Sehr weite Wege müssen Retter in den Grenzregionen zurücklegen. Das „richtige“ Spital zu erreichen wird dann zur Odyssee. Und laut den Plänen des Gesundheitspaktes soll das in Zukunft ohne Notarzt aus Raabs an der Thaya stattfinden!
Schwer erbost zeigt man sich in Raabs an der Thaya über das Interview von ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner: Er meinte im Krone-TV-Interview, dass er „(im Notfall) jemanden brauche, der mich am schnellsten Weg gut betreut in das Spital bringt, indem mir geholfen werden kann.“
Die Intention, trotz weniger Akutfälle eine halbwegs vertretbare Erstversorgung von unter 30 Minuten nachts in der Region herzustellen, war es, die vor rund 20 Jahren eine Kombination von Notarzt, ärztlicher Versorgung im Pflegeheim Raabs und dem Ärztenotdienst 141 ins Leben rief.
Ärztenotdienst entlastet Spitäler
Mit dem Ärztenotdienst versorgt das bis heute mustergültige Pilotprojekt eine riesige Region von mehr als 1300 km². Dabei werden nächtliche Hausarztbesuche gefahren – etwa wenn das Kind 40 Grad Fieber hat. Würde dieser nicht mehr stattfinden, würden diese Menschen ebenfalls im Spital behandelt werden müssen, sind sich die Kämpfer für das Pilotprojekt sicher.
Weil aber der im Pflegeheim mit Spendengeldern eingerichtete Stützpunkt zu jenen 32 Notarztstützpunkten zählt, von denen laut Gesundheitspakt 2040+ elf gestrichen werden müssen, steht das Leuchtturmprojekt nun vor dem Aus. Was einen riesigen Kahlschlag an medizinischer Versorgung darstellt. Selbst die führenden Rettungsorganisationen in NÖ wissen nicht, wie man auf die Zahl von elf Streichungen kam.
Weite Wege auch in „richtige“ Spitäler
In Raabs kämpft man für die Weiterentwicklung des Projekts, um die medizinische Versorgung zu erhalten. Nicht zuletzt deshalb, weil man im Notfall bei Nacht auch weit weg von den „richtigen“ Spitälern liegt und nicht nur der Anfahrtsweg, sondern auch der Rückweg besondere Beachtung finden muss. Und dort ist nicht einmal ein Notfallsanitäter-Stützpunkt, oder RTW-C-Stützpunkt – also ein Stützpunkt mit Rettungswagen Typ C und Notfallsanitätern mit Venenkompetenz (NKV) – geplant. Diese sollen sonst in den Regionen der geschlossenen Notarztstützpunkte die Versorgung „engmaschiger“ machen, wie ÖVP-Zauner betont. In Raabs jedoch nicht.
Stadtchef Franz Fischer – von Bürgermeisterkollegen der Region im Stich gelassen – gibt sich nach vielen Bemühungen und fruchtlosen Diskussionen für das Projekt bereits hoffnungslos. „Wo sind denn unsere Politiker!“, zeigt man sich vor Ort frustriert.
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