Hintergrund und Fakten

125. Nobelpreise: Eher männlich, jüngst politisch

Ausland
29.09.2026 11:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit 125 Jahren werden die prestigeträchtigen Nobelpreise vergeben. Auch heuer blickt man wieder gespannt auf die Entscheidungen der Jurys, wer sich ab 5. Oktober in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaft neu zur erlesenen Preisträgergruppe zählen darf.

Der spektakulärste Nachhall der Nobelpreis-Vergabe im Vorjahr hatte eher eine politische Dimension: Im Jänner schenkte Friedensnobelpreis-Trägerin María Corina Machado ihre Medaille symbolisch Donald Trump. Für den US-Präsidenten ein natürlicher Schritt: Er fand ohnehin, er hätte ihn verdient gehabt. Die Jury sah das anders und ehrte 2025 die venezolanische Oppositionsführerin.

Ob das die richtige Entscheidung war – da sind sich viele angesichts dieses Ausgangs nicht sicher. Kurz vor der diesjährigen Vergabe der Nobelpreise ab dem 5. Oktober steht die Frage im Raum: Was hat die Jury daraus gelernt – und wird das ihre Entscheidung diesmal beeinflussen?

2026 “weniger kontroverse Preisträger“ vermutet
Der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Haakon Gjerløw, glaubt, das Komitee werde heuer darauf achten, „welche ungünstige Wirkung der Preis haben könnte“ und sich für „weniger kontroverse Preisträger“ entscheiden. „Das könnte für jemanden sprechen, der im humanitären Bereich arbeitet.“

Die Infografik stellt das Thema Nobelpreis 1901 und dessen Geschichte, Bedeutung im Alltag, den Nominierungsprozess sowie den Bezug zu Österreich dar. Es werden Alfred Nobel, wichtige Erfindungen und Anwendungen wie Röntgenstrahlen und LED gezeigt. Die Verteilung der Nobelpreise verdeutlicht, dass bisher 927 Männer, 67 Frauen und 31 Organisationen ausgezeichnet wurden. Frauen erhielten vor allem den Friedensnobelpreis. Quelle: Nobel Prize Outreach.

„Reine Kaffeesatzleserei“
Zugleich sind die Entscheidungen der Nobeljurys jedes Mal aufs Neue schwer vorauszusagen. Das gilt nicht nur für die Kategorie Frieden, sondern insbesondere für den Literaturnobelpreis. „Es ist reine Kaffeesatzleserei, das muss man bei einigen hundert Schriftstellern, die infrage kommen, zugeben“, so Literaturkritiker Denis Scheck.

Die Schwedische Akademie, Hüter des Nobelgeheimnisses in dieser Kategorie, lässt sich nicht in die Karten schauen – und will sich auch von Proporz-Denken nicht leiten lassen. Gleichwohl sind zuletzt immer abwechselnd ein Mann und eine Frau ausgezeichnet worden – im vergangenen Jahr der Ungar László Krasznahorkai. 

Nur 67 Nobelpreisträgerinnen
Der Nobelpreis-Bilanz, könnte mancher meinen, wäre es zu wünschen, dass es 2026 eine Frau wird: Männer dominieren die Nobelgeschichte massiv. Nur 67 Frauen haben einen der begehrten Preise bekommen (Marie Curie wurde 1903 und 1911, also zweimal geehrt) – von fast 1000 Preisträgern.

Bewusst sind sich die Nobelinstitutionen des Problems. Doch gerade in den Naturwissenschaften schließt sich die Lücke nur langsam. In den Kategorien Physik und Chemie gab es seit der ersten Vergabe der Nobelpreise vor 125 Jahren jeweils weniger als zehn Preisträgerinnen. Den Wirtschaftspreis haben sogar nur drei Frauen bekommen. Den Medizinpreis, dessen Bekanntgabe den Nobelpreisreigen am 5. Oktober eröffnet, immerhin 14.

Für große Freude sorgten hierzulande zuletzt die Ehrungen für den ungarisch-österreichischen ...
Für große Freude sorgten hierzulande zuletzt die Ehrungen für den ungarisch-österreichischen Physiker Ferenc Krausc (2023) und den Austro-Physiker Anton Zeilinger (im Bild).(Bild: Mario Urbantschitsch)

Der Nobelpreis – eine Männerdomäne
Woran das liegt, machte der frühere Ständige Sekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Göran K. Hansson, schon 2017 in einem Interview fest: Nicht nur die historische Unterrepräsentation von Frauen in wissenschaftlichen Karrieren sei ausschlaggebend – oft werden die Preise für Entdeckungen und Erfindungen vergeben, die viele Jahrzehnte zurückliegen. Auch die Nominierenden waren lange überwiegend männlich.

Verkündung der Nobelpreisträger erstmals von Frau
Immerhin in einer Hinsicht wird der Nobelpreis definitiv weiblicher: An der Spitze der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die die Preise für Medizin (5.10.), Physik (6.10.), Chemie (7.10.) und Wirtschaftswissenschaften (12.10.) vergibt, steht seit Jänner die gebürtige Belgierin Ellen Moons. Das ist historisch, denn sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie 1739. Zum ersten Mal überhaupt werden die Nobelpreisträger in den drei Kategorien von einer Frau verkündet.

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