Die „Pannonische Tafel“ in Eisenstadt packt ihre Kisten und übersiedelt aus ihrer Spelunke in eine moderne Lokalität.
Die „Pannonische Tafel“ ist im Burgenland längst eine Institution. Seit der Gründung 2008 durch die armutsbetroffene Alleinerzieherin und Sozialaktivistin Andrea Roschek (62) aus Großwarasdorf werden tagtäglich überschüssige Lebensmittel gerettet. Statt im Müll zu landen, werden sie zum Unkostenpreis von vier bis fünf Euro an einkommensschwache sowie armuts- bzw. ausgrenzungsgefährdete Menschen weitergegeben. Dasselbe geschieht mit Kleidung, Haushaltswaren und Hygieneartikeln.
Wie wichtig die Sozialeinrichtung für das Burgenland ist, belegen die Zahlen: Allein im Vorjahr wurden 650.000 Kilo Nahrungsmittel gerettet. Seit der Gründung haben sich 21.000 Bedürftige bei der Tafel angemeldet. Zurzeit werden 8305 Menschen an den Standorten in Eisenstadt, Oberpullendorf und Oberwart unterstützt. Und laufend kommen Neuanmeldungen hinzu.
Für den Sozialmarkt in der Landeshauptstadt heißt es nun: Kisten packen und auf zu neuen Ufern! Er übersiedelt nämlich von der Neusiedler Straße 1 in die Mattersburger Straße 37a, wo früher das Spielwarengeschäft Bannert untergebracht war. Für Gründerin und Obfrau Andrea Roschek ist der Umzug weit mehr als ein Standortwechsel.
„Er ist ein dringend notwendiger Neustart, denn die Zustände im bisherigen Gebäude waren zuletzt alles andere als rosig. Das alte Gebäude ist derart baufällig geworden, dass es in jedem Eck schimmelt und das Gemäuer kurz vorm Zusammenbruch steht. Zuletzt haben sich sogar Mäuse durch die Wände und die Decke gefressen“, schildert Roschek, die inzwischen Mindestpensionistin ist. Auch fehlende Parkplätze hätten die tägliche Arbeit schwierig gemacht. Beim Anliefern und Abholen von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Second-Hand-Ware kam es regelmäßig zu Problemen.
Nun soll vieles besser werden. Zwar ist das neue Geschäftslokal mit 220 Quadratmetern um 130 Quadratmeter kleiner als der bisherige, dafür präsentiert es sich in bestem Zustand. Die Räumlichkeiten sind ebenerdig und barrierefrei, direkt vor der Tür befindet sich ein großer Parkplatz. Dort sollen künftig auch regelmäßig Flohmärkte stattfinden.
Ein nachhaltiger Vertrag
Auch finanziell bringt der Umzug eine deutliche Entlastung. „Die monatliche Miete ist am neuen Standort um 1000 Euro günstiger. Diese Ersparnis hilft uns enorm“, freut sich Roschek, die vierfache Mutter ist und auch fünf Pflegekinder großzog. Besonders wichtig ist für sie aber die langfristige Perspektive: „Mit Herrn Bannert, dem Eigentümer, konnte ein unbefristeter Mietvertrag abgeschlossen werden. Das ist in Zeiten wie diesen Goldwert, weil damit auch die Zukunft der Pannonischen Tafel gesichert ist.“ Bannert ist allerdings vor wenigen Tagen verstorben. Daher werden seine Kinder künftig als Ansprechpartner fungieren.
Bald wird eröffnet
Am neuen Standort sollen die verschiedenen Bereiche der Tafel unter einem Dach weitergeführt werden: Sozialmarkt, Marktplatz, Food-Corner und das beliebte Wohnzimmer-Café, das weiterhin ein Ort der Begegnung bleiben soll. Für Roschek und ihr 25-köpfiges Team, das sich allein in der Landeshauptstadt engagiert, beginnt damit ein neues Kapitel. „Wir freuen uns schon sehr“, sagt die Gründerin. Die offizielle Eröffnung des neuen Standorts findet am 23. Oktober um 13.30 Uhr statt.
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