Er will zu den Geiern

Messner hat ungewöhnlichen Wunsch für seinen Tod

Society International
11.10.2026 15:51
Porträt von krone.at
Von krone.at

Reinhold Messner hat Gipfel bezwungen, die für andere unerreichbar schienen. Doch wenn es um seinen letzten Weg geht, denkt die 82-jährige Bergsteigerlegende nicht an ein Grab oder ein Denkmal. Stattdessen fasziniert ihn eine jahrhundertealte Bestattungsform aus Tibet, bei der Geier den menschlichen Körper aufnehmen. Messner sieht darin ein besonders schönes Bild für das Ende des Lebens.

In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ spricht der Südtiroler offen über das Altern, seine eigene Sterblichkeit und den Wunsch, irgendwann loslassen zu können. Eine Himmelsbestattung, bei der der Körper nach dem Tod zerlegt und den Geiern überlassen wird, habe ihn schon länger beschäftigt. „Ein schöneres Bild fürs Verschwinden gibt es gar nicht“, erklärt Messner.

Dabei geht es dem Extrembergsteiger nicht darum, möglichst bald Abschied zu nehmen. Im Gegenteil. „Zunächst wünsche ich mir, dass er noch nicht kommt“, sagt er über den Tod. Wenn es so weit sei, hoffe er auf ein friedliches Ende, möglichst ohne Schmerzen und großes Leiden. An ein Leben nach dem Tod glaubt Messner nicht. Sein Bewusstsein höre mit dem Tod auf.

Kein Grab, kein Denkmal
Auch eine Feuerbestattung kann sich Messner vorstellen. Die Asche könnte anschließend an Orte gebracht werden, die in seinem Leben eine besondere Bedeutung hatten. Was er ausdrücklich nicht brauche, sei eine dauerhafte Grabstätte. „Ich brauche nach meinem Tod nichts mehr, kein Monument“, sagt der Alpinist. Seine Frau Diane sieht die Vorstellungen ihres Mannes allerdings etwas nüchterner. Das Paar habe bereits eine Himmelsbestattung erlebt. Kenne man die kulturellen und praktischen Hintergründe, sei diese weniger romantisch, als Messner sie beschreibe.

Reinhold Messner fasziniert die Vorstellung, nach seinem Tod von Geiern aufgenommen zu werden. ...
Reinhold Messner fasziniert die Vorstellung, nach seinem Tod von Geiern aufgenommen zu werden. Die Himmelsbestattung wird unter anderem in Tibet praktiziert.(Bild: AFP/ARIF ALI)
In Regionen ohne ausreichend Holz sei sie eine Möglichkeit, Verstorbene zu bestatten. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass Menschen den Körper für dieses Ritual vorbereiten müssten. Messner selbst betont, dass seine Wünsche keine Anweisungen an die Hinterbliebenen seien. Seine Frau solle letztlich entscheiden können, was sich für sie richtig anfühle.

Das Alter macht ihm zu schaffen
Dass sich sein Leben verändert hat, verschweigt der 82-Jährige nicht. Früher sei er problemlos geklettert und große Höhenunterschiede hinaufgestiegen. Heute müsse er stärker auf sein Gleichgewicht achten, seine Orientierung sei nicht mehr dieselbe und auch seine Ausdauer habe nachgelassen. Nach einer Herzoperation erhielt er einen Herzschrittmacher. Später erfuhr er, dass er mit einem angeborenen Herzfehler gelebt hatte.

Gemeinsam planen sie weitere Reisen. Zugleich machen sich Reinhold und Diane Messner Gedanken ...
Gemeinsam planen sie weitere Reisen. Zugleich machen sich Reinhold und Diane Messner Gedanken darüber, was eines Tages bleiben soll.(Bild: APA/EXPA/JOHANN GRODER)
Diane nimmt bereits viel im Alltag ab
Im Alltag unterstützt ihn seine Frau, die 36 Jahre jünger ist als er, zunehmend. Sie kümmert sich um organisatorische Aufgaben und übernimmt Dinge, die ihm mittlerweile schwerer fallen. Messner empfindet das nicht als bloße Abhängigkeit. Vielmehr habe sich die Rollenverteilung in ihrer Partnerschaft verändert.

„Diane macht mein Leben nicht länger, aber voller“, sagt er im „Spiegel“-Gespräch. Die Beziehung helfe ihm, das Altern leichter zu ertragen. Dass er nicht mehr so leistungsfähig sei wie früher, müsse er akzeptieren. Er könne aber weiterhin gehen, reisen, erzählen, denken und neugierig bleiben.

Messner: „Ich lebe gern“
Trotz seiner offenen Worte über den Tod weist Messner die Vorstellung zurück, lebensmüde zu sein. Er lebe gern und habe noch vor, eine Weile da zu sein. Dass er mit 82 nicht mehr jede Entwicklung mitmachen könne, etwa bei der Digitalisierung oder künstlichen Intelligenz, sei für ihn kein Grund zur Verzweiflung. Er müsse die Welt nicht mehr verändern.

Auch beruflich will sich die Bergsteigerlegende noch nicht vollständig zurückziehen. Für das kommende Jahr ist gemeinsam mit seiner Frau eine weitere Vortragsreihe geplant. Reisen stehen ebenfalls auf dem Programm, unter anderem nach Ladakh und Grönland.

Will von der Natur aufgenommen werden
Sein Leben betrachtet Messner mit Dankbarkeit. Er habe bei seinen Expeditionen oft Glück gehabt und sei vorsichtig gewesen. Als Bergsteiger habe er nie den Tod gesucht. Entscheidend sei immer gewesen, alle Erfahrungen und Fähigkeiten einzusetzen, um lebend zurückzukommen.

Wenn das Leben irgendwann ende, könne er akzeptieren, ein reiches Leben gehabt zu haben. Und vielleicht, so seine ungewöhnliche Vorstellung, wäre es für ihn dann am schönsten, nicht als Denkmal zurückzubleiben, sondern von der Natur aufgenommen zu werden.

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