Wegen „Landesverrat“

Ex-Spionagechef in Deutschland verhaftet

Außenpolitik
06.10.2026 10:19
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde der ehemalige BND-Chef August Hanning wegen Spionageverdachts verhaftet. Der 80-Jährige war von 1998 bis 2005 Chef des Bundesnachrichtendienstes. Ermittler kamen dem Spitzenbeamten offenbar zufällig auf die Spur.

Dem Vernehmen nach hat die Bundesanwaltschaft den früheren BND-Präsidenten am Morgen verhaften lassen. Der Zugriff erfolgte an Hannings Wohnort im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen durch Spezialkräfte der Polizei, berichtet etwa der „Spiegel“. Sein ehemaliger Büroleiter sei ebenfalls verhaftet worden.

Verdacht der Spionage
Der schwerwiegende Vorwurf lautet: landesverräterische Ausspähung und das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen. Ferner werde dem ehemaligen Spitzenbeamten versuchter Landesverrat sowie geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen.

Den Ermittlungen zufolge soll sich Hanning nach dem Ende seiner Beamtenkarriere über Jahre illegal geheime BND-Informationen verschafft und weitergegeben haben.

Hanning soll geheime Kanäle für finanzielle Zwecke missbraucht haben.
Hanning soll geheime Kanäle für finanzielle Zwecke missbraucht haben.(Bild: APA/dpa/Michael Kappeler)

Hanning soll der „Bild“ zufolge von einem ehemaligen Mitarbeiter des Leitungsstabs des BND die sensiblen Daten gekauft haben. Diese wollte er „im Rahmen seiner Beratungstätigkeit weiter veräußern“. Die Ermittlungen führt der Generalbundesanwalt gegen beide Tatverdächtige.

Mindestens in einem Fall soll Hanning nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Erkenntnisse genutzt haben, um eine Analyse für einen „Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparats“ zu erstellen.

Es wurde betont, dass es sich dabei nicht um Russland handelte. Für welche fremde Macht dieser Mann tätig war, blieb zunächst unklar. Ob die Übermittlung der Analyse an den Geheimdienstmann tatsächlich stattfand, ist Gegenstand laufender Ermittlungen.

Aufgeflogen sei das Ganze, weil Hannings Name im Fall Block auftauchte. Der wohl bekannteste Sorgerechtsstreit Deutschlands gipfelte in einer gewaltsamen Entführung der beiden jüngsten gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 aus Dänemark nach Deutschland.

Zufallsfund bei Razzia
Hanning geriet in den Verdacht, an einem möglichen früheren Entführungsversuch der beiden Block-Kinder beteiligt gewesen zu sein, was der Ex-BND-Chef bestreitet. Wie der „Spiegel“ erfuhr, stießen Fahnder im vergangenen Jahr während der Razzia bei Hanning im Fall Block offenbar auf die brisanten BND-Daten und leiteten weitere Schritte ein.

Die Verhaftung eines früheren BND-Präsidenten ist in der Kriminalgeschichte Deutschlands beispiellos. Im Fall einer Verurteilung wegen landesverräterischer Ausspähung drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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