zahlenspielereien. Und Georg Danzer wäre am 7. Oktober 80 geworden. Da habe ich mir gedacht: Warum nicht?
Du hast gesagt du bist mit Ambros, Danzer und Fendrich aufgewachsen. Wer von den dreien hat dich denn am stärksten geprägt?
Ich möchte die drei gar nicht miteinander ranken, weil alle extrem wichtig für den Austropop und das österreichische Liedgut waren beziehungsweise sind. Aber mich persönlich sprechen die Lieder von Georg Danzer am meisten an. Sie sind sehr poetisch und warm. Ich habe vor Kurzem ein altes Interview mit ihm gelesen, in dem er sinngemäß gesagt hat: Wenn man sich ein Lied als Haus vorstellt, dann kommt er sicher nicht durch die Tür. Das finde ich ein schönes Bild. Er macht es nicht so plakativ, sondern auf eine charmante Art und Weise.
Viele dieser Songs kennt fast jeder. Wie schwierig war es, ihnen deinen eigenen Stempel aufzudrücken, ohne ihren Charakter zu verlieren?
Für mich war das voll cool! Natürlich kann es sein, dass sich eingefleischte Austria-3-Fans mein Album anhören und denken: Um Gottes Willen, was hat denn diese ams da gemacht? Das hoffe ich natürlich nicht. Ich finde, ich habe die Songs in ihrer Essenz genommen und rundherum neu arrangiert. Viele Originale sind sehr gitarrenlastig, ich hingegen spiele Klavier und singe dazu. Dadurch entsteht eine andere Klangfarbe. Ich würde sagen, man spürt auch ein bisschen den Spirit von 2026.
Der klassische Austropop ist stark männlich geprägt. Was verändert sich, wenn plötzlich eine junge Frau diese Lieder singt?
Ich glaube, an den Liedern selbst verändert sich nichts. Aber man hat eine neue Stimmfarbe und vielleicht verändert sich auch die Perspektive der Hörenden. Sehr viele Austropop-Songs sind Liebeslieder. Wenn ein Mann ein Liebeslied an eine Frau geschrieben hat und man das jetzt von einer Frau hört, ändern sich vielleicht die Perspektiven. Das finde ich sehr gut. Es regt zum Nachdenken an und kann vielleicht auch ein Weltbild erweitern.
Auf deinem Album sind auch Anna Buchegger, Die Duetten und Blonder Engel zu hören. Warum gerade diese Künstler?
Das sind alles tolle Kollegen und Kolleginnen aus der österreichischen Musikszene, die ich schon länger kenne und sehr schätze. Mir war wichtig, auf diesem Album nicht nur mich abzubilden, sondern auch andere aus der Szene mit ins Boot zu holen. Sie alle singen ebenfalls im Dialekt, das hat einfach gut zusammengepasst. Ich habe sie gefragt und sie waren sofort Feuer und Flamme. Darüber bin ich sehr froh.
Du nennst dich ams. Das erinnert natürlich sofort an das Arbeitsmarktservice. Wie bist du auf diesen interessanten Künstlernamen gekommen?
Das ist tatsächlich bewusst gewählt (lacht). Ich stoße damit immer wieder auf Empörung. Aber wenn ich erkläre, dass ams von Anna-Maria Schnabl kommt, sagen die meisten: Ah, das merkt man sich! Der Name ist eigentlich schon ganz lange mein Spitzname. Ich habe früher in Oberösterreich im Tennisverein gespielt. Bei Turnieren wurden die Namen der Spielerinnen abgekürzt und irgendwann haben mich alle nur noch ams genannt. Als ich dann Musik veröffentlicht habe, war relativ schnell klar, dass ich den Namen behalte. Anna-Maria Schnabl vergisst man vielleicht wieder, aber ams bleibt hängen. Manche sprechen die drei Buchstaben übrigens auch als ein Wort aus (lacht).
Bei elf Songs muss man eine Auswahl treffen. Gab es einen Klassiker, an den du dich nicht herangetraut hast?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin mit der Auswahl sehr happy. Mir war wichtig, eine gute Mischung zu finden. Nicht zu viele Balladen, nicht zu viele schnelle Songs und sowohl bekannte als auch weniger bekannte Nummern. Es gäbe auf jeden Fall noch genügend Material. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann einen zweiten Teil.
Du hast bereits für Ina Regen, folkshilfe und Josh. eröffnet. Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Ina Regen?
Das ist über Social Media entstanden. Ich habe vor ungefähr zwei Jahren einen ihrer Titel auf Instagram gecovert und sie markiert. So ist sie auf mich aufmerksam geworden. Wir sind uns dann immer wieder begegnet, auch weil wir beide Klavier spielen und singen. Irgendwann hat sie sogar ein Konzert von mir im Theater am Spittelberg besucht. Später hat sich ihre Managerin gemeldet und gefragt, ob ich bei einer Tour dabei sein möchte. Da habe ich natürlich sofort zugesagt. Und folkshilfe hat mal auf Social Media gefragt, wer ihre nächsten Konzerte eröffnen soll. Ich habe den Beitrag gesehen und meine Community gebeten, mich dort zu markieren. Da ist dann eine richtige Lawine entstanden. Mittlerweile kennen wir uns auch persönlich und das hat einfach gut gepasst.
Was konntest du dir von diesen Künstlern für deine eigene Karriere abschauen?
Es ist schon bewundernswert, wie sie mit ihren Bands arbeiten und was sie für tolle Shows auf die Beine stellen. Da ist bei mir sicher noch Luft nach oben. Andererseits bin ich auch ein Fan der Reduktion und mit meinem Trio grundsätzlich sehr glücklich. Was mich bei folkshilfe besonders beeindruckt hat, war, dass das gesamte Publikum von vorne bis hinten mitgesungen hat. Das liegt natürlich an der Band, aber auch daran, dass österreichische Radiosender ihnen eine Plattform bieten. Wenn man wie ich als kleine Dialektmusikerin kaum im Radio gespielt wird, haben die Leute auch weniger Möglichkeiten, die Musik zu entdecken. Dann ist man stark von Social Media abhängig. Das ist ein steiniger Weg, aber man muss einfach dranbleiben.
Wäre eine Castingshow für dich eine Möglichkeit, schneller bekannt zu werden? Immerhin haben Künstlerinnen wie Christina Stürmer diesen Weg eingeschlagen.
Ich glaube, ich würde keinen Castingweg einschlagen. Man bindet sich dort vertraglich und gibt möglicherweise Rechte und Kontrolle ab. Das möchte ich nicht. Ich habe schon darüber nachgedacht, aber dafür bin ich viel zu gerne unabhängig und habe selbst die Zügel in der Hand, wenn es um meine Musik und meine Präsentation geht (lacht).
Mit welchem österreichischen Musiker würdest du denn noch gerne einmal zusammenarbeiten?
Sehr gerne mit Norbert Schneider. Ich finde auch 5/8erl in Ehr’n sehr toll. Natürlich wäre es auch cool, mit Wolfgang Ambros oder Rainhard Fendrich einen Song zu schreiben. Vielleicht hören sie sich ja mein Album an und denken sich, dass wir einmal gemeinsam etwas machen könnten. Vielleicht laden sie mich ja auf einen Kaffee ein (lacht).
Warum hast du dich nach deinem Debütalbum „gemeinsam“ für ein Werk mit Coversongs entschieden und nicht gleich für ein zweites mit eigenen Liedern?
Eine zweite Platte mit eigenen Songs wird ganz bestimmt kommen. Aber dieses Projekt war schon lange ein Herzenswunsch von mir. Ich identifiziere mich sehr mit Austropop. Der Begriff ist ja unter Musikern durchaus umstritten, manche sehen ihn sogar negativ. Ich überhaupt nicht! Ich bin stolz und froh, Teil des Austropop zu sein. Und natürlich steckt auch der Gedanke dahinter, mit der Musik von Austria 3 ein neues Publikum zu erreichen. Wenn diese Menschen dann auch meine eigenen Songs entdecken, wäre das wunderschön.
Am 18. Oktober präsentierst du das Album im Wiener Tunnel. Was wünschst du dir, dass die Besucher von diesem Abend mitnehmen?
Ich würde mir wünschen, dass die Leute nach Hause gehen und sich denken: Wow, cool, dass eine junge Frau diese traditionellen österreichischen Lieder nimmt, ihre Essenz bewahrt und trotzdem ihr eigenes Ding daraus macht. Dass diese großartigen Songs wieder ein bisschen aufflackern. Wenn ich das schaffe, habe ich schon alles erreicht. Und wenn die Leute danach auch noch neugierig werden und sich meine eigenen Lieder anhören, dann ist wirklich alles perfekt gelaufen.
Und wo siehst du dich in den nächsten Jahren? Ist die Wiener Stadthalle ein großer Traum?
Nein sagen würde ich natürlich nicht (lacht). Aber ich bin Dialektmusikerin und spiele auch sehr gerne in kleinen, gemütlichen Konzertlocations. Dort merke ich, dass meine Texte beim Publikum ankommen. Ich brauche keine Bühne für 20.000 Menschen. Ich hoffe, dass ich in fünf Jahren nach wie vor Musik mache, vielleicht schon mein zweites oder drittes Album mit eigenen Songs veröffentlicht habe und regelmäßig Auftritte in Österreich und im deutschsprachigen Raum habe.
Wer sich nun selbst ein Bild von der sympathischen Oberösterreicherin machen möchte, hat am 18. Oktober Gelegenheit dazu: Anna-Maria Schnabl tritt im Wiener Tunnel auf. Tickets gibt es an der Abendkassa.
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