Nach Berichten der „Krone“ und zahlreichen Beschwerden durch Anrainer hat der Bezirksvorsteher von Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus eine Verschlechterung der Drogensituation im Süden des Bezirks bestätigt und Forderungen an Stadt sowie Bund gestellt – mit einigen offenen Fragen.
Erst vor wenigen Tagen wandten sich Anrainer der Dingelstedtgasse, nur rund 200 Meter von der berüchtigten Gumpendorfer Straße entfernt, Hilfe suchend an die „Krone“. Vor ihrer Haustür konsumieren Süchtige oder lassen blutverschmierte Spritzen zurück. Sie lärmen und halten die Anrainer wach.
Auch rund um den Westbahnhof, etwa in der Palm- oder der Pelzgasse, verschlimmert sich die Lage zusehends. Jene Beschwerden erreichen nicht nur die „Krone“, sondern auch den Bezirkschef von Rudolfsheim-Fünfhaus, Dietmar Baurecht (SPÖ).
Verschlechterung der Lage
Im Vergleich zu 2025 seien deutlich mehr Anrainer an ihn herangetreten, erklärt er. Dass die Schutzzone rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße sowie die Alkoholverbotszone am Westbahnhof dafür verantwortlich sind, schließt er aus. Er beobachte eine Verschärfung der Drogenkriminalität schon über ein Jahr.
Anders sieht das die SPÖ-Gemeinderätin Claudia Laschan. Sie wohnt in der Sechshauser Straße. Dass sich die Drogenszene so weit in den Bezirk hinein verlagert, sei noch nie so gewesen. Seit Monaten sei sie „wie eine Walze“ über Rudolfsheim-Fünfhaus gerollt. „So schlimm war es noch nie.“
Der Bezirk tue viel, so Baurecht, und spricht die mobile soziale Arbeit (sam West) an. In Vorbereitung seien aber auch „Beleuchtungsmaßnahmen und erhöhte Reinigungsintervalle“. Der Sechshauser Park soll außerdem umzäunt werden, um eine mögliche Nachtsperre vorzubereiten.
Bund und Stadt am Zug
Besonders erfolgreich gegen die Drogenszene werden diese Maßnahmen aber wohl kaum sein. Baurecht und Laschan sehen daher Bund und Stadt in der Pflicht. „Es braucht vor allem mehr Polizei“, so der Bezirkschef. In der Bezirksvertretungssitzung am Donnerstag wurde ein Antrag für eine weitere Polizeistation angenommen.
Zudem werde es eine Bürgerversammlung geben. Die Bezirks-ÖVP hatte das mit einem Antrag durchgebracht. Die Volkspartei spricht sich allerdings auch für eine Ausweitung der Videoüberwachung bei der U6-Station aus.
Forderung ohne Basis
Das Forderungspaket seitens der Bezirksvorstehung umfasst wiederum sogenannte Konsumräume, in denen Süchtige ohne Angst vor Strafen Drogen zu sich nehmen können. „Durch sie werden die Betroffenen Wohngebiete meiden“, glaubt Laschan.
Dafür braucht es aber eine Änderung im Bundesgesetz. Immerhin ist der Besitz und Erwerb von Suchtmittel in Österreich illegal. „Mit Gesprächen“ will sie die Verantwortlichen überzeugen.
Das habe der Bezirk vor mehr als zehn Jahren auch bei der Umsetzung des Prostitutionsgesetzes gemacht, das ein Aus für den Straßen-Strich im Bezirk zur Folge hatte. Jene Szene hat sich seither aber ebenso auf Randgebiete verlagert.
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