Einst spielte sie die brave Trude in „Die Wilden Hühner“, heute sorgt Zsá Zsá mit frechen Texten, provokanten Zeilen und jeder Menge Selbstbewusstsein für Aufsehen. Mit ihrem neuen Mini-Album „girl whatever“ zeigt die 31-Jährige, was sie draufhat. Doch reicht das auch für den großen musikalischen Wurf? Wir haben uns ihr zweites Werk mal genauer angehört.
„Er will meine Bestie klären, Baby, nicht im Traum. Stell dich hinten in die Schlange mit den anderen Clowns.“ Spätestens seit diesen Zeilen dürften nicht nur viele aus der Generation Z, sondern auch einige aus den älteren Semestern schon einmal von Zsá Zsá gehört haben. Die 31-Jährige, die mit bürgerlichem Namen Inci Bürkle heißt, bezeichnet ihre Musik selbst als „Hyperrap“ – irgendwo zwischen Ikkimel und Ski Aggu. Provokant, frech, ziemlich direkt und definitiv nichts für empfindliche Ohren.
Dabei war die Musikwelt nicht immer ihr Zuhause. Wer ein paar Jährchen zurückblickt und ihren bürgerlichen Namen googelt, stößt nämlich auf eine ganze Reihe von Filmen und Serien. Einer ihrer wohl bekanntesten Auftritte war in der Jugendfilmreihe „Die Wilden Hühner“. Dort spielte Bürkle die tollpatschige Trude, das Teenagermädchen mit dem großen Herzen, das irgendwie jeder gemocht hat. Von diesem braven Mädchen ist heute allerdings nicht mehr viel übrig. Stattdessen zählt Zsá Zsá mittlerweile neben Ikkimel, Katja Krasavice und Co. zu den provokanteren Stimmen im deutschsprachigen Frauen-Rap. Und sie weiß offenbar ganz genau, was sie will. Am 2. Oktober erschien ihr zweites Mini-Werk „girl whatever“, das acht Tracks umfasst und musikalisch an ihren Vorgänger „Thirst Trap“ anknüpft. Knapp 16 Minuten dauert das ganze Spektakel. Ob das ausreicht, um musikalisch zu überzeugen?
Viel Selbstbewusstein und noch mehr Bling Bling
Schon einen Tag vor der Veröffentlichung lieferte die Rapperin mit dem Video zu „purr“ einen Vorgeschmack darauf, was die Fans erwartet. Und eines wird sofort klar: An Selbstbewusstsein mangelt es der Musikerin definitiv nicht. Im knappen neongrünen Bikini tanzt und räkelt sie sich vor einem SUV, während sie in gewohnter Manier davon rappt, dass ihr ihre beste Freundin ohnehin wichtiger ist als irgendein Mann.
Auch „pretty kitty“ schlägt in dieselbe Kerbe. Hier geht es einmal mehr darum, wie großartig, cool und vor allem unantastbar Zsá Zsá ist. Sie bezeichnet sich selbst als „Bad Bitch“ und lässt keinen Zweifel daran, wer ihrer Meinung nach die Krone trägt. Raptechnisch ist die Nummer durchaus gelungen: Das Tempo ist hoch, der Flow sitzt und die Zeilen kommen stellenweise beinahe im Stakkato daher. Inhaltlich bleibt es allerdings bei einer weiteren Portion Selbstbeweihräucherung.
Mit „angel eyes“ wird es musikalisch noch einmal etwas flotter. Vor allem die eingängige Hook erinnert an den elektronischen Dance-Sound der 90er-Jahre, gemischt mit einer ordentlichen Portion Hyper Hyper. Wer allerdings genauer hinhört, entdeckt hinter den schnellen Beats einen kleinen Herzschmerz-Song. Denn zwischen all dem Selbstbewusstsein geht es plötzlich auch um Verletzlichkeit, enttäuschte Gefühle und die Liebe. Verpackt wird das Ganze in durchaus raffinierte Zeilen, in denen sogar ein Butterflymesser als Metapher für ein gebrochenes Herz herhalten muss. Eine ziemlich schräge, aber irgendwie auch kreative Mischung aus Retro-Charme und Liebeskummer.
Von Prada bis zur Birkin-Bag
Bei „prada cups“ geht es zunächst wieder zurück zum typischen Girlie-Rap. Es ist zwar nicht ganz so vulgär wie manch andere Nummer, dafür aber trotzdem provokant. Zwischen Luxus, Rausch und Liebe wird einmal mehr das wilde Leben gefeiert.
Apropos Luxus: Mit „birkin“ widmet Zsá Zsá sogar einer der wohl begehrtesten Handtaschen der Welt einen eigenen Song. Schließlich träumen viele Frauen von einer Birkin-Bag. Warum der sündhaft teuren Tasche also nicht gleich musikalisch ein Denkmal setzen? Der Track geht stärker in Richtung klassischen Hip-Hop, bleibt dabei aber dem gewohnten Zsá-Zsá-Kosmos treu.
Mit „mvp“ und „pink“ geht es ähnlich weiter. Vor allem Letzterer schlägt textlich wieder etwas derbere Töne an. Große Überraschungen bleiben musikalisch allerdings aus. Dafür funktionieren die Beats, die Melodien gehen schnell ins Ohr und auch die Texte lassen sich nach wenigen Durchläufen problemlos mitrappen. Überhaupt ist das eine der größten Stärken des Mini-Albums: Die Songs sind kurz, direkt und machen es einem nicht besonders schwer, sie im Kopf zu behalten. Die meisten dauern gerade einmal rund zwei Minuten. Ob man allerdings jede dieser Nummern dort auch dauerhaft haben möchte, ist wieder eine andere Frage. Mit „wassermann“ endet es schließlich etwas ruhiger. Schon der Klaviereinstieg sorgt für einen Kontrast zu den zuvor dominierenden Beats. Nach all dem musikalischen Bling-Bling tut dieser etwas zurückgenommene Abschluss durchaus gut und zeigt zumindest, dass Zsá Zsá nicht immer nur auf Vollgas setzen muss.
Was bleibt also nach knapp 16 Minuten „girl whatever“? Für die Generation Z vermutlich genau das, was sie sich von Zsá Zsá erwartet: schnelle Beats, jede Menge Selbstbewusstsein, provokante Texte und mehrere Ohrwürmer, die sich bereits nach dem ersten Hören festsetzen. Dass die 31-Jährige rappen kann, steht dabei außer Frage. Ihr Flow ist gut, ihre Stimme hat Wiedererkennungswert und sie versteht es, ihre Songs mit ordentlich Attitüde zu verkaufen. Musikalisch fehlt es auf Dauer allerdings etwas an Abwechslung. Vieles klingt ähnlich, thematisch dreht sich das meiste um Luxus, Männer, Freundinnen und die eigene Großartigkeit. Und ob man sich diese Musik tatsächlich jeden Tag anhören möchte? Eher nicht. Ähnlich wie bei Ikkimel, Katja Krasavice und Co. funktionieren diese Songs wohl am besten auf einer Party oder zwischendurch, wenn die Stimmung passt. Für die Dauerschleife sind sie zumindest nicht jedermanns Sache.
Ob man die Titel auch unbedingt gemeinsam mit seinen Teenagerkindern hören möchte, sei ebenfalls dahingestellt. Spätestens wenn Fragen auftauchen, was denn eigentlich „Lean“ oder ein paar „M´s“ bedeutet, könnte es für manche Eltern etwas unangenehm werden. Andere wiederum würden sagen: Es ist eben Musik. Und Kunst darf schließlich auch provozieren. Eines muss man Bürkle jedenfalls lassen: Die Verwandlung vom braven Teenagermädchen Trude zur selbstbewussten Rap-Rebellin ist ihr wahrlich gelungen. Mit ihrem früheren Image hat die Musikerin heute nicht mehr viel gemeinsam. Und offensichtlich möchte sie das auch gar nicht!
Live kann man die ehemalige „Wilde Hühner“-Darstellerin am 24. Oktober im Wiener Flex erleben (Tickets: www.oeticket.com). Dort möchte Zsa Zsa ihre Rap-Skills auch vor ihren Fans unter Beweis stellen.
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