Trotz Rettungsversuchen der heimischen Politik will der belgische Konzern Ardo sein laut eigenen Angaben unrentables Werk für Tiefkühlgemüse im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf nächstes Jahr schließen. Die Chancen auf ein Happy End schwinden mit jedem weiteren Tag. Nun wendet sich Ardo-Betriebsrat Dietmar Breiner mit einem dramatischen Appell an alle Österreicher.
In einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video (siehe oben) ruft Breiner die Konsumenten dazu auf, sich für den Erhalt der heimischen Produktion einzusetzen. Seine Idee: Die Menschen sollen Botschaften wie „Gemüse aus Österreich muss bleiben!“ oder „Regional statt international!“ auf ein Blatt Papier schreiben, ein Foto davon machen und dieses in den sozialen Netzwerken verbreiten. Auch sein Video solle mit anderen geteilt werden.
„Gemeinsam für unser österreichisches Gemüse kämpfen“
„Ich möchte, dass wir gemeinsam für unser österreichisches Gemüse kämpfen“, appelliert der Arbeitnehmervertreter. Durch die Aktion solle öffentlicher Druck auf die Verantwortlichen entstehen – in der Hoffnung, dass es doch noch eine Chance für den Standort gibt.
Die Auswirkungen der geplanten Schließung reichen weit über die Belegschaft hinaus. Das Werk verarbeitet Gemüse aus dem Marchfeld und produziert unter anderem für die Marke Iglo sowie für die Tiefkühl-Eigenmarken großer Supermarktketten. Neben 240 Mitarbeitern sind auch Hunderte Bauern und Jobs bei kooperierenden Lieferunternehmen von der Schließung im kommenden Jahr betroffen.
Der Betriebsrat warnt zudem vor möglichen Lieferproblemen, etwa infolge extremer Wetterereignisse. Österreich könne bei Dürren und Überschwemmungen in anderen Anbauregionen nicht selbstverständlich davon ausgehen, bei knappen Liefermengen bevorzugt versorgt zu werden. Gerade deshalb müsse die heimische Produktion erhalten bleiben.
Totschnig will Perspektive für Betroffene schaffen
Nachdem sich Ardo in einem Antwortbrief an die Bundesregierung zu einem Hilfs- und Subventionspaket ablehnend gezeigt hat, scheint das Aus für das Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich besiegelt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) möchte nun „eine Perspektive schaffen“, für „die Bauern bis hin zu den Konsumenten“, sagte er am Montag am Rande des Treffens der EU-Umweltministerinnen und -minister in Luxemburg. Die Suche nach Alternativen läuft.
Rewe: Versorgung der Kunden aktuell gesichert
Iglo betonte am Montag auf APA-Anfrage, „aktiv nach Wegen“ zu suchen, um die Verarbeitung von Marchfeld-Gemüse „so weit wie möglich in der Region aufrechtzuerhalten“: „Erste Gespräche haben bereits stattgefunden.“ Die Billa-Mutter Rewe hob in einer schriftlichen Stellungnahme hervor, dass die Versorgung von Kundinnen und Kunden mit österreichischem Tiefkühlgemüse aktuell gesichert sei. „Gleichzeitig prüfen wir laufend neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit alternativen Lieferanten aus Österreich, um auch langfristig eine verlässliche und hochwertige Versorgung sicherzustellen.“
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