Nach Kritik an der Barrierefreiheit im PVZ St. Pölten Nord erklären die Verantwortlichen, wie viel Aufwand in die Gestaltung geflossen ist. Vom Lift bis zu Akustikdecken und Lüftung habe man bewusst mehr getan als vorgeschrieben – für Patienten ebenso wie für Mitarbeiter.
Ohne Stufen zum Arzt, weniger Lärm im Wartebereich und ein eigener Raum für Patienten mit ansteckenden Erkrankungen: Die Verantwortlichen des PVZ St. Pölten Nord wollen nach der Kritik an der Barrierefreiheit auch jene Maßnahmen sichtbar machen, die im Alltag oft kaum auffallen.
Wie berichtet, hatte die Initiative „barriereFREI+“ die Markierung einer Glastür sowie Kontraste und Beschriftungen beanstandet. Eine Kritik, die das Team des im April 2025 eröffneten Primärversorgungszentrums schmerzt. „Denn bereits mit Beginn der Planung wurde großer Wert auf die Barrierefreiheit gelegt“, betont Geschäftsführer Raffael Biro.
Und auch nach diesem Hinweis handelte man rasch. Die Türbeklebung wurde bereits wenige Tage nach dem Hinweis verbessert. „Für Hinweise sind wir natürlich weiter dankbar“, erklärt Biro. An einer Meldung des Betroffenen an die Schlichtungsstelle hat das aber nichts mehr geändert. Nun ist die Baupolizei am Zug.
Alle Stockwerke ohne Stiegen erreichbar
Unabhängig von der Prüfung verweisen die Verantwortlichen auf die Ausstattung des mehr als 200 Jahre alten Hauses. „Alle Stockwerke sind ohne Stiegen erreichbar. Barrierefreiheit ist uns nicht nur für Patienten wichtig, sondern auch für die Mitarbeiter“, betont Arzt Martin Hosserek.
Hinzu kämen Schilder mit großer, kontrastreicher Schrift sowie Blindenschrift im Lift. Sehbehinderte Patienten würden persönlich vom Arzt abgeholt. Für andere Besucher gibt es ein stummes Aufrufsystem, das den Geräuschpegel niedrig halten soll.
Weniger Lärm soll den Arztbesuch erleichtern
„Ein Arztbesuch bedeutet für viele Menschen ohnehin Stress. Deshalb haben wir alle Räume akustisch optimiert – für eine angenehme Umgebung für Patienten und Mitarbeiter“, erklärt Arzt David Hauer. Sämtliche Räume wurden dafür mit Akustikdecken ausgestattet.
Der Aufwand gehe nach Angaben des Teams über die Vorgaben hinaus. Er soll auch den Beschäftigten zugutekommen: In einer Ordination wird viel gesprochen, bei älteren Patienten mitunter lauter. Trotzdem wolle man eine angenehme Umgebung schaffen.
Eigener Wartebereich für Infektionspatienten
Auch in die Belüftung aller Räume wurde investiert. Ein CO₂-Sensor im Wartezimmer hilft, den Lüftungsbedarf zu überwachen. Die Lüftung soll auch die Belastung durch virushaltige Aerosole reduzieren, erklären die Verantwortlichen. Ein gesonderter Infektionswarteraum ermöglicht es zudem, Patienten mit erkannten ansteckenden Erkrankungen getrennt unterzubringen. Die Klimatisierung wurde heuer nachgerüstet.
Wie wichtig diese Ausstattung im Alltag ist, verdeutlicht das Team mit den Besucherzahlen: Derzeit verzeichne das Zentrum rund 400 Patientenkontakte täglich, heuer seien es bereits etwa 50.000 gewesen. Fünf Ärzte und 28 weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Versorgung.
Die Verantwortlichen verstehen diese Investitionen als „Extrameile“: Das Zentrum soll für Patienten und Beschäftigte gut zugänglich sein – und zugleich ein Ort, an dem sie sich wohlfühlen.
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