Raus aus Gas

Neuer Wiener Pakt, gerade „weil zu wenig passiert“

Wien
25.09.2026 15:10

Wien verspricht nun auch der Umweltschutzorganisation Greenpeace, „gasfreie Stadt“ zu werden. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky leugnet nicht, dass das eine „Herkulesaufgabe“ ist. Gerade deshalb braucht es aus seiner Sicht Ansporn dazu, auch und gerade durch den Pakt.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) verhehlt zu Wiens „Raus aus Gas“-Ziel bis 2040 nicht: „Man muss offen sagen, dass ein riesengroßer Weg vor uns liegt.“ Gerade deshalb unterzeichnete Wien nun als erste europäische Hauptstadt den Greenpeace-Pakt „gasfreier Städte“. Aus der Sicht von Alexander Egit, Geschäftsführer der Umweltschutzorganisation, kann und muss Bewegung in Sachen Klimaschutz gerade von Städten kommen, weil einzelstaatliche oder EU-Gesetze oft zu lasch seien.

„In allen Bereichen passiert noch zu wenig“
Czernohorszky bekräftigt das: Wien tut aus seiner Sicht alles, was der Stadt möglich sei – es brauche nun vor allem Bundesgesetze, die entschlosseneres Handeln ermöglichen: „Bei der Stilllegung von Gasnetzen bummelt Österreich“, nennt der Stadtrat ein Beispiel. Auch Änderungen im Mietrechtsgesetz müssen vom Bund kommen. In dessen derzeitiger Form reicht oft der Widerstand einer einzigen Hauspartei, um ein Haus auf nachhaltige Energieversorgung umzustellen.

Zitat Icon

Nur, wenn ich ein klares Ziel habe, weiß ich, wo ich hinmuss.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ)

Wien selbst ist aus Czernohorszkys Sicht „sehr weit“ bei Pfaden, klaren Zielen und Vorzeigeprojekten für die Umstellung auf klimaneutrale Energieversorgung. Eine halbe Million Haushalte, die weiterhin mit Gastherme heizen und Warmwasser erzeugen, seien aber eine „Herkulesaufgabe“, gibt er zu. „In allen Bereichen passiert noch zu wenig“, räumt der Stadtrat ein, der neue Pakt sei umso mehr Ansporn, „in die Gänge zu kommen“.

Wie der Stadtrat seine eigene Gastherme loswurde
„Das Zeitalter von fossilem Gas ist für Haushalte zu Ende“, ist Czernohorszky überzeugt, auch ohne Zutun der Politik: Gaspreise würden weiter steigen, und „mit Gas kann man nicht kühlen, mit Wärmepumpen schon“. Dass die Umstellung für viele an der Finanzierbarkeit scheitere, bestreitet der Klimastadtrat nicht, auch wenn nachhaltige Energieversorgung „auf den zweiten Blick immer finanzierbar“ sei.

Das Festhalten am Raus-aus-Gas-Ziel vergleicht Czernohorszky mit der Mondlandung: Hätte der damalige US-Präsident John F. Kennedy dafür kein Versprechen innerhalb einer Dekade gegeben, wäre das wohl auch nicht gelungen. Sein eigenes Umweltproblem hat Czernohorszky jedenfalls auf kurzem Weg gelöst: Der Klimastadtrat, der bisher in einer Mietwohnung mit Gastherme wohnte, ist umgezogen – und heizt nun mit Fernwärme.

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