„Krone“-Kommentar

Eine Politik, die am Wähler immer mehr vorbeigeht

Tirol
04.10.2026 07:00

Dass die FPÖ in den Umfragen so stark ist, hängt weniger mit deren Stärke als mit den Schwächen der anderen zusammen. Das glaubt zumindest Markus Gassler, Chef vom Dienst beider „Tiroler Krone“.

Tirol, Herbst 2026. In einem Jahr werden die politischen Karten Tirols bereits neu gemischt sein. Wer die Nase vorn haben wird, ist offen. Aber es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ÖVP und FPÖ. Um Platz 1. Und eines zwischen SPÖ, Grüne, Neos und Liste Fritz um Platz 3.

Wasser auf die blauen Mühlen
Dass der Wahlkampf bereits begonnen hat, sieht man nicht nur an grünen Plakaten und klassenkämpferischen SPÖ-Pressekonferenzen, sondern auch am rauer werdenden Ton im Landtag. Der Ausritt von Gebi Mair bei der letzten Sitzung spricht Bände. In den knapp 30 Jahren, in denen ich nun schon die Tiroler Landespolitik intensiv verfolge, ist mir bisher noch nichts Vergleichbares untergekommen. Die grünen Attacken sind natürlich Wasser auf die blauen Mühlen. Mit derartigen Angriffen gewinnt Mair sicher keine einzige Stimme. Im Gegensatz zu den Blauen: Die blauen Wähler sehen sich einmal mehr bestätigt.

Dass die Blauen in den Umfragen immer stärker werden, hängt aber in erster Linie nicht damit zusammen, dass sie gut sind, sondern weil die anderen so schlecht sind. Wobei man sich nicht wundern muss: Die Roten sind seit Monaten mit sich selbst beschäftigt (Stichwort Babler und Dornauer) und die Schwarzen haben im Umgang mit den Wählern auch alles andere als ein glückliches Händchen: Stichwort Fernpass-Paket, Einheimischen-Tarife, der Umgang mit Ex-Sicherheits-Landesrätin Astrid Mair sowie das MCI-Neubau-Dilemma. Für immer mehr Wählerinnen und Wähler ist das eine Politik, die am Wähler vorbeigeht. Sie fühlen sich nicht mehr verstanden. Das alles sollte man ernst nehmen – und zwar bevor es zu spät ist. Die ÖVP muss nämlich schön langsam aufpassen, dass sie nicht dasselbe Schicksal wie die CDU in Deutschland erlebt.

Da kann man sich nur mehr auf den Kopf greifen
Natürlich komplett entbehrlich sind Auftritte wie jene des VP-nahen Landwirten auf dem Münchner Oktoberfest. Wie lächerlich ist es, als Österreicher einem (gebürtigen) Deutschen in dessen Heimatland zu sagen, dass er hier nicht zu Hause ist. Da kann man sich nur mehr auf den Kopf greifen. Dass er sich entschuldigt hat, spricht für ihn. Und dass er nicht mehr ganz nüchtern war, sah man ohnedies. Gut ist auch, dass sich die ÖVP von ihm und seinen Aussagen distanziert hat.

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