Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht auf Dienstag eine fehlende Vorwarnung durch die westlichen Verbündeten des Landes. „Das trägt definitiv nicht zum Frieden bei“, hielt der Staatschef fest.
„Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. „Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen“, sagte er. „Aber direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen – all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei“, erklärt der Staatschef weiter. Der Präsident nannte keinen Partner namentlich, betonte aber, das Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, „die wirklich helfen“. Er forderte wirksamen Druck auf Russland.
NATO-Staaten liefern wichtige Aufklärungsdaten
Die Ukraine verlässt sich in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg traditionell vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer NATO-Mitgliedsstaaten. Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff mitgeteilt, dass aufgeklärt werden müsse, warum es diesmal keine Warnung vor der russischen Attacke gegeben habe.
Auch in der Vergangenheit war die ukrainische Hauptstadt schon von den schnellen ballistischen Raketen überrascht worden. Bürger hatten beklagt, dass kein Luftalarm ausgelöst worden sei. Selenskyj sprach nun von einem „hinterhältigen ballistischen Angriff auf Kiew – fünf Raketen, die zivile Infrastruktur trafen“.
Außenminister widerspricht Selenskyj
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha versicherte allerdings, dass es weiterhin einen Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA gebe. Der Luftalarm sei in der Nacht tatsächlich verspätet ausgelöst worden. „Dies hängt jedoch mit einer speziellen Art von Waffen zusammen, die die russische Seite eingesetzt hat“, erklärte er auf dem Warschauer Sicherheitsforum. Zur Art der Waffen machte er keine Angaben.
Selenskyj verurteilte auch den neuen russischen Angriff auf die ostukrainische Großstadt Charkiw, bei dem vier Menschen getötet worden seien. Dort sei ein gewöhnliches Wohnhaus zerstört worden. Die Suche nach Verschütteten in den Trümmern dauere an, sagte er. Insgesamt seien an einem einzigen Abend allein in Charkiw 41 Menschen verletzt worden.
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