Reue vor Gericht

Schüler wollte für IS Bombenattentat ausführen

Vorarlberg
12.10.2026 10:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Ein 16-jähriger Schüler aus Vorarlberg radikalisierte sich, schwor der Terrormiliz IS die Treue und schmiedete Anschlagspläne gegen eine Polizeistation in Österreich. Der Bursche musste sich am Landesgericht Feldkirch verantworten. 

Bei diesem Punkt läuft es einem kalt über den Rücken.“ Staatsanwältin Karin Dragosits ist am Freitag in der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch bei jenem Teil der Anklage angelangt, der selbst erfahrene Prozessbeobachter erschauern lässt. Ein 16-jähriger Schüler soll geplant haben, eine Polizeistation in Österreich in die Luft zu sprengen. Alternativ dachte er über einen Anschlag mit einem Messer oder einer Schusswaffe nach. Was als Suche nach religiösen Inhalten begann, endete in den Fängen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Zwischen Herbst 2024 und Dezember 2025 radikalisierte sich der Schüler zunehmend. Über drei Internetaccounts verbreitete er IS-Propaganda, unterstützte den IS und warb Mitglieder an. Als Profilbild verwendete er einen vermummten IS-Kämpfer. Drei ehemalige Mitschüler forderte er auf, nach dem Vorbild der Terroristen zu trainieren. Einer Kontaktperson schwor er per Video sogar die Treue. Sein Ziel: die Ausreise, um für den IS zu kämpfen. Sollte das scheitern, wollte er in Österreich zuschlagen. Anleitungen zum Bombenbau hatte er bereits erhalten.

Richter Martin Mitteregger will wissen, wie ein Jugendlicher, der in Österreich alle Freiheiten genießt, derart abdriften konnte. „Ich habe im echten Leben Diskriminierungen erleben müssen“, erklärt der Angeklagte. Kriege und Ungerechtigkeiten hätten Hass in ihm ausgelöst. Sein logisches Denken habe ausgesetzt. „Heute bereue ich meine Taten“, so der Schüler mit syrischen Wurzeln.

Die Staatsanwältin hält ihm nochmal das Ausmaß seines Vorhabens vor Augen: „Sie waren bereit, für den IS zum Mörder zu werden.“ Die Verteidigung verweist auf sein Alter und das reumütige Geständnis. Der Schöffensenat verurteilt den Schüler wegen krimineller Organisation, terroristischer Vereinigung und Ausbildung für terroristische Zwecke zu sechs Monaten bedingter Haft. Dazu kommen Bewährungshilfe und Extremismuspräventionsberatung. Das Urteil ist rechtskräftig. 

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