30 Jahre leitete Michaela Gardermayr die Halleiner Arbeitsinitiative. Die „Krone“ hat mit ihr über den wandelnden Arbeitsmarkt gesprochen. Sie befürchtet neue Risiken durch die Künstliche Intelligenz, auch für hoch qualifizierte Arbeitskräfte...
Vor 30 Jahren startete Michaela Gardermayr als Geschäftsführerin bei der Halleiner Arbeitsinitiative – einem Arbeitsprogramm für schwer vermittelbare Arbeitskräfte. Das Klientel damals: 15 Männer, hauptsächlich mit Alkoholproblemen, schwer vermittelbar. Aber: Viele Klienten hätten dennoch gewusst, wie Arbeit funktioniert. „Wenn die hingestellt worden sind, die haben schon anpacken können“, erinnert sich Gardermayr, die am 1. Oktober in Pension gehen durfte.
Der Mensch muss von den Unternehmen wieder mehr gesehen werden. Die Person an sich muss wertgeschätzt werden.
Michaela Gardermayr
Das Bild heute sei ein gänzlich anderes: Es greifen fehlende Ausbildung, psychische Probleme, körperliche Beschwerden, unsichere Wohnverhältnisse und fehlende Kinderbetreuung oft ineinander. Vor einer Vermittlung müssen deshalb häufig andere Fragen geklärt werden. „Wir geben ja ein Stück Heimat. Struktur. Vertrauen“, beschreibt sie die Aufgabe. Arbeit bedeute weit mehr als Einkommen: „Arbeit ist Teilhabe, Arbeit ist integriert sein mit Kollegen.“ Je länger die Arbeitslosigkeit dauere, desto stärker werde oft auch die psychische Belastung.
Künstliche Intelligenz setzt hoch Qualifizierten zu
Zugleich hätte sich der laut Gardermayr Arbeitsmarkt verschärft. Einfache Tätigkeiten für Menschen ohne Ausbildung verschwinden durch immer mehr Automatisierung. Sicherheitsvorgaben, Sprachkenntnisse und digitale Abläufe erhöhen die Eintrittsschwelle. Auch Bewerbungen werden zum Hindernis. „Das ganze Online-Bewerben schafft halt ein Durchschnittsklient von uns alleine nicht“, sagt die scheidende Leiterin.
Trotz der Hürden brachte die HAI über Jahre mehr als die Hälfte der Klienten zurück ins Arbeitsleben. Über viele Jahre erreichte die HAI Vermittlungsquoten um 60 Prozent. Möglich wurde diese Arbeit nur durch die Förderungen des Arbeitsmarktservice (AMS) und des Landes Salzburg. Ohne diese Unterstützung hätte die HAI weder Arbeitsplätze anbieten noch Menschen dafür stabilisieren können.
Auf Gardermayrs Nachfolgerin, Franziska Werner, warten aber wieder ganz neue Herausforderungen. Künstliche Intelligenz werde Abläufe beschleunigen und neue Gruppen in die Arbeitslosigkeit drängen. Selbst gut Ausgebildete seien nicht geschützt. Juristische Recherchen, grafische Arbeiten oder Aufgaben im Steuerbereich könnten automatisiert werden. „Auch Akademiker werden in Zukunft davon betroffen sein“, warnt Gardermayr.
Darauf müsse sich die HAI einstellen. Neue Tätigkeiten, Kooperationen mit Betrieben und flexiblere Modelle seien gefragt. Zugleich gelte mehr Empathie: „Der Mensch muss von den Unternehmen wieder mehr gesehen werden. Die Person an sich muss wieder mehr wertgeschätzt werden.“
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