Unzufriedenheit im Job? Das kennen viele. Die „Salzburg Krone“ hat mit vier Menschen gesprochen, denen es ähnlich erging. Sie haben mitten im Berufsleben jedoch den Umstieg gewagt und noch einmal von Vorn begonnen.
„Ich war todunglücklich in meinem alten Job“, erinnert sich Kosmetikerin Julia Cinar. Die 29-Jährige war jahrelang Assistentin in einer Steuerberaterkanzlei. „Es war total langweilig. Also habe ich in meiner Freizeit mit Schulungen im Beauty-Bereich angefangen.“ Ein Jahr lang behandelte Julia an ihren Feierabenden Frauen. „90 Stunden die Woche habe ich gearbeitet, bis ich kurz vorm Burnout stand“, so die heute Selbstständige. Dann packte sie den Mut und kündigte den Bürojob. Seit acht Jahren betreibt sie jetzt ihr Studio.
Einen untypischen Branchenwechsel durchlebte Elektriker Florian Lehmann. Er arbeitete jahrzehntelang im Marketing. „In der Branche haben viele eine Ellbogen-Mentalität. Und ich konnte nie völlig abschalten.“
Vom Büro zum Elektriker: „Hab’s einfach probiert“
In seiner Freizeit reparierte er Fahrräder, sanierte Häuser oder tüftelte an Autos. Ende 2025 zog er den Schlussstrich im Job. Er bewarb sich als Quereinsteiger bei einem Elektriker. „Ich wusste nicht, ob ich die Arbeit körperlich tatsächlich Vollzeit schaffe. Aber ich hab’s einfach probiert.“
Physisch überlastet fühlte sich hingegen Kellnerin Melanie Netzker: „Ich hielt die Rückenschmerzen nicht mehr aus. Mit 42 Jahren wollte ich raus aus dem Service“, blickt die Lungauerin zurück. Sie wechselte in den Sozialbereich.
Spitzenkoch macht Schluss mit der Gastro
Ihre neuen Chefs überrumpelten die Helferin in der Anfangszeit mit einem Angebot: „Sie sahen das Potenzial in mir, die administrative Leitung des Seniorenheims zu übernehmen“, erzählt Melanie. „Anfangs habe ich mir das nicht zugetraut.“ Sie nahm das Angebot trotzdem an. „Die Umschulung war hart. Aber es war der Reiz des Neuen, der mich angetrieben hat.“
Schluss mit der Gastronomie macht Spitzenkoch Martin Kilga nach 28 Jahren. Ende März schließt er sein Restaurant Paradoxon im Salzburger Stadtteil Nonntal. „Koch ist einer der schönsten Berufe der Welt. Jetzt brauche ich einen Neustart. Etwas, das mich kitzelt“, sagt er. „Am liebsten würde ich eine Einrichtung für Kinder schaffen. Sie soll ganztags geöffnet sein, auch am Wochenende.“ Dort soll mit den Kleinen gebacken, gekocht, gemalt oder etwa musiziert werden, schwärmt der zweifache Vater. „Das würde ich auf Vereinsbasis gerne versuchen.“ Zunächst steht Martin noch das Zusperren bevor. „Tränen sind schon geflossen. Es muss bisserl wehtun. .“
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