Neuer Jugendseelsorger

Über drei Kontinente bis nach Feldkirch

Vorarlberg
29.09.2026 15:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Mehr als 11.000 Kilometer liegen zwischen seiner Heimat im Nordosten Argentiniens und seinem heutigen Wirkungsort in Vorarlberg. Für den 35-jährigen Delfor Nerenberg war dieser weite Weg jedoch eine ganz bewusste Entscheidung. Seit einem Jahr ist der Steyler Missionar als Jugend- und Jungscharseelsorger im Ländle tätig.

Seinen Weg in den Ordensdienst begann Delfor Nerenberg im Jahr 2009. Die Ausbildung führte ihn durch verschiedene Stationen in Südamerika – von Córdoba über Paraguay bis nach Chile, wo er Theologie studierte. Bereits damals beschäftigte er sich intensiv mit den Fragen einer sich verändernden Kirche in einer zunehmend säkularen Welt.

Ein interkulturelles Praktikum brachte ihn 2017 erstmals nach Österreich. Ein Jahr lang war er in Bischofshofen in der Schule und der Pfarre im Einsatz. Die Eindrücke aus dieser Zeit prägten ihn so stark, dass er nach Abschluss seines Studiums den Entschluss fasste, als Missionar nach Österreich zurückzukehren.

2022 folgte schließlich der finale Schritt: Nach einer kurzen Zwischenstation in Wien zog es ihn auf Anfrage seines Provinzials nach Vorarlberg. Nach drei Jahren in Dornbirn arbeitet er heute als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast sowie als Jugend- und Jungscharseelsorger der Diözese.

Glaube als Sinnsuche und Gemeinschaft
Sein persönliches Verständnis von Glaube hat sich über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. War es in der Kindheit vor allem die Familie und in der Jugend die Gemeinschaft in Pfarre und Musikgruppen, die ihm Halt gaben, kam im Laufe der Zeit eine tiefere Dimension hinzu. „Jetzt denke ich, dass Glaube zwar viel mit Gemeinschaft zu tun hat, aber auch sehr viel mit dem Leben selbst – was wir suchen und was der Sinn des Lebens ist“, erklärt Delfor Nerenberg.

Zur Person

Delfor Nerenberg (35) wurde im Nordosten Argentiniens geboren und ist Mitglied der Steyler Missionare. Seine Ausbildung führte ihn über Córdoba, Paraguay und Chile, bevor er 2017 erstmals für ein interkulturelles Praktikum nach Österreich kam. Seit 2022 lebt er dauerhaft in Vorarlberg, zunächst drei Jahre in der Pfarrarbeit in Dornbirn, und seit einem Jahr als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast und Jugend- und Jungscharseelsorger für Vorarlberg. 

In seinen Begegnungen mit Jugendlichen geht es deshalb oft um die großen Lebensfragen: Nach Gott, der Auferstehung, aber auch um ganz persönliche Probleme und Zukunftsentscheidungen. Fertige Antworten möchte der 35-Jährige dabei bewusst nicht liefern. Sein Ansatz setzt auf Begleitung und echtes Zuhören. Es gehe darum, einfach präsent zu sein und den jungen Menschen das Gefühl zu geben, mit ihren Sorgen nicht allein zu sein.

Wunsch nach einer offenen Kirche
Für die Zukunft der Kirche hat Delfor Nerenberg eine klare Vision: Sie müsse noch viel stärker zuhören und wahrnehmen, was die Jugend tatsächlich benötigt. Auch wenn dieser Wunsch seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekannt sei, tue sich die Institution mit dem Aufbrechen alter Strukturen oft schwer. Dennoch bleibt der Seelsorger überzeugt: „Die Jugendlichen sind diejenigen, die die neue Kirche gestalten werden.“

Ein offenes Ohr am Marktplatz
Wer mit Delfor Nerenberg ins Gespräch kommen möchte, findet ihn regelmäßig im offenen Büro der Jungen Kirche Vorarlberg am Feldkircher Marktplatz 4 – etwa beim wöchentlichen Coworking (dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr), bei Feierabendmeditationen oder Veranstaltungen in St. Arbogast. Der Zugang ist niederschwellig, auch über Social Media. 

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