Diversion statt Strafe

Hüttengaudi ade: Bierkrug-Attacke beim Après-Ski

Vorarlberg
29.09.2026 18:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Ein Barbesuch in Riezlern endete für einen deutschen Urlauber mit einer Schnittwunde am Hals. Im Prozess am Landesgericht Feldkirch ging es um ein Bierglas und die Frage, ob der Angeklagte (27) damit bewusst zugeschlagen hat.

Drei Millimeter näher an der Halsschlagader und die massive Schnittverletzung am Hals eines 53-jährigen deutschen Urlaubers wäre vermutlich lebensbedrohlich gewesen. Ihren Anfang nahm die Geschichte Ende Jänner ausgerechnet dort, wo Menschen eigentlich eine gute Zeit verbringen wollen: in einer Apres-Ski-Bar in Riezlern. Am frühen Abend war zwischen dem 27-jährigen Angeklagten und dem späteren Opfer ein Streit ausgebrochen. Die Sache eskalierte, als der Jüngere zu einem 0,5-Liter-Bierkrug griff und damit seinen 53-jährigen Landsmann attackierte. Die Folge: eine zehn Zentimeter lange Schnittwunde an dessen Hals.

In Notwehr eine „Schutzposition“ eingenommen
Das Nachspiel dieser unliebsamen Urlaubsbegegnung gab es am Dienstag am Landesgericht Feldkirch. „Normalerweise sollte Urlaub in Österreich etwas Schönes sein“, so Staatsanwalt Richard Gschwenter zu Beginn der Verhandlung. Doch war es tatsächlich ein gezielter Schlag? Verteidiger Gabriel Prünster zeichnet ein anderes Bild und spricht von einem „tragischen Vorfall“. In der Bar sei es zu einem Gerangel gekommen, sein Mandant habe lediglich Abstand schaffen wollen. Er habe mit den Armen „gefuchtelt“ – fatalerweise mit einem Glas in der Hand. Der Angeklagte hätte seinen Gegner folglich nicht bewusst attackiert, sondern lediglich in Notwehr eine „Schutzposition“ eingenommen, argumentiert Prünster. Und auch die Annahme der Notärzte, dass es sich um zwei Schläge gehandelt habe, bestreitet die Verteidigung – aufgrund des Verletzungsmusters sei lediglich ein Hieb nachvollziehbar. Angesichts der diffusen Gemengelage plädiert die Verteidigung auf Freispruch, zumindest aber auf eine diversionelle Erledigung der Causa.

Entschuldigung im Gerichtssaal
Dass der Fall überhaupt vor Richterin Verena Wackerle landet, hat eine Vorgeschichte: Die Ermittlungen waren zunächst eingestellt worden. Das Opfer wehrte sich dagegen – mit Erfolg, das Landesgericht gab dem Antrag statt. Nun will Wackerle vor allem eines wissen: Übernimmt der Angeklagte Verantwortung für die Verletzung? „Ich wollte das nicht, aber es ist leider passiert“, sagt der beschuldigte Bierkrug-Schwinger. Damit ist der Weg für eine Diversion frei. Der Preis dafür: 2000 Euro sowie symbolische 100 Euro für das Opfer. Der 27-Jährige nimmt an und bezahlt noch im Gericht. Zudem entschuldigt er sich. Wackerle verabschiedet die aus Deutschland Angereisten mit einem Wunsch: Sie mögen trotz allem wieder nach Österreich kommen – aber nur, um Urlaub zu machen.

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