Der Pleitegeier fährt in Niederösterreich immer öfter seine Krallen aus. Bereits 891 Unternehmen hat er heuer in Niederösterreich schon gepackt. Viele davon waren dermaßen bankrott, dass das Geld nicht einmal mehr für ein Insolvenzverfahren reichte.
Die monatliche Statistik des Arbeitsmarktservice belegt, dass immer mehr Menschen in Niederösterreich ihre Jobs verlieren. Die Quartalsbilanz des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) zeigt jetzt deutlich, warum das so ist: Jeden Tag sperren im Schnitt drei Firmen im weiten Land zu.
Es geht weiter bergab
In den ersten neun Monaten dieses Jahres mussten hier 891 Unternehmen Insolvenz beantragen – um knapp neun Prozent mehr als im Vorjahr. Und da nicht von einer plötzlichen Trendumkehr auszugehen ist, rechnet KSV-Experte Jürgen Gebauer damit, dass bis zum Jahresende bei 1200 niederösterreichischen Betrieben die Lichter für immer ausgegangen sein werden.
Kosten steigen, Nachfrage sinkt
Als Ursache ortet er einen toxischen Mix: „Hohe Energiepreise, die Inflation, die instabile Lage im Nahen Osten, steigende Personalkosten und die schwächelnde Konsumnachfrage setzen viele heimische Unternehmen wirtschaftlich unter Druck.“ Oftmals wird dieser Druck so groß, dass der Gang zum Insolvenzgericht unausweichlich ist.
Doch dort folgt für Gläubiger immer öfter eine böse Überraschung: „Nahezu 42 Prozent der 891 betroffenen Firmen waren nicht einmal mehr in der Lage, die 4000 Euro für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens aufzubringen“, so Gebauer. Damit sind alle Forderungen abzuschreiben.
Wegen der geopolitischen Lage und der wirtschaftlichen Entwicklung ist davon auszugehen, dass sich die Insolvenzen in NÖ auch 2026 auf hohem Niveau einpendeln.

Jürgen Gebauer, Kreditschutzverband von 1870
Bild: (c) www.annarauchenberger.com /
Krise in vielen Branchen
Am stärksten betroffen von der Krise sind Handel (135 Insolvenzen) und Bauwirtschaft (133 Insolvenzen). Auf Platz drei liegt mit 91 Fällen die Gastronomie, diese Branche verzeichnet mit einem Plus von 15 Prozent den rasantesten Anstieg.
Millionen in den Sand gesetzt
Angestiegen ist auch die Höhe der Verbindlichkeiten bei den Insolvenzen in Niederösterreich. Denn die Summe der Passiva bei den Fällen der ersten neun Monate dieses Jahres wird auf bis zu 512 Millionen Euro geschätzt – das sind um rund 25 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Allerdings: Die Fachleute beim KSV bestätigen, dass der Anstieg im Wesentlichen den Anfang September am Landesgericht Krems eröffneten Insolvenzverfahren dreier Gesellschaften der Waldviertler Pollmann-Gruppe geschuldet ist, deren Verbindlichkeiten bei rund 74 Millionen Euro liegen.
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