„Mutig angehen“

Zwischen Sex und Ehe-Ideal: Papst räumt Kluft ein

Ausland
08.10.2026 08:51
Porträt von krone.at
Von krone.at

In einer Rede hat Papst Leo XIV. eine Kluft zwischen der Art, wie Sexualität gelebt wird und der katholischen Vorstellung der Ehe eingeräumt. Er rief daher die Bischöfe dazu auf, die Seelsorge für Paare und Familien weiterzuentwickeln.

Dabei sollten sie auch Fragen „mutig angehen“, die sich aus dem Scheitern von Familienmodellen sowie aus aktuellen Veränderungen in den Bereichen Intimität und Sexualität ergeben. Der Papst äußerte sich am Mittwoch im Vatikan zu Beginn einer einwöchigen Versammlung der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen sowie der Spitzen katholischer Ostkirchen.

„Wachsende Kluft“
„Wir können gewiss viel von den Familien lernen. Ihr Leben stellt uns außerdem vor Fragen, die es verdienen, mutig angegangen zu werden. In vielen Kontexten hat sich eine wachsende Kluft zwischen der Art und Weise, wie Sexualität und Intimität gelebt werden, und der christlichen Sicht der Ehe aufgetan“, so das Oberhaupt der katholischen Kirche vor rund 120 versammelten Bischofskonferenz-Vorsitzenden sowie Vertretern aus Familien. Aus Österreich nimmt der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Salzburger Erzbischof Franz Lackner an den Beratungen teil.

Setzt Werk des Vorgängers fort
Anlass ist der Jahrestag des Schreibens „Amoris laetitia“ (Freude der Liebe) von Papst Franziskus. Darin hatte Leos Vorgänger eine vorsichtige Öffnung des Umgangs der katholischen Kirche mit Menschen befürwortet, die nach einer Scheidung erneut eine Zivilehe eingegangen sind. Konservative Kardinäle und Bischöfe hatten das damals scharf kritisiert.

Leo lobte den Text jetzt aber als „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg, den die Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren gewiesen habe. Damals wurde die Bedeutung von Ehe und Familie betont, während wichtige Fragen der Ehe- und Sexualmoral ausgeklammert wurden. 

Neuer Umgang mit Geschiedenen
Der Papst warb auch für einen anderen Umgang mit Geschiedenen. Erfahrungen von „scheinbarem Scheitern“ seien ernstzunehmen. „Die Erfahrung der Zerbrechlichkeit wirft die Frage auf, ob wir fähig sind, einander nahe zu bleiben, wenn das Leben nicht mehr dem entspricht, was man sich erhofft hatte, und ob wir das Wirken der Gnade auch in Situationen erkennen können, die von Grenzen, Wunden und scheinbarem Scheitern geprägt sind“, sagte er.

Aus Österreich nimmt Erzbischof Lackner an den Beratungen teil.
Aus Österreich nimmt Erzbischof Lackner an den Beratungen teil.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Der Papst rief die Bischöfe auf, die neuen Realitäten nicht nur zu deuten, sondern sich „von ihnen herausfordern zu lassen und unsere pastorale Verantwortung daraus zu motivieren, damit die Kirche neue Wege findet, das Evangelium zu verkünden, sakramentale Gnaden zu spenden und Familien zu begleiten“.

Die Beratungen der Versammlung zu den Themen Ehe und Familien werden in den kommenden Tagen an runden Tischen in der vatikanischen Audienzhalle stattfinden. Am Ende der Beratungen steht ein zusammenfassender Bericht, der an Papst Leo XIV. übergeben wird. 

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