Geht es nach der Gesundheitsstudie der Wiener Städtischen Versicherung, fühlen wir uns psychisch und physisch grundsätzlich recht gut. Heftige Kritik üben die Befragten am Ärztemangel und an den Wartezeiten, während man eine Ambulanzgebühr befürwortet und immer mehr der Künstlichen Intelligenz vertraut.
1000 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren befragte das Gallup Institut heuer im Sommer im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung. Wie in allen Bereichen zeigt sich auch bei der Gesundheit, dass Künstliche Intelligenz unaufhaltbar auf dem Vormarsch ist. „KI wird zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen“, resümiert auch Städtische-Vorstandsdirektor Manuel Schalk die Online-Umfrage.
Mehrheit der Jungen vertraut der KI
Sechs von zehn Österreichern nutzten demnach bereits KI in Gesundheitsfragen. 66 Prozent etwa, um Symptome zu checken und Krankheiten zu „diagnostizieren“, 55 Prozent ließen sich schon komplizierte Befunde erklären, 39 Prozent verwendeten KI, um die richtigen Medikamente zu finden oder die Medikation zu checken. KI ist also in unserem Alltag angekommen – und wir vertrauen ihr weit mehr als gedacht. 38 Prozent empfinden KI bei Gesundheit als hilfreich, bei den Jungen (16 bis 35 Jahre) sind es sogar 53 Prozent.
KI wird zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Umso wichtiger ist es, Infos richtig einordnen zu können und KI als Ergänzung zu verstehen.

Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen
Bild: Ian Ehm
Noch glaubt Mehrheit eher dem eigenen Arzt
Interessant wird es bei der Frage, wem man denn nun mehr vertraue – dem Arzt oder der KI? Mit 52 Prozent glaubt immerhin noch eine Mehrheit auf jeden Fall eher dem Hausarzt, 30 Prozent eher dem Arzt. Doch 13 Prozent der Befragten gaben bereits an, eher der Künstlichen Intelligenz zu glauben als dem Mediziner. Männer und Jüngere setzen übrigens eher KI-Empfehlungen in Krankheitsfragen um als Frauen und Ältere.
Vor allem Fachärztemangel auf Kasse regt auf
Ein Grund könnte sein, dass immer weniger Österreicher zufrieden sind mit unserem Gesundheitssystem – nämlich nur noch 47 Prozent. 2022 lag jener Wert noch bei 56 Prozent. 55 Prozent sagen, es gebe nicht mehr genug Allgemeinmediziner auf Kasse, 71 Prozent sehen einen eklatanten Facharztmangel. Weitere Gründe für die Unzufriedenheit: lange Wartezeiten auf Termine. Ein Drittel gab an, im Schnitt länger als zwei Monate auf einen Facharzttermin zu warten.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Teil der Bevölkerung offen für neue Ansätze zur Steuerung von Patientenströmen ist – also etwa eine Ambulanzgebühr.
Manuel Schalk
Mehrheit spricht sich für Ambulanzgebühr aus
Eine natürliche Reaktion: Das Interesse an privater Gesundheitsvorsorge stieg bei 33 Prozent im vergangenen Jahr an. 60 Prozent der Jungen halten etwa eine private Krankenversicherung für wichtig – vor allem aufgrund der langen Wartezeiten und dem Mangel an Zeit, den Kassenärzte für ihre Patienten aufbringen können. 58 Prozent würden übrigens grundsätzlich eine Ambulanzgebühr für nicht notwendige Spitalsaufenthalte befürworten. Zu hoch dürfe jene jedoch nicht ausfallen.
Junge fühlen sich psychisch besser
Abschließend gibt es auch erfreuliche Nachrichten: Die Mehrheit der Österreicher fühlt sich körperlich (61 Prozent) und mental (62 Prozent) aktuell recht gut. 27 Prozent fühlen sich dennoch heute körperlich schlechter als vor einem Jahr, 19 Prozent leiden psychisch mehr. Bei den Jungen gibt es trotz aller Kriege, Krisen und wirtschaftlichen Problemen einen positiven Trend – 29 Prozent von ihnen geben an, ihre mentale Gesundheit habe sich im vergangenen Jahr verbessert.
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