Was wenige Wochen zuvor in Ungarn für Aufsehen gesorgt hatte, sollte sich offenbar auch in Österreich wiederholen: Der jüngere Bruder des damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán soll versucht haben, einen weiteren Geldtransport für die Ukraine stoppen zu lassen. Dafür wandte sich Áron Orbán laut dem ungarischen Onlinemedium 444.hu an einen Grazer Unternehmer – der stattdessen die österreichischen Staatsschützer informierte.
Konkret soll Áron Orbán am 26. März per Messenger Kontakt zu dem im Finanzsektor tätigen Grazer mit ungarischen Wurzeln aufgenommen haben. Er habe gefragt, ob dieser Einfluss habe und einen solchen Stopp „organisieren“ könne, schilderte der Unternehmer. Er bestätigte damit die Darstellung von 444.hu, die sich auf Chatnachrichten stützt.
Der Grazer wollte auf die Bitte nicht eingehen. Stattdessen informierte er nach eigenen Angaben einen ungarisch-stämmigen Grazer ÖVP-Gemeinderat über den Kontakt und wandte sich an die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Von dort habe er allerdings lediglich eine automatische Eingangsbestätigung erhalten. Eine weitere Rückmeldung sei nicht erfolgt.
Was wusste Orbáns Bruder?
Unklar ist, woher Áron Orbán seine Informationen über mögliche weitere Geldtransporte hatte. In der WhatsApp-Kommunikation soll er geschrieben haben, dass neben ihm jemand sitze, der über Orte und Zeitpunkte einer nächsten Lieferung aus Österreich in die Ukraine genau Bescheid wisse. Diese Person könne dem Grazer bei Bedarf die entsprechenden Informationen geben.
Öffentlich bekannt waren solche Details zu diesem Zeitpunkt nicht. Die staatliche ukrainische Oschtschadbank hatte nach der Beschlagnahmung eines früheren Geldtransports lediglich mitgeteilt, künftig nicht mehr über Ungarn zu fahren. Über andere Routen machte sie keine Angaben.
Der Grazer Unternehmer bezeichnete Áron Orbán als „naiven Typen“, der im Schatten seines Bruders aufgewachsen sei. Gleichzeitig ging er nicht davon aus, dass dieser formal im Auftrag des ungarischen Staates gehandelt habe. Für ihn sei der Vorgang allerdings ein Beispiel dafür, wie die wenige Wochen zuvor erfolgte Beschlagnahmung des Geldtransports in Ungarn organisiert worden sein könnte.
74 Millionen Dollar und Euro beschlagnahmt
Bei dieser Aktion hatten ungarische Behörden Anfang März einen Geldtransporter der staatlichen ukrainischen Oschtschadbank gestoppt. Darin befanden sich laut den Angaben 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold. Das Geld sollte in einem branchenüblichen Vorgang von der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien in die Ukraine gebracht werden.
Die ungarischen Behörden begründeten die Beschlagnahmung mit einem Geldwäscheverdacht. Nach der Abwahl von Orbáns Fidesz-Partei bei der Parlamentswahl am 12. April wurde das Ermittlungsverfahren jedoch mangels Tatverdachts eingestellt. Anfang Mai wurden die beschlagnahmten Werte wieder an die Ukraine übergeben.
Der Fall hatte bereits zuvor für Spannungen zwischen Kiew und Budapest gesorgt und auch die österreichische Innenpolitik beschäftigt. Die FPÖ hatte eine parlamentarische Anfrage an die für Bankgeschäfte nicht zuständige Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) gerichtet und dabei von einem „nächsten Ukraine-Skandal mit Österreich-Bezug“ gesprochen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.