Kolumne von David Narr

Ohne die Betriebe gibt es keine Fachkräfte

Tirol
09.08.2026 18:00
Porträt von David Narr
Von David Narr

Dass die Fachberufslehre schon lange kein Randthema ist, ist bekannt. Ausbildungsbetriebe leisten dabei eine entscheidende Rolle. Tirols WK-Fachkräftekoordinator und „Krone“-Kolumnist David Narr nimmt dies in seiner Kolumne unter die Lupe.

Der erste Arbeitstag. Neue Umgebung, neue Menschen, vieles ist ungewohnt. Zum Glück ist da jemand, der sich Zeit nimmt, die Abläufe erklärt, die ersten Handgriffe zeigt, Geduld hat, wenn noch nicht alles klappt. Genau hier beginnt für viele junge Menschen der Weg ins Berufsleben – nicht in der Theorie, sondern mitten in der Praxis im Betrieb. In Tirol leisten das tagtäglich tausende Unternehmen. Aktuell stehen in Tirol etwa 9700 junge Menschen in einem Lehrverhältnis. Das zeigt: Die Fachberufslehre ist kein Randthema, sondern ein tragender Teil unserer Gesellschaft und unseres Arbeitsmarktes.

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Erst durch die tägliche Anwendung entwickelt sich echte Kompetenz. Am Ende erreichen Fachkräfte jenes Niveau, dem die Kundinnen und Kunden vertrauen.

David Narr

Diese Betriebe leisten weit mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch das, was in keinem Lehrbuch steht: Verlässlichkeit, Teamarbeit, Verantwortung. Sie zeigen, wie ein Arbeitstag funktioniert, wie man mit Kundinnen und Kunden umgeht und was es heißt, Teil eines Teams zu sein. In den Ausbildungsbetrieben wird das in der Berufsschule Gelernte angewendet und vertieft. Übung macht den Meister – und ohne diese praktische Umsetzung bleibt Wissen abstrakt. Erst durch die tägliche Anwendung entwickelt sich echte Kompetenz. Am Ende erreichen Fachkräfte jenes Niveau, dem die Kundinnen und Kunden vertrauen.

Gleichzeitig sichern die Betriebe damit ihre Zukunft. Wer ausbildet, denkt nicht in Quartalen, sondern in Jahren. Fachkräfte sind nicht einfach „da“ – sie werden Schritt für Schritt ausgebildet. Viele Unternehmen wissen das und bleiben ihrer Rolle treu, auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aktuell alles andere als einfach sind.

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Ausbildungsbetriebe sind damit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Rückgrat unserer Fachkräfteentwicklung.

David Narr

Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine Herausforderung: Viele dieser Betriebe würden gerne mehr Lehrlinge aufnehmen, finden aber oft nicht die passenden Bewerberinnen und Bewerber.

Ebenso bemerkenswert ist, wie breit die Ausbildung in Tirol aufgestellt ist. Vom Handwerk über die Industrie, weiter zum Handel bis zum Tourismus: In vielen Branchen gibt es engagierte Betriebe, die ihre Kompetenz an die nächste Generation weitergeben und jungen Menschen eine Chance bieten. Ausbildungsbetriebe sind damit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Rückgrat unserer Fachkräfteentwicklung. Wie stark dieses Rückgrat ist, zeigen internationale Berufswettbewerbe, bei denen unsere Nachwuchskräfte regelmäßig zu den Besten gehören. Ohne hochprofessionelle Ausbildungsbetriebe wäre dieses Niveau nicht möglich.

 Es gibt also viele gute Nachrichten über Ausbildungsbetriebe. Das darf aber über eines nicht hinwegtäuschen: Es werden weniger. Vor zehn Jahren waren es in Tirol noch über 3500, heute sind es knapp 2900.

Das macht eines deutlich: Wer die Lehre stärken will, muss auch die Betriebe stärken. Sie brauchen Rahmenbedingungen, die Ausbildung möglich machen – und vor allem jene Wertschätzung, die ihrer Leistung entspricht.

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