Album & Tourtermine

Mother‘s Cake: Punk nach gestohlenem Leberkäse

Musik
10.10.2026 05:00

Vom Stoner Rock über Psychedelisches bis hin zum kompromisslosen Punk nach DIY-Manier – bei den Tirolern Mother‘s Cake bekommt man seit jeher alles, nur niemals dasselbe. Auf „We R All Gonna Die“ klingen Yves Krismer und Co. besonders verspielt. Im „Krone“-Interview erzählt er uns, wie es dazu kam und was eine Art Midlife-Crisis damit zu tun hat.

kmm

Vom beschaulichen Innsbruck aus hinaus auf die Bühnen der ganzen Welt – das gelingt dem Rockgespann Mother’s Cake seit mittlerweile 18 Jahren. Yves Krismer und Co. spielten Vorband für Größen wie Velvet Revolver, Limp Bizkit, Iggy Pop oder die Deftones und hat die eigenen musikalischen Duftmarken auf der ganzen Welt gesetzt. Oder zumindest fast, denn eine richtige Tour durch die USA, einem Traumziel der Band, war ihnen noch nicht vergönnt. „Argentinien wäre auch noch schön, denn Mexiko haben wir schon bespielt“, lacht Krismer im Interview mit der „Krone“. Es ist ein sonniger Herbsttag und das Gemüt des Bandchefs ist ebenso strahlend. Gestern erschien mit „We R All Gonna Die“ das sechste Studioalbum der unlängst zum Quartett angewachsenen Band aus dem Westen Österreichs und zeigt Mother’s Cake zumindest partiell von einer neuen Seite.

Abkehr vom Vorgänger
Der eröffnende Titeltrack ist Garage-Punk-Manifest, wie man es in ihrer knappen Kürze und klanglichen Radikalität so nicht von der längst etablierten Band erwarten würde. „Es war unser Anreiz, diese DIY-Garage-Punk-Mentalität auf eine Platte zu bringen. Wir haben das Meiste im Keller unseres Schlagzeugers Alex Kerbl aufgenommen und sehr viel mit der Gitarre experimentiert. Es war aber nicht das Ziel, eine gewisse Brillanz zu erreichen, sondern so roh und unmittelbar wie möglich zu klingen. Ich denke, das ist uns mit dem Album ganz gut gelungen.“ Der Vorgänger, „Ultrabliss“ aus 2024, war fuzziger und psychedelischer, überhaupt werden Mother’s Cake durch die frühen Erfolge auf den ersten Werken gerne in die Stoner-Rock-Schublade gesteckt, obwohl man sich von dort längst in andere Richtungen hinaus ausgebreitet hat.

Mother‘s Cake-Chef Yves Krismer ist nicht nur Vollblutmusiker, sondern auch ausgewiesener ...
Mother‘s Cake-Chef Yves Krismer ist nicht nur Vollblutmusiker, sondern auch ausgewiesener Naturfreund.(Bild: Eva Manhart)

Der nicht unbedingt lebensfrohe Titel entspringt nicht der aktuellen Lage der Welt, sondern vielmehr einer persönlichen, erneuerten Midlife-Crisis. „Am 9. Oktober, wo das Album rauskam, habe ich meinen 40er gefeiert“, erläutert Krismer, „sagen wir so: Der Weg zu diesem Geburtstag war nicht immer einfach. Auf dieser Schwelle setzt irgendwann die Erkenntnis ein, dass es unweigerlich vorbei sein muss. Das überlegst du dir mit 20 natürlich nicht. Es war jedenfalls nicht mein Lieblingsgeburtstag“, führt lachend aus, „aber das war mein 30er auch nicht. Es ist jedenfalls Zeit, Resümee zu ziehen.“ Während der Albumtitel also in die Negativität führt, wurde der Sound von den Musikern bewusst im Up-Tempo-Bereich angesiedelt – sozusagen als gewollter Gegenpart, um das Gesamtprodukt aufzuhellen. Die Experimentierfreudigkeit hört man Songs wie „Take It Easy“, „Apocalypse“ oder das mit einem schrägen Break versehene „All For Nothing“ an.

Husten und Sterben wegrechnen
„In einer Band zu sein, wird mit den Jahren immer schwieriger. Die Leute haben Erwartungen und wollen diese erfüllt sehen. Unsere Fans müssen aber sehr renitent und der Musik gegenüber aufgeschlossen sein, weil all unsere Alben ein bisschen anders klingen und sich immer wieder etwas tut.“ Der Titeltrack kommt in ungewohnten zwei Minuten über die Ziellinie, oder „eine Minute 53 Sekunden, wenn man das Husten und Sterben am Ende wegrechnet“, lacht Krismer. Bei anderen Songs schiebt sich die Gitarre dann doch so in den Vordergrund, dass daraus schon auch einmal sechs Minuten werden können. „Wichtig war uns dieses Mal, dass auch die langen Songs nicht langweilig werden, diese Gefahr besteht nämlich. Unsere Musik soll nicht nur spannend für uns zu spielen, sondern auch spannend für die Fans zu hören sein. Wir haben wieder viele schräge Sachen bewusst auf dem Album gelassen, damit es viele Überraschungen gibt.“

Mit dem neuen Material lassen sich bei Mother’s Cake jedenfalls wieder locker die Koffer packen. Die Wiener Release-Show findet erst im Februar statt, internationale Termine hat man über kurz oder lang ohnehin immer im Visier. „Wenn man englischsprachige Musik macht, tut man sich dahingehend natürlich leichter. Wir wollen nie nur den deutschsprachigen Raum bespielen, sondern immer weiter raus. Wir haben uns sehr früh darauf konzentriert und es hat auch funktioniert.“ Welche interessanten Erkenntnisse hat man daraus gewonnen? Etwa, dass das deutsche Städtchen Ulm gefährlicher ist als die gefürchtete südafrikanische Metropole Kapstadt. „Dort haben sie uns die Fensterscheibe eingeschlagen, und eine Geldtasche gestohlen. Noch unnötiger war ein Einbruch in unser Auto in Hamburg – da haben dann das Navigationsgerät und eine Leberkäsesemmel gefehlt.“ Deutschland, ein gefährliches Pflaster.

Krismer im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Fröwein im Wiener Café Dommayer.
Krismer im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Fröwein im Wiener Café Dommayer.(Bild: Eva Manhart)

Tourtermine in ganz Österreich
Neben dem 40er hat Krismer mittlerweile auch seine Vaterpflichten angetreten. Auch das sorgte für eine Zäsur in seinem lange extrem freien Leben. „Das Zeitmanagement ist ein Wahnsinn. Das merkst du erst, wenn du selbst Kinder hast. Man muss sich sehr genau die Zeitfenster einteilen, wo man Musik macht oder irgendwas, das dazugehört. Die neuen Rock’n’Roll-Zeiten sind dann, wenn die Kinder schlafen oder im Kindergarten sind“, lacht er, „man arbeitet dadurch wesentlich fokussierter und es fühlt sich mehr wie ein normaler Job an.“ Heute Abend spielt man noch die zweite Release-Show im Innsbrucker Treibhaus, weiter geht es im November. Am 18. November sind sie im Salzburger Rockhouse, am 19. November im Alten Schlachthof in Wels, am 20. November im Fritz Club in Klagenfurt, am 21. November in der Kulturfabrik in Kufstein und dann am 12. Februar 2027 in der Wiener Arena. Unter www.oeticket.com finden Sie alle Termine und Infos zu den einzelnen Konzerten.

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