Benko-Krise hallt nach

12.000 Jobs wackeln: Galeria schon wieder pleite

Ausland
02.10.2026 10:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die deutsche Warenhauskette Galeria steht erneut vor einer ungewissen Zukunft. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Für die rund 12.000 Beschäftigten beginnt damit erneut das Bangen um ihre Arbeitsplätze – auch mögliche Filialschließungen stehen im Raum

Der Geschäftsbetrieb in den 83 Warenhäusern soll zunächst weiterlaufen. Galeria erklärte, der Insolvenzantrag solle den rechtlichen Rahmen schaffen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Zu den konkreten Hintergründen machte die Warenhauskette zunächst keine weiteren Angaben.

Vierte Insolvenz binnen sechs Jahren
Für Galeria ist es bereits der vierte Insolvenzantrag seit 2020. Schon 2020, 2022 und 2024 hatte die Warenhauskette Insolvenzverfahren durchlaufen. Zahlreiche Standorte wurden in der Folge geschlossen. Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um dem Unternehmen einen Neustart zu ermöglichen.

Galeria gehört seit 2024 neuen Eigentümern: Zuvor hatte die Signa-Krise den Warenhauskonzern in ...
Galeria gehört seit 2024 neuen Eigentümern: Zuvor hatte die Signa-Krise den Warenhauskonzern in die Insolvenz geführt.(Bild: EPA/MAURITZ ANTIN)

Besonders eng ist die jüngste Krise mit dem Zusammenbruch des Signa-Konzerns des österreichischen Investors René Benko verbunden. Die damalige Schieflage der Signa-Gruppe war der Auslöser für das Insolvenzverfahren von Galeria im Jahr 2024. Damals firmierte die Warenhauskette noch als Galeria Karstadt Kaufhof.

Im Zuge dieses Verfahrens mussten neun der damals 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden aus dem Firmennamen, außerdem wurde der Unternehmenssitz von Essen nach Düsseldorf verlegt.

Mietzahlungen sorgten für neue Probleme
Doch auch nach dem Eigentümerwechsel kehrte keine dauerhafte Ruhe ein. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um Stundungen gebeten zu haben.

Im Juni erhielt Galeria schließlich eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Damit sollten unter anderem ein laufender Kredit abgelöst und offene Mietzahlungen beglichen werden. Die Kreditlinie stellte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Als Sicherheit dient die Ware von Galeria. Zugleich ist die Finanzierung an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.

33 Standorte bereits auf dem Prüfstand
Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser genau zu überprüfen und mit den jeweiligen Vermietern über die Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der betroffenen Filialen gefährdet, hieß es damals. Sämtliche Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften.

Welche Standorte tatsächlich schließen müssen, war zuletzt noch offen. Auch ob und in welcher Form die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten, ist bislang unklar.

Umsatz seit 2019 mehr als halbiert
Wie schwierig die Lage für klassische Warenhäuser ist, zeigen auch die Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen noch einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria mit weniger als der Hälfte der damaligen Standorte laut EHI nur noch rund zwei Milliarden Euro um.

Auch insgesamt hat die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im deutschen Einzelhandel deutlich abgenommen. Ihr Marktanteil sank laut EHI seit 2020 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben Galeria auch andere Handelsketten wie Müller und Woolworth enthalten.

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