Schwere Schicksalsschläge änderten für Stefanie Tuider alles. Mit 39 Jahren gibt die Oberwarterin nach 20 Jahren ihren Job auf und startet mit einem eigenen Reisebüro neu.
Mit 18 Jahren und 200 Euro in der Tasche trampte Stefanie Tuider drei Wochen durch Frankreich. Nach einem Französischkurs in Montpellier hielt es die Oberwarterin nur eine Woche daheim aus, ehe sie mit Zelt und Schlafsack von Marseille Richtung Monaco aufbrach. „Ich wollte raus, die Welt sehen, andere Menschen und Kulturen kennenlernen“, erzählt die heute 39-Jährige. Ein Jahr später lebte sie auf Mallorca und jobbte im Megapark und in einer Parfümerie.
Vier Jobs und 50 Arbeitsstunden pro Woche
Zurück im Burgenland bekam sie Tochter Elena, baute ein Haus und arbeitete in der Buchhaltung. Drei Jahre lang war sie alleinerziehend, zeitweise mit vier Jobs und mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche. „Da ging es nicht um Träume, sondern ums Funktionieren.“

Für Reisen wurde trotzdem gespart. Erst erkundete sie mit Elena Europa, später mit Partner Manni und Sohn Ben. Selbst während der Karenz ging es beinahe jeden Monat irgendwohin. „Die Leute fragten, warum ich mir das mit einem kleinen Kind antue. Ich fragte mich: Warum sollte ich es nicht tun?“
Schicksalsschläge änderten alles
Flüge, Hotels, Preise, Routen und Ausflüge plante sie immer selbst. „Ich beschäftige mich ständig mit genau dem, was andere beruflich machen.“ 2020 begann Tuider deshalb eine Ausbildung in der Reisebranche, doch Corona legte den Tourismus lahm.
Kanaren: 20 bis 25 Grad, Sonne und vergleichsweise kurze Flugzeit. Ideal für Strandspaziergänge und eine Auszeit im Warmen.
Ägypten: Bei 22 bis 27 Grad warten All-inclusive, Sonne und das Rote Meer – besonders beliebt zum Schnorcheln und Tauchen.
Kap Verde: 24 bis 28 Grad, viel Sonne und eine frische Atlantikbrise. Eine Mischung aus Badeurlaub, Natur und Abenteuer.
Thailand: Bei 28 bis 32 Grad treffen Traumstrände auf Tempel, quirlige Städte und jede Menge Kultur.
Finnisch-Lappland: Ihr Tipp für alle, die den Winter lieber richtig auskosten: Schnee, Huskysafaris und mit etwas Glück Polarlichter.
Den endgültigen Anstoß gab das vergangene Jahr: Ihre Mutter erlitt einen Schlaganfall, Partner Manni erkrankte an Krebs, dazu kamen Kinder, Haus, Tiere und Beruf. „Ich habe funktioniert, bis es nicht mehr gegangen ist.“ Im Dezember stand fest, dass sie nicht zurückkehren würde. „Wir verbringen so viel Zeit damit, auf irgendwann zu warten.“
Der perfekte Urlaub
Nach 20 Jahren als Steuerfachfrau zog sie die Reißleine: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Tuider absolvierte die Konzessionsprüfung und gründete „LET’S TRAVEL by Steffi“. Rund 120 Veranstalter kann sie über ihr mobiles Reisebüro buchen, beraten wird persönlich und online. „Wenn jemand um zwei Uhr nachts am Flughafen steht und ein Problem hat, möchte ich helfen können.“ Erlebt hat sie selbst genug. Im Kosovo fand die Familie einen ausgesetzten Welpen. Weil er wegen der Quarantäne nicht gleich mit durfte, fuhr Tuider später noch einmal mit dem Auto über Serbien zurück und holte ihn ins Burgenland.
Ohne Pizza Margherita kein Urlaub
In Bangkok nahm sie um zwei Uhr früh ein Motorbike-Taxi zum nächsten 7-Eleven – für Collagen-Sachets. „Das war eine meiner geilsten Aktionen“, lacht sie. Fünf-Sterne-Pauschalurlaub ist nicht ihre Sache, sie will Menschen und Kulturen kennenlernen. Eine Tradition gilt dennoch überall: „Es gibt keine Reise ohne Pizza Margherita.“ Fast ganz Europa hat die 39-Jährige mittlerweile bereist, nur Island fehlt. Dorthin möchte sie mit ihrem Mann, doch die beiden finden keinen gemeinsamen Termin. Vorerst geht es nach Singapur.
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