Neues Album & Live

Baba Yaga: „Wir wollen alle Kulturen vereinen“

Musik
12.10.2026 05:00

Innerhalb kürzester Zeit wurde aus der Wiener Combo Baba Yaga eine international tourende Band, die Gyspy Jazz, Klezmer und Balkan-Klänge vereint und nun ihr zweites Album „Odiseja“ veröffentlicht. Sängerin Jasmin Meiri und Kontrabassist Florian Gunacker saßen mit der „Krone“ zusammen, um ihre Geschichte zu erzählen.

kmm

Balkan-Crossover, Gypsy-Jazz, Klezmer, orientalische Klänge und viel südeuropäisches Lokalkolorit versammeln sich in der weit ausgeprägten Klangwelt von Baba Yaga. Dementsprechend passend hat das in Wien ansässige Weltmusik-Kollektiv sein Debütalbum 2024 „Grenzenlos“ getauft. Diese Vielseitigkeit zieht sich vom Instrumentarium über die Themenpalette bis hin zum Bandnamen weiter. Baba Yaga ist eine Hexe aus einer slawischen Sage, es werden ihr aber auch Heilkünste nachgesagt. Sie hat etwas Gefährliches, Bedrohliches und wurde durch die Christianisierung dämonisiert“, erzählt Sängerin Jasmin Meiri im „Krone“-Gespräch, „aber sie hat ungemein viel Feuer unterm Hintern, so wie wir auch. Dazu sind wir drei Frauen in der Band und mit dem Namen schwingt auch die weibliche Kraft mit. Es hat sich einfach perfekt ergeben.“ Das Projekt geistert lose schon sehr lange herum, als ernsthaftes Kollektiv kann man sich seit mittlerweile drei Jahren bezeichnen. Mit dem breiten Sound hat man aber auch schnell international Fuß gefasst.

Am Anfang war es holprig
Dieser Tage erscheint mit „Odiseja“ das zweite Werk des Kollektivs und zeigt weitere Facetten, die man am Debüt bisher nicht verorten konnte. „Das Schöne an diesem Projekt ist, dass es ständig neue Ideen gibt. Wenn unsere unterschiedlichen Kräfte zusammenkommen, dann passiert immer etwas Überraschendes. Wir wollen auch nicht so isoliert wie im Jazz spielen, sondern achten sehr darauf, dass wir gut beim Publikum ankommen. Wir sind auf der Bühne sehr präsent, gestalten und arrangieren gerne. Mit dieser Leichtigkeit haben wir es geschafft, einen eigenen Baba-Yaga-Sound zu kreieren.“ Nicht alles ging ihnen gleich locker von der Hand, gibt Kontrabassist Florian Gunacker zu: „Am Anfang war es schon holprig und alle mussten lernen, sich unterzuordnen und dem großen Ganzen zu dienen. Bei uns ist Raum für Komplexität, aber gleichzeitig wollen wir es dem Zuhörer leicht machen. Es steht immer die Frage dahinter, wie man es der breiten Masse am besten anbieten kann.“

Jasmin Meiri und Flo Gunacker von Baba Yaga im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein
Jasmin Meiri und Flo Gunacker von Baba Yaga im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein(Bild: Mario Urbantschitsch)

Über die letzten Jahre haben die einzelnen Bandmitglieder noch mehr darauf geachtet, die jeweils eigenen Stärken zu destillieren und in den Vordergrund zu stellen. „Wir kennen uns mittlerweile extrem gut und die Instrumentalisten können zielgerichteter auf meine Stimme oder jene von Raffaella della Gemma hinschreiben“, so Meiri, die Enkelin des unvergessen Arik Brauer, „bei uns kann sich jedes Individuum ausreichend ausleben und seinen leichten Perfektionismus pflegen, ohne dass das Gesamtprodukt darunter leiden würde.“ Auf dem neuen Album wird in insgesamt sieben Sprachen gesungen – auch das ein untrügliches Zeichen für das allumspannende Interesse, dass man dem Projekt mit viel Liebe entgegenbringt. Griechisch, Italienisch, Hebräisch, Jiddisch – alles vermischt sich im großen Klanggebilde Baba Yagas. „Wir haben weniger einen Bildungs-, als einen Verbindungsauftrag“, lacht Gunacker, „es ist das Ziel der Band, alle Kulturen zu vereinen. Eine kulturelle Reise anzubieten, zu der jeder eingeladen ist, um zu zeigen, dass es zwischen uns allen nicht so viele Unterschiede gibt.“

Keine kulturelle Aneignung
Baba Yaga leben im Moment, lassen Schwermut und Sorgen fallen und konzentrieren sich auf die Gegenwart. „Das ist die spezielle Stärke unserer Live-Shows“, ergänzt Gunacker, „die Energie, die wir mit dem Publikum teilen und umgekehrt, ist einzigartig. Eine Liveshow ist jedes Mal ein besonderes Ereignis. Es ist berührend, dass man in einer Zeit wie der aktuellen so viele Menschen mit einer positiven Nachricht und einer positiven Einstellung erreichen und berühren kann.“ Auf „Odiseja“ vermischen Baba Yaga Eigenkompositionen mit Cover-Versionen diversen traditionellen Liedguts. Vom Trendbegriff „kulturelle Aneignung“ fühlen sie sich jedenfalls nicht betroffen. „Wir kreieren daraus immer etwas Eigenständiges und das wissen die Leute zu schätzen. Wenn wir mal ein traditionelles Volkslied auspacken und in unserer Art und Weise intonieren, sind die Menschen eigentlich immer begeistert“, so Meiri, „Musik ist universell. Da kann sich jeder was ausborgen und nehmen und selbst was daraus machen. Es gibt keine Grenzen und das ist das Schöne daran.“

Im gediegenen Provisoriums-Studio im 18. Wiener Gemeindebezirk
Im gediegenen Provisoriums-Studio im 18. Wiener Gemeindebezirk(Bild: Mario Urbantschitsch)

Hinter „Odiseja“ lag die Frage, wohin man sich mit diesem Album begeben würde. Welcher Titel passt zu einer Reise, die alle gemeinsam begehen? Eine Reise, die nicht nur durch verschiedene Kulturen, Sprachen und Völker, sondern auch Emotionen und Gefühlswelten geht. In der Platte steckt von Trauer und Melancholie über Nostalgie bis hin zu Ekstase und extremer Lebensfreude so gut wie alles, was der Mensch so verspüren kann. „Ein wenig geht es auch um uns“, präzisiert Gunacker, „wir sind in kurzer Zeit von einer Wiener Newcomerband zu einer Band geworden, die sehr viel international tourt. Das Musikbusiness verlangt einem wirklich viel ab, es ist zuweilen eine strapaziöse Sache, aber auch eine, die sich immer lohnt. In den letzten knapp drei Jahren ist bei uns sehr viel passiert und das wollten wir ein bisschen mit diesem Album ausdrücken.“ Nicht nur auf der Bühne, auch drumherum arbeiten Baba Yaga sehr viel mit Frauen - deshalb auch der weibliche Band- und Albumname. „Das ist uns wichtig“, so Meiri, „wir achten auch sehr auf die Bedürfnisse und unterstützen uns gegenseitig. So wie es in der Gesellschaft oft nicht ausreichend passiert.“

Es gibt viel individuellen Raum
„Meine Mutter ist drei Wochen nach meiner Geburt wieder auf der Bühne gestanden, sie war ein tolles Vorbild“, so Meiri über Sängerin Timna Brauer, „nur weil man ein Kind kriegt, ist eine Karriere nicht vorbei. Wenn jemand aber mehr Zeit braucht und will, ist das auch okay. Wir wollen diesen individuellen Raum geben, als Gemeinschaft. Jeder Mensch hat unterschiedliche Phasen. Mal ist man stärker, mal weniger stark an gewissen Projekten beteiligt. Das ist normal und gerade als Band, die auf Tour wie in einer wildgewordenen Ehe lebt, wichtig. Wir verstehen uns alle gut und können, wenn es mal gar nicht anders geht, auch in einem Fünfbettzimmer gute Laune haben und uns des Lebens erfreuen.“ Bei Baba Yaga trifft Tradition auf Gegenwart, Spielfreude auf Virtuosität und Tanzbarkeit auf Instrumentalistentum. In zwölf Songs taucht man auf „Odiseja“ in ein gemeinschaftliches Europa ein, das diese Bezeichnung auch verdient.

Nicht nur bezüglich des neuen Albums gab es ausreichend Gesprächsstoff
Nicht nur bezüglich des neuen Albums gab es ausreichend Gesprächsstoff(Bild: Mario Urbantschitsch)

Release-Show im Wiener WUK
Am 15. Oktober findet im Wiener WUK das große Release-Konzert zum Album statt, weiters ist man heuer auch noch am 5. November beim Folk.Art-Festival in Graz und am 26. November beim Yiddish Culture Festival in Wien zu Gast. 2027 folgen weitere Konzertdaten quer durchs Land. Unter www.baba-yaga.at gibt es alle Termine, Informationen und Links zu den Konzertkarten.

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