Wegen des Tunnelblicks von Gesundheitsplan-Bürokraten in der Notarzt-Debatte droht einem Vorzeigeprojekt im Waldviertel, das auch Notarztagenden übernimmt und in der Nacht mit dem Ärztenotdienst 141 eine riesige Region versorgt, das Aus. Und das, obwohl es bestens läuft und effizient Dienste am Land vereint.
Fassungslos und entrüstet zeigen sich Notarzt Karlheinz Schmidt und Ärztekammer-Kurienobfrau Dagmar Fedra-Machacek über die Streichungspläne bei der medizinische Versorgung am Land. Denn auch das fast 20 Jahre perfekt laufende Pilotprojekt in Raabs an der Thaya im Waldviertel droht nach dem (Gesundheits-)Plan der Landesregierung zerstört zu werden!
Das Projekt passt in keine Schublade, weil es nachts die Notarztversorgung binnen 30 Minuten in der dünn besiedelten Grenzregion, aber auch den Ärztenotdienst 141 und die medizinische Versorgung des Pflegeheims Raabs, sicherstellt. Weil das tradierte nächtliche Visitenfahren der Hausärzte schon lange nicht mehr funktionierte – es versagt auch in anderen Regionen – wurde seinerzeit das im Pflegeheim stationierte Kombinationsprojekt ins Leben gerufen.
Ärztenotdienst entlastet Spitäler
Dem Projekt werden ab April 2027 aber das Notarzteinsatzfahrzeug und der beigestellte Notfallsanitäter ersatzlos gestrichen, weil das Land ohne Kompromisse elf Notarztstützpunkte zudrehen will. „Wir sind aber kein klassischer Notarzt-Stützpunkt, sondern versorgen auch 1300 km2 in Form des Ärztenotdienstes 141. Dabei fahren wir zum Kind mit 40 Grad Fieber nach Hause, genauso wie zu Menschen mit akuten Bauchschmerzen, Unterzuckerungen und Mittelohrentzündungen. Auch bei Gallen- und Nierenkolik oder bei schweren Wirbelsäulenbeschwerden sind wir zur Stelle, meist ohne dass die Patienten dann noch ins Spital fahren müssen und dort die ohnehin knappen Kapazitäten belasten“, versteht Projektleiter Schmidt die Welt nicht mehr, dass seine schlagkräftigen Argumente bei den Gesundheitsplan-Bürokraten kein Gehör finden.
Hier wird von sogenannten Experten mit zentralistischem Tunnelblick ein System zerstört, das seit fast 20 Jahren bis heute einwandfrei und ohne Probleme läuft!

Projektleiter und Notarzt Karlheinz Schmidt
Bild: Klaus Schindler
„Brauchen mehr solcher Projekte“
Notarzt-Stützpunkte werden vor allem deshalb gestrichen, weil es einen Mangel an Notfallmedizinern gibt, was in Raabs aber kein Problem ist: „Wir können mit sieben Ärzten unser Dienstrad leicht besetzen. Wir sind bestens aufgestellt“, empört sich Schmidt über den Kahlschlag medizinischer Versorgung für eine Region, die sich über Teile von vier Bezirken erstreckt, und die Ausdünnung des Notarztwesens. „Es ist ein vorbildliches Projekt, das wir auch in anderen Regionen brauchen könnten“, betont Fedra-Machacek, die die niedergelassenen Ärzte in der Kammer vertritt.
Raabs zeigt, wie wohnortnahe, medizinische Versorgung funktionieren kann. Ohne Einsatzfahrzeug und Vertrag mit Notruf NÖ fehlt dem Modell die Grundlage.

Ärztekammer-Kurienobfrau Dagmar Fedra-Machacek
Bild: Imre Antal
Ärger über fehlende Einsicht
Aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Eva Prischl heißt es, dass Raabs ein Sondermodell ist, das im neuen System nicht mehr vorgesehen sei (Anm.: War es als dauerhaftes Pilotprojekt bisher auch nicht). Besser ausgebildete Notfallsanitäter würden den Notarzt ersetzen – allerdings weit weg von Raabs. Und mit dem Notdienst 141 sei dieselbe Versorgung gewährleistet.
Das bestreiten Schmidt und Machacek, denn der 141-Dienst in der Region sei de facto „tot“. Um die medizinische Versorgung sicherzustellen, fordern Schmidt und Fedra-Machacek die Beibehaltung des Raabser Modells inklusive Notarzt samt Sanitäter und Fahrzeug.
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