Die ursprünglich in den Zuflüssen des Schwarzen Meeres verbreitete Quagga-Muschel erobert zunehmend die Alpenseen – mit schlimmen Folgen. Besonders stark betroffen ist der Bodensee, wie auch eine aktuelle Studie verdeutlicht.
Im Rahmen eines internationalen Projekts ist unter der Leitung des Schweizer Umweltwissenschaftlers Piet Spaak erhoben worden, wie weit die Invasion der Quagga-Muschel im Bodensee fortgeschritten ist. Die wichtigste Erkenntnis: Das Vordringen der eingeschleppten Art hat sich verlangsamt, es gebe kein exponentielles Wachstum mehr, so Spaak.
Das ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht: Denn bis zu einer Tiefe von 30 Metern sei der Seegrund bereits komplett von den Quaggas zugewachsen, in größeren Tiefen verlaufe die Ausbreitung schlicht nur deswegen langsamer, weil es dort zu kalt sei. „Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Muschel auch in tiefere Lagen weiter ausbreitet. So ist es in den großen nordamerikanischen Seen passiert“, sagt Spaak. Wie lange es dauert, bis auch die tiefste Stelle des Bodensees (250 Meter) Quagga-Territorium ist, lasse sich derzeit nicht seriös abschätzen: „Das wird unsere weitere Forschung zeigen.“
Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Muschel auch in tiefere Lagen weiter ausbreitet.
Piet Spaak, Umweltwissenschaftler
Muschel verursacht immense Schäden an Wasserleitungen
Die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt gravierend. Die Süßwassermuscheln vermehren sich ungebremst, verstopfen Wasserleitungen und Filter. Teure und aufwendige Reinigungen sind nötig, letztlich dürfte es mehrere Milliarden Euro kosten, die Infrastruktur „quaggasicher“ zu machen. Der Großteil der Investitionen wird am deutschen Bodenseeufer getätigt werden müssen – schließlich beziehen über fünf Millionen Menschen im süddeutschen Raum ihr Trinkwasser aus dem „Schwäbischen Meer“, realistische Alternativen gibt es keine.
In Vorarlberg, das selbst dem See kein Trinkwasser entzieht, leidet vor allem die Fischerei an der Invasion der Quaggas: Die Muscheln verändern nämlich die Nahrungskette im See, indem sie enorme Mengen Plankton aus dem Wasser filtern und Nährstoffe am Seegrund binden. Forscher suchen seit Jahren nach Wegen, die Ausbreitung auf natürliche Weise zu stoppen, etwa mit Hilfe muschelfressender Fische. Eine Lösung ist allerdings noch nicht gefunden, bis dahin kann sich die Art ungehindert ausbreiten.
Bald nur noch mit Badeschuhen in den Bodensee?
Auch Anker und Schiffsrümpfe sind vor den Quaggas längst nicht mehr sicher und müssen von den Bootseignern regelmäßig gereinigt werden – etliche Schweizer Kantone haben deshalb eine Bootreinigungspflicht eingeführt. Und nicht zuletzt bekommt man im Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Bodenseeregion, die Muschelplage zu spüren. Am Ufer sammeln sich massenhaft scharfkantige Schalen, an denen sich Badegäste die Füße aufschneiden können.
Sollte sich die Muschel so ausbreiten wie beispielsweise in Nordamerika beobachtet – in den Großen Seen machen die Quaggas mittlerweile zwischen 90 und 95 Prozent der gesamten Biomasse aus –, hätte dies dramatische Konsequenzen, sagte der Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen, Alexander Brinker: „Dann geht man wahrscheinlich nur noch mit Badeschuhen schwimmen, weil man sich sonst die Füße verletzt.“
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