Regelmäßig macht „Krone“-Kolumnist und Experte David Narr darauf aufmerksam, wo es bei der dualen Ausbildung noch Stolpersteine gibt. Im neuen Masterplan für die Tiroler Fachberufsschulen sieht er jedoch einen Schritt in die richtige Richtung.
Immer wieder muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, wo es bei der dualen Ausbildung hakt. Umso erfreulicher ist es, wenn es einmal in die richtige Richtung geht. Der neue Masterplan für die Tiroler Fachberufsschulen ist so ein Schritt. Bis 2035 sollen rund 200 Millionen Euro in Schulen und Schülerheime investiert werden.
Das ist notwendig – und, wenn wir ehrlich sind, in vielen Bereichen längst überfällig. Wer von einer modernen Lehre spricht, muss auch moderne Werkstätten, Unterrichtsräume und Unterkünfte bereitstellen. Ausbildungsbetriebe investieren laufend in Maschinen, Technik und neue Arbeitsweisen. Die schulische Seite der dualen Ausbildung muss dabei mithalten können.
Spezialisierte Standorte und Blockunterricht wurden bereits vor Jahren auf den Weg gebracht und funktionieren.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Kompetenzzentren sind grundsätzlich richtig
Auch die angekündigten Kompetenzzentren sind grundsätzlich richtig, auch wenn die Idee nicht neu ist. Spezialisierte Standorte und Blockunterricht wurden bereits vor Jahren auf den Weg gebracht und funktionieren. Umso wichtiger ist es, dieses Modell laufend weiterzuentwickeln und dort einzusetzen, wo eine Bündelung fachlich tatsächlich Sinn macht. Entscheidend darf nicht sein, eine neue Überschrift auf etwas Bestehendes zu kleben, sondern die Ausbildungsqualität weiter zu erhöhen.
Ähnlich sehe ich die geplante Clusterbildung bei Berufsschulen. Zusammenarbeit und Synergien sind sinnvoll. Ein Cluster darf aber kein Selbstzweck werden und auch nicht nur dazu dienen, bestehende Strukturen um jeden Preis abzusichern. Wir müssen immer zuerst fragen: Was ist für die Lehrlinge, die Ausbildungsbetriebe und die Qualität der Ausbildung die beste Lösung? Und bei aller berechtigten Aufmerksamkeit für die Fachberufsschulen dürfen wir eines nicht vergessen: Ihnen sind wichtige Zubringerschulen vorgelagert – allen voran die Polytechnischen Schulen.
Gute Berufsorientierung braucht die Möglichkeit, Berufe praktisch kennenzulernen und Dinge mit den eigenen Händen auszuprobieren.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Polys dürfen nicht vom Bildungsatlas verschwinden
Ich sage es immer und immer wieder: Die Polys dürfen nicht vom Bildungsatlas verschwinden. Gute Berufsorientierung braucht die Möglichkeit, Berufe praktisch kennenzulernen und Dinge mit den eigenen Händen auszuprobieren. Dafür sind entsprechende Räume, technische Ausstattung und gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen notwendig. Das kostet Geld – und diese Aufgabe müssen Land und Gemeinden gemeinsam stemmen.
Genauso endet berufliche Bildung nicht mit dem Lehrabschluss. Wer sich danach zur Meister- oder Befähigungsprüfung weiterentwickeln will, braucht ebenfalls gute Rahmenbedingungen und Unterstützung. Förderungen wie die update-Förderung des Landes sind deshalb ein wichtiger Teil einer durchgängigen Bildungsstrategie.
Am Ziel sind wir aber sicher noch lange nicht
Normalerweise versuche ich meine Kommentare – auch wenn sie kritisch ausfallen – mit einer guten Nachricht zu beenden. Diesmal spare ich mir die zusätzliche gute Nachricht. Der Masterplan selbst ist eine. Denn es ist erfreulich, wenn die duale Ausbildung jene Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Am Ziel sind wir damit noch nicht.
Aber jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt.
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