Werk-Schließung droht

Ardo erteilte Regierung nun die offizielle Absage

Niederösterreich
11.10.2026 20:45

Die Hoffnung auf ein Happy End für das Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich schmilzt dahin. Der belgische Großkonzern hat den Weiterbetrieb trotz angebotener Unterstützung von Bund und Land offiziell abgelehnt – trotz Hilfspaket, Bauerndemos und Investoreninteresse.

Die Begründung ist knallhart: Der Standort sei strukturell unrentabel, öffentliche Hilfen könnten daran nichts ändern. Seit 2023 schreibe das Werk jährlich im Schnitt fünf Millionen Euro Verlust. Für eine Fortführung wären Investitionen von 112 Millionen Euro nötig, selbst eine Konzentration auf Spinat würde noch 66 Millionen Euro verschlingen.

Auch einen Verkauf hält Ardo nicht für realistisch. Stattdessen soll die Schließung vorangetrieben werden, ein fairer Sozialplan habe Priorität. 

Keine öffentlichen Förderungen, auch kein Schutzschirm
Wie berichtet, hatte der Konzern auch schon zuvor eiskalt alle Angebote der Regierung abgeschmettert. Die Manager können deswegen so agieren, weil sie keine öffentlichen Fördergelder bezogen hatten. Das kompromisslose Nein zur Fortführung des Werkes lässt auch keinen Schutzschirm der Politik zu. Damit bleiben die Felder sowohl jetzt im Spätherbst als auch im Frühjahr kahl.

Wohl Hunderte Jobs gefährdet
Das Marchfeld gilt als Gemüsekammer Österreichs. Dürre, Starkregen und steigende Kosten machen den Landwirten ohnehin zu schaffen, nun droht mit dem Wegfall eines wichtigen industriellen Abnehmers eine weitere Belastung. Und nicht nur Bauern, die aufgrund der Trockenheit hohe Summen in neue Bewässerungsanlagen investierten, sind in ihrer Existenz gefährdet, auch Landmaschinen-Händler, Werkstätten, Transportunternehmen etc. sind betroffen. Richard Kriegl, Obmann der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), schätzt, dass Hunderte Jobs gefährdet sind. 

„Bauern nicht im Stich lassen!“
Die Schließung scheint mit dem offiziellen Nein nun kaum noch abzuwenden – und SPÖ-Landeschef Sven Hergovich steht mit einem Last Minute-Rettungsappell auf verlorenem Posten. SPÖ-Klubobmann René Zonschits will dennoch nicht aufgeben. Er verweist wie Hergovich auf interessierte Investoren und fordert weitere Gespräche. „Die Bauern dürfen nicht im Stich gelassen werden“, mahnen beide. Immerhin stehen Hunderte Menschen vor den Trümmern der Existenz.

Sven Hergovich und SPÖ-Klubomann Renè Zonschits stehen wohl samt Packerl auf verlorenem Posten.
Sven Hergovich und SPÖ-Klubomann Renè Zonschits stehen wohl samt Packerl auf verlorenem Posten.(Bild: SPÖ NÖ)

Anlage für Bioabfälle
Und doch gibt es einen Hoffnungsschimmer am Marchfelder Horizont. Spar meldete sich mit einem Abnahmeangebot, das einen kleinen Teil abdecken kann. Zudem soll – wie berichtet – hier eine Anlage entstehen, die Bioabfälle in Energie für Kühlung und Strom umwandelt. Das macht zumindest unabhängiger von Gas- und Strompreisen.

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