Tödliche Tierseuche

Mutiertes Virus bringt heimische Feldhasen um

Wissen
30.09.2026 10:35
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine für Kaninchen tödliche Seuche, die neuerdings auch Feldhasen befällt, breitet sich in Europa aus. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung ist erstmals auch in Österreich ein Ausbruch von gefährlichen Myxomaviren dokumentiert worden. Betroffen waren Niederösterreich, das Burgenland und Wien.

„Viele Jäger sind des Hasen Tod“, sagt ein Sprichwort. Laut österreichischen Veterinärfachleuten könnte man das wohl auch für „viele Viren“, darunter nunmehr die sogenannten Myxomaviren, sagen. Myxomaviren (kurz MYXV) sind seit langem bekannt. Ursprünglich nannte man die Tierkrankheit auch „Kaninchenpest“. Hervorgerufen wird sie durch eine Art Pockenvirus, das ursprünglich vor allem Kaninchenbestände vernichtete. Für den Menschen sind die Erreger völlig ungefährlich.

In den 1950er-Jahren setzte man in Australien MYXV zur Bekämpfung von Wildkaninchen ein. Übertragen werden sie durch Insekten. 1952 wurden die Viren auch nach Frankreich eingeführt, um dort Kaninchenpopulationen zu verringern.

Doch solche Krankheitserreger können ein buchstäblich zweischneidiges Schwert darstellen, wie sich jetzt zeigt. Durch Mutationen können sie sich an neue Wirtsorganismen anpassen und Schaden anrichten, der weit über das ursprünglich Gedachte hinausgeht.

Mutierte und adaptierte Variante
„MYXV wurde in den 1950er-Jahren zur Kaninchenbekämpfung nach Europa und Australien eingeführt, wo es sich endemisch ausbreitete und genetische Anpassungen erfuhr. 2018 trat in Spanien eine neue rekombinante Variante (durch 110 Mutationen und andere Veränderungen charakterisiert und somit genetisch verändert; Anm.), das hasenadaptierte MYXV (ha-MYXV), auf, die zu einem signifikanten Rückgang der Populationen des Iberischen Feldhasen führte“, berichten jetzt Ulrike Auer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ihre Koautoren in der Fachzeitschrift „Transboundary Emerging Diseases“.

Erster belegter Ausbruch in Österreich
Bis zu der damals neuen Beobachtung in Spanien waren Infektionen mit dem Virus de facto „nur“ bei Kaninchen registriert worden. Ein Problem: Die Viren haben sich offenbar auch an die Feldhasen angepasst und sind dadurch für diese gefährlich geworden. In Nordspanien verbreitete sich der MYXV-Erreger im Jahr 2020. 2023 und 2024 wurde ha-MYXV im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gefunden.

Genau diese Entwicklung macht sich auch in Österreich bereits großflächig bemerkbar. „Diese Studie berichtet über den ersten Ausbruch von ha-MYXV in Österreich, der Feldhasen und Wildkaninchen 2025 schwer befiel. Zwischen März und November des Vorjahrs wurden 272 Hasen- und zwölf Kaninchenkadaver zur Untersuchung eingesandt.

Pathologische Untersuchungen zeigten bei 235 Feldhasen und zehn Wildkaninchen aus 89 heimischen Gemeinden charakteristische Schwellungen und Entzündungen im Bereich der Augen, der Nase und des Genitaltrakts, begleitet von histologischen Epithelveränderungen (Gewebeveränderungen; Anm.), die mit einer Pockenvirusinfektion vereinbar sind“, stellten die Fachleute fest.

Hoch pathogene Virusvariante breitet sich aus
Die genetischen Untersuchungen zeigten „eindeutig“ einen Zusammenhang mit der auch für die Feldhasen in den betroffenen Regionen hoch pathogenen Virusvariante. „Der Ausbruch breitete sich über Wien, Niederösterreich und das Burgenland aus, wobei Jäger von Hunderten weiteren, (offiziell) nicht gemeldeten Fällen berichteten“, heißt es in der Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit.

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